SAP Aktie: 9,15-Prozent-Sprung auf Cloud-Rekord

Starker Cloud-Auftragsbestand treibt SAP-Aktie um über neun Prozent an, während die gesenkte Gewinnprognose für 2026 die Euphorie bremst.

Redaktion Stock-World ·
Abstrakte Darstellung von Cloud-Computing-Technologie mit leuchtenden Glasfaserkabeln und moderner Serverinfrastruktur. (KI-generiertes Symbolbild)
Symbolbild, KI-generiert

Kurz zusammengefasst

  • Cloud-Auftragsbestand erreicht Rekordwert
  • Aktie legt über neun Prozent zu
  • Gewinnprognose für 2026 gesenkt
  • KI-Strategie rückt in den Fokus

SAP hat am Freitag mit seinen Zahlen zum zweiten Quartal für den kräftigsten Kurssprung seit Langem gesorgt. Die Aktie schloss bei 140,80 Euro und legte an einem einzigen Handelstag um 9,15 Prozent zu. Grund war ein Cloud-Auftragsbestand, der die Erwartungen der Analysten deutlich übertraf und Sorgen um eine schwächelnde Nachfrage im Zuge der Konkurrenz durch generative KI-Anwendungen zerstreute.

Der Cloud-Auftragsbestand kletterte im Jahresvergleich um 27 Prozent auf 22,9 Milliarden Euro und markierte damit einen Rekordwert. Der Cloud-Umsatz wuchs um 22 Prozent auf 6,28 Milliarden Euro, der Konzernumsatz insgesamt um 9 Prozent auf 9,88 Milliarden Euro. Unterm Strich stieg der Konzerngewinn um 26 Prozent auf 2,21 Milliarden Euro, der freie Cashflow legte um 27 Prozent auf 3,0 Milliarden Euro zu. Das operative Ergebnis auf bereinigter Basis kam mit 2,74 Milliarden Euro allerdings unter den Konsensschätzungen heraus – ein Dämpfer inmitten der sonst starken Zahlen. Der Gewinn je Aktie lag nach IFRS bei 1,89 Euro, ein Plus von 30 Prozent, nach bereinigter Rechnung bei 1,59 Euro.

Trotz der Kurserholung bleibt SAP für Anleger seit Jahresbeginn ein Verlustgeschäft: Auf Sicht von zwölf Monaten steht ein Minus von 32,42 Prozent zu Buche. Die Aktie hatte im Vorfeld unter der Sorge gelitten, dass agentenbasierte KI-Anwendungen klassische Softwareabonnements verdrängen könnten – ein Szenario, das in Marktkreisen als „SaaSpocalypse“ kursierte. Der Auftragsbestand vom Freitag liefert nun ein erstes handfestes Gegenargument.

Prognose gesenkt wegen Zukäufen

Parallel zu den starken operativen Zahlen kappte SAP die Gewinnprognose für 2026: Das Ziel für das bereinigte operative Ergebnis sinkt auf eine Spanne von 11,8 bis 12,2 Milliarden Euro. Als Grund nannte Finanzvorstand Dominik Asam ausschließlich die jüngsten Übernahmen der Datenplattform Dremio, abgeschlossen am 6. Juli, und des KI-Spezialisten Prior Labs, abgeschlossen am 17. Juli. Das Ziel für den Cloud-Umsatz von 25,8 bis 26,2 Milliarden Euro bestätigte der Konzern dagegen unverändert. Zusätzlich belastet der Lizenzumsatz das Bild: Er brach um 32 Prozent auf 131 Millionen Euro ein, ein Beleg dafür, wie stark sich das klassische Softwaregeschäft weiter zurückzieht.

Analysten uneinig über die Bewertung

Die Reaktionen der Bankhäuser fielen unterschiedlich aus. Jefferies-Analyst Charles Brennan hob die starke Auftragsentwicklung im zweiten Quartal hervor und sprach von einer inzwischen günstigen Bewertung, die eine Erholungsrallye stützen könne. JPMorgan blieb dagegen zurückhaltender und bestätigte eine neutrale Einstufung mit einem Kursziel von 175 Euro. Andreas Lipkow von CMC Markets ordnete die Zahlen so ein: Das Cloud-Geschäft bleibe der zentrale Wachstumstreiber des Konzerns, von der KI-Konkurrenz sei bislang keine Beschädigung erkennbar. Die Analystin Rebecca Wettemann formulierte dagegen weiterhin Vorbehalte: SAP müsse beim Thema künstliche Intelligenz noch mehr liefern, um die eigene KI-Geschichte überzeugend zu erzählen.

KI-Strategie im Fokus

Vorstandschef Christian Klein bündelt nach dem angekündigten Abgang von Produktchef Muhammad Alam, der den Konzern im März 2027 verlassen wird, die Verantwortung für die KI-Agenda stärker in der Konzernspitze. SAP finanziert die Investitionen in künstliche Intelligenz unter anderem über Einsparungen bei Reise- und Einstellungsbudgets, Stellenabbau ist nach Unternehmensangaben jedoch nicht geplant. Klein verfolgt mit dem Konzept einer einheitlichen Suite aus Daten, Cloud, KI und Automatisierung die Vision eines „Autonomous Enterprise“. Nach Unternehmensangaben ist künstliche Intelligenz inzwischen in mehr als 90 Prozent der 50 größten Vertragsabschlüsse des Quartals eingebunden – ein Argument, das SAP als Beleg für den Fortschritt seiner KI-Strategie anführt, während der Markt die Marge weiterhin kritisch beobachtet.

Der Kurssprung vom Freitag machte SAP zum größten Einzelwert-Treiber im DAX, der an diesem Tag um 1,36 Prozent auf 25.099 Punkte zulegte. Für die Aktie selbst bleibt die Kernfrage bestehen, ob sich das kräftige Auftragswachstum in den kommenden Quartalen in einer stabileren Marge niederschlägt, oder ob die KI-Investitionen die Profitabilität weiter belasten.

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SAP Aktie

184,30 EUR

– 1,36 EUR -0,73 %
KGV 27,65
KUV 5,57
Sektor Technologie
Div.-Rendite 1,36 %
Marktkapitalisierung 213,42 Mrd. EUR
Ø Kursziel 209,81 EUR
ISIN: DE0007164600 WKN: 716460

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