SAP Aktie: 47 Prozent unter Vorjahr, Halbjahreszahlen am 23. Juli
SAP-Aktie verliert trotz solider Cloud-Zahlen massiv an Wert. Analysten sehen im Kursrutsch eine mögliche Einstiegschance.

Kurz zusammengefasst
- Kursverlust von fast 47 Prozent
- Externe Faktoren wie Oracle belasten
- Cloud-Umsatz steigt um 27 Prozent
- Analysten halten an Kaufempfehlungen fest
Fast die Hälfte des Kurswerts ist weg. SAP notiert bei 136,22 Euro — rund 47 Prozent unter dem Niveau vor zwölf Monaten. Eigene operative Schwäche ist dafür kaum verantwortlich.
Die Aktie liegt knapp über ihrem Jahrestief von 130,80 Euro, das erst am 25. Juni markiert wurde. Seit Jahresbeginn summiert sich das Minus auf über 32 Prozent. Bis zum 23. Juli, wenn SAP die Halbjahreszahlen vorlegt, gilt die Quiet Period — das Management darf keine geschäftskritischen Informationen veröffentlichen.
Oracle-Schock und Zinsdruck als Treiber
Der Kursrutsch hat externe Ursachen. Oracles Quartalszahlen erschütterten den europäischen Softwaresektor. Oracle plant für das Geschäftsjahr 2027 Investitionsausgaben von bis zu 95 Milliarden US-Dollar. Anleger fürchten, dass explodierende KI-Infrastrukturkosten auch bei anderen Anbietern die Margen belasten — SAP verlor daraufhin rund vier Prozent und war zeitweise schwächster DAX-Wert.
SAP ist deutlich weniger auf teure Infrastruktur angewiesen als Oracle. Trotzdem traf der Sektorschock auch Walldorf. Eine Umsatzwarnung von Accenture kurz danach verstärkte den Abverkauf. Kollateralschaden, kein eigenes Versagen.
Hinzu kommt das Zinsumfeld. Fed-Chef Kevin Warsh signalisiert eher Erhöhungen als Senkungen. Goldman Sachs rechnet erst 2027 mit einer Lockerung. Das drückt die Bewertung von Wachstumstiteln strukturell nach unten.
Operative Zahlen zeigen ein anderes Bild
Die Q1-Zahlen vom 23. April erzählen eine andere Geschichte. Der Cloud-Umsatz stieg um 27 Prozent auf fast 6 Milliarden Euro. Der Cloud Backlog erreichte mit 21,9 Milliarden Euro einen neuen Rekordwert — ein Plus von 25 Prozent. Das EPS kletterte auf 1,66 Euro, nach 1,52 Euro im Vorjahr.
Das laufende Aktienrückkaufprogramm stützt den Kurs zusätzlich. SAP hat seit Januar 2026 rund 16,3 Millionen Aktien zu einem Durchschnittskurs von 161,16 Euro zurückgekauft. Das entspricht rund 2,6 Milliarden Euro des bis Ende 2027 laufenden 10-Milliarden-Programms.
Analysten sehen Bewertungschance
Trotz des Kursrückgangs halten viele Analysten ihre Kaufempfehlungen. Goldman Sachs senkte zwar die Bruttomargenprognose für die zweite Jahreshälfte 2026, ließ die Kaufempfehlung aber unverändert. UBS-Analyst Michael Briest erwartet steigende Margen im zweiten Quartal und hält sein Kursziel von 205 Euro. Berenberg-Analyst Nay Soe Naing sieht ein historisch niedriges Bewertungsniveau im Sektor und nennt 215 Euro als Ziel.
Am 23. Juli richtet sich der Blick auf zwei Kennziffern: den Cloud-Auftragsbestand und die Cloud-Bruttomarge. Beide zeigen, ob SAPs KI-Strategie kommerziell greift — oder ob die Kosten den Fortschritt auffressen. Ab August verschärft der EU AI Act die Anforderungen für Hochrisiko-Anwendungen. Verzögern Compliance-Auflagen Produkteinführungen, könnte das ausgerechnet dann bremsen, wenn KI-Funktionen als wichtigstes Verkaufsargument dienen.
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