SAP Aktie: 47-Prozent-Verlust in Wendepunkt umgewandelt

SAP-Aktie erholt sich dank möglicher EU-Einigung und milliardenschwerem Rückkaufprogramm. Analysten sehen trotz Kursverlusten deutliches Aufholpotenzial.

Felix Baarz ·
SAP Aktie

Kurz zusammengefasst

  • EU-Kartellverfahren: Einigung in Sicht
  • Milliarden-Rückkaufprogramm stützt den Kurs
  • Analysten sehen Kurspotenzial von 60 Prozent
  • Cloud-Wachstum bleibt auf hohem Niveau

Nach einem Kursverlust von fast 47 Prozent in zwölf Monaten zeigt die SAP-Aktie erste Lebenszeichen. Am Freitag schloss das Papier bei 136,16 Euro — ein Tagesplus von knapp vier Prozent. Hinter der Gegenbewegung stecken zwei konkrete Entwicklungen: eine mögliche Einigung im EU-Kartellverfahren und ein laufendes Milliarden-Rückkaufprogramm.

EU-Verfahren: Bußgeld abgewendet?

Seit September 2025 prüft die EU-Kommission, ob SAP seine Marktmacht bei Wartungs- und Supportleistungen missbraucht. Der Vorwurf: Der Konzern binde Kunden systematisch und erschwere den Wechsel zu Konkurrenten — klassische Lock-in-Effekte.

SAP macht nun einen entscheidenden Schritt. Das Unternehmen bietet Zugeständnisse an, die Kunden den Anbieterwechsel erleichtern sollen. Konkret geht es um erweiterte Interoperabilität und mehr Transparenz bei Gebühren — besonders bei Wiedereinstiegsgebühren für Support-Verträge.

Stimmt die EU zu, endet das Verfahren ohne Strafe. Ursprünglich drohten bis zu zehn Prozent des Jahresumsatzes. Die Kommission hat bereits ein Feedback-Verfahren eingeleitet. SAP selbst erwartet keine materiellen Auswirkungen auf seine Finanzergebnisse.

Parallel läuft eine separate Beschwerde. Das Münchner Unternehmen Celonis hat beim Bundeskartellamt Klage eingereicht. Der Vorwurf: SAP bevorzuge seine eigene Process-Mining-Lösung SAP Signavio unfair gegenüber Wettbewerbern.

Rückkaufprogramm als Kurspuffer

Als zweite Stütze wirkt das laufende Aktienrückkaufprogramm. SAP kaufte in der ersten Tranche rund 16,3 Millionen Aktien zu einem Durchschnittspreis von 161,16 Euro zurück. Der aktuelle Kurs liegt deutlich darunter. Das macht das Programm auf diesem Niveau strukturell kursunterstützend.

Die laufende Tranche sieht Rückkäufe von bis zu 2,6 Milliarden Euro bis Juli 2026 vor. Das Gesamtprogramm läuft bis Ende 2027 und umfasst bis zu zehn Milliarden Euro.

Oracle-Schock und KI-Skepsis drücken Stimmung

Der vorangegangene Kursverfall hat mehrere Auslöser. Oracle schockte den Markt mit Investitionsplänen von bis zu 95 Milliarden US-Dollar für das Geschäftsjahr 2027. Anleger fürchten seither explodierende KI-Infrastrukturkosten im gesamten Sektor.

Goldman Sachs senkte daraufhin seine Prognose für SAPs Bruttomarge im zweiten Halbjahr 2026 leicht ab — mit Verweis auf steigende Hardwarekosten. Die Aktie verlor an einem Tag vier Prozent. Die Kaufempfehlung ließ Goldman Sachs allerdings unangetastet.

Hinzu kommt ein Wahrnehmungsproblem. Anleger bevorzugen derzeit Unternehmen, die als direkte KI-Profiteure gelten. SAP zählt in dieser Lesart nicht dazu — trotz solider Fundamentaldaten.

Analysten sehen massives Aufholpotenzial

Der Analystenkonsens bleibt trotz des Kurseinbruchs optimistisch. Das durchschnittliche Kursziel aus neun Analysen liegt bei 221,25 Euro — rund 60 Prozent über dem aktuellen Niveau.

Bernstein Research hält an einem Kursziel von 276 Euro fest. Berenberg sieht das Papier bei 215 Euro, UBS bei 205 Euro, die Deutsche Bank bei 200 Euro. Berenberg verweist darauf, dass die Gewinne im ersten Quartal deutlich anzogen, während das Marktstimmung noch nicht auf Vorkrisenniveaus zurückgekehrt ist.

Operativ lieferte SAP zuletzt solide Zahlen. Im ersten Quartal 2026 stieg der Current Cloud Backlog um 20 Prozent auf 21,9 Milliarden Euro. Der Cloud-Umsatz legte währungsbereinigt um 27 Prozent zu. Für das Gesamtjahr peilt SAP Cloud-Erlöse zwischen 25,8 und 26,2 Milliarden Euro an — bei einem Free Cashflow von rund zehn Milliarden Euro.

Den nächsten Impuls liefert der 23. Juli 2026. Dann präsentiert SAP die Zahlen für das zweite Quartal. Wichtig: Im zweiten Quartal fällt ein Sondereffekt weg, der das Cloud-Wachstum im ersten Quartal begünstigt hatte. Der Markt schaut vor allem auf Cloud-Auftragsbestand und Cloud-Bruttomarge — beide zeigen, ob die KI-Strategie kommerziell trägt.

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