SAP Aktie: Anwender rebellieren?
54 Prozent der DSAG-Mitglieder nutzen weiterhin ältere SAP-Systeme; TechWolf soll das KI- und HR-Angebot ergänzen.

Kurz zusammengefasst
- DSAG-Mitglieder fordern greifbaren KI-Nutzen
- 54 Prozent nutzen ECC oder Business Suite
- SAP vereinbarte TechWolf-Übernahme
- Quartalsbericht erscheint am 21. Oktober
Während SAP das Tempo bei Künstlicher Intelligenz forciert, fordern die Unternehmenskunden mehr Bodenhaftung. Auf dem Jahreskongress der Deutschsprachigen SAP-Anwendergruppe (DSAG) mit über 6.000 Teilnehmern am heutigen Mittwoch trat die Diskrepanz zwischen strategischer Konzernvision und betrieblicher Realität offen zutage. Viele Anwender verlangen greifbaren Nutzen statt technischer Versprechen.
Hohe Hürden bei der Systemumstellung
Der Modernisierungsdruck in den IT-Abteilungen wächst, stößt jedoch vielerorts auf organisatorische Bremsspuren. Eine Umfrage der DSAG verdeutlicht die Lage: 54 Prozent der befragten Mitgliedsunternehmen arbeiten nach wie vor mit den Systemen SAP ECC oder Business Suite. Für die Standardwartung der etablierten ECC-Plattform läuft die Frist bereits Ende 2027 ab.
Die Anwendervereinigung warnt vor einer Kopplung neuer Funktionen an reine Cloud-Verträge und pocht auf Wahlfreiheit für Firmen, die eigene Rechenzentren betreiben.
Zukäufe für das Portfolio
Um Lücken im Sortiment rasch zu schließen, greift SAP verstärkt auf externe Spezialisten zurück. Gestern vereinbarte der Konzern die Übernahme des belgischen KI-Unternehmens TechWolf, dessen Technologie Mitarbeiterdaten und Arbeitsmarktprofile strukturiert. Die Plattform soll die HR-Sparte SuccessFactors sowie den Assistenten Joule unterstützen, zugleich aber auch für Nicht-SAP-Systeme offenbleiben.
Der Schritt folgt auf frühere Akquisitionen: Ende März sicherte sich der Walldorfer Softwarekonzern den Datenmanager Reltio für knapp 1,1 Milliarden Euro, im Juli kamen Prior Labs und Dremio hinzu.
Entscheidend für die Rentabilität der Zukäufe bleibt das Zusammenspiel mit den Kernanwendungen. Analysten bewerten die Ausgangslage unterschiedlich. Die Experten von Jefferies empfehlen die Aktie mit einem Kursziel von 220 Euro zum Kauf, während JPMorgan das Papier mit einem Kursziel von 175 Euro neutral auf „Hold“ einstuft.
Quartalszahlen rücken in den Blick
Am Aktienmarkt spiegelte sich die Debatte zur Wochenmitte in verhaltener Zurückhaltung wider. Im heutigen Handel gab das Papier leicht um 0,4 Prozent auf 186,36 Euro nach. Für Anleger verschiebt sich die Aufmerksamkeit auf die anstehenden Geschäftszahlen: Am späten Abend des 21. Oktober legt SAP den Bericht für das dritte Quartal vor. Dann wird sich zeigen, wie robust die Nachfrage nach den neuen Cloud-Paketen in der Praxis ausfällt.
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