SAP Aktie: Cloud-Auftragsbestand wächst um 26 Prozent
SAP-Aktie steigt trotz gesenktem Kursziel von Barclays. Starker Cloud-Auftragsbestand und Analystenoptimismus treiben die Erholung an.

Kurz zusammengefasst
- Aktie steigt um 3,34 Prozent
- Barclays senkt Kursziel für SAP
- Cloud-Auftragsbestand übertrifft Erwartungen
- Charttechnik zeigt überkaufte Lage
SAP-Aktien legen weiter zu. Am Mittwoch steigt das Papier um 3,34 Prozent auf 162,76 Euro. Auf Sicht von sieben Handelstagen summiert sich das Plus damit auf 24,70 Prozent.
Bemerkenswert: Die Rally läuft gegen eine skeptische Stimme bei Barclays. Die Bank senkt ihr Kursziel für SAP. Die Aktie steigt trotzdem weiter.
Analysten uneins wie selten
Andere Häuser sehen die Lage optimistischer. UBS und Berenberg bestätigen ihre Kaufempfehlung, mit Kurszielen von 164 und 205 Euro. Die DZ Bank bleibt bei „Verkaufen“ und nennt einen fairen Wert von nur 120 Euro.
Diese Spannbreite zeigt: Der Markt interpretiert die jüngsten Quartalszahlen völlig unterschiedlich. Ein unerwarteter Kostenanstieg belastete die operative Marge. Laut HSBC sank sie um 66 Basispunkte auf 27,8 Prozent. Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung kletterten dagegen um 74 Basispunkte auf 18,7 Prozent des Umsatzes.
Cloud-Auftragsbestand übertrifft Erwartungen
Im Zentrum der positiven Kursreaktion steht ein Frühindikator: der aktuelle Cloud-Auftragsbestand, kurz CCB. Er gilt als wichtigstes Signal für künftiges Cloud-Wachstum. Währungsbereinigt legte er um 26 Prozent zu.
Das übertrifft sowohl die Markterwartung von 24 bis 25 Prozent als auch die Schätzungen von Berenberg, HSBC und Jefferies deutlich. Zum Ende des zweiten Quartals erreichte die Kennzahl einen zweistelligen Milliardenbetrag.
Berenberg-Analyst Nay Soe Naing wertet diese Entwicklung als wichtiges Signal. Steigende KI-Kosten verdrängen die Nachfrage nach SAP-Software demnach bislang nicht.
Charttechnik zeigt Erholung – aber mit Warnsignal
Die Aktie notiert inzwischen deutlich über ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 144,23 Euro. Erst vor wenigen Handelstagen markierte der Titel noch ein neues 52-Wochen-Tief bei 127,52 Euro. Zum 200-Tage-Durchschnitt von 175,47 Euro bleibt allerdings ein Abstand von 7,24 Prozent – der übergeordnete Abwärtstrend ist also noch nicht gebrochen.
Der RSI-Wert ist auf 69,5 Punkte gestiegen. Das signalisiert eine überkaufte Marktlage. Gleichzeitig bleibt die Volatilität mit 48,44 Prozent auf 30-Tage-Sicht hoch – große Kursschwankungen sind also weiterhin wahrscheinlich.
KI-Integration läuft im Hintergrund
Während die Rally an der Börse Aufmerksamkeit bekommt, treibt SAP seine KI-Strategie parallel voran. Im Juli schloss der Konzern die Übernahme von Prior Labs ab. Das Unternehmen entwickelt sogenannte Tabular Foundation Models – speziell für strukturierte Unternehmensdaten.
Anfang Juli kam die Übernahme von Dremio hinzu. Die Plattform führt Daten aus SAP- und Nicht-SAP-Systemen zusammen und macht sie für Analysen und KI-Anwendungen nutzbar.
Die Marktreaktion auf die jüngsten Zahlen fällt insgesamt deutlich positiver aus als in den Monaten zuvor. Ob die Kursgewinne tragfähig sind, hängt nun von zwei Dingen ab: Erstens muss sich die kurzfristig überkaufte technische Lage erst normalisieren. Zweitens wird der Markt die widersprüchlichen Kurszielanpassungen der Analysten in den kommenden Wochen weiter einpreisen.
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