SAP Aktie: Cloud-Backlog auf 22,9 Milliarden Euro
SAP überzeugt mit starkem Cloud-Wachstum, senkt aber die Jahresprognose für das operative Ergebnis. Analysten bewerten die Entwicklung unterschiedlich.

Kurz zusammengefasst
- Cloud-Umsatz steigt um 24 Prozent
- Jahresprognose für operatives Ergebnis gesenkt
- Analysten sehen Licht und Schatten
- Aktie erholt sich von Jahrestief
SAP hat mit den Zahlen zum zweiten Quartal ein zwiespältiges Bild geliefert – die Börse reagiert dennoch überwiegend positiv. Der Softwarekonzern meldete am Donnerstag vergangener Woche einen Gesamtumsatz von 9,88 Milliarden Euro nach 9,03 Milliarden Euro im Vorjahresquartal. Gleichzeitig senkte das Unternehmen seine Jahresprognose für das bereinigte operative Ergebnis. Die Aktie legte am heutigen Dienstag um 2,24 Prozent zu und markierte damit den vorläufigen Höhepunkt einer Erholungsbewegung, die sich bereits in den vergangenen sieben Handelstagen mit einem Plus von 13,44 Prozent abzeichnete.
Cloud-Wachstum trifft auf Margendruck
Der Cloud-Umsatz von SAP stieg im zweiten Quartal währungsbereinigt um 24 Prozent auf 6,28 Milliarden Euro. Noch deutlicher fiel die Dynamik beim kurzfristigen Cloud-Vertragsbestand aus: Der sogenannte Current Cloud Backlog kletterte zum Stichtag 30. Juni um 27 Prozent auf 22,9 Milliarden Euro. Diese Kennzahl gilt als Indikator für künftige Umsätze und lieferte damit den eigentlichen Lichtblick der Berichtssaison.
Auf der anderen Seite blieb das bereinigte operative Ergebnis mit 2,74 Milliarden Euro und einem Plus von 7 Prozent hinter dem Analystenkonsens von 2,91 Milliarden Euro zurück. Als Grund für die verfehlte Erwartung sowie für die gesenkte Jahresprognose nannte SAP ausschließlich die Integrationskosten der kürzlich abgeschlossenen Übernahmen von Dremio und Prior Labs. Statt eines Wachstums von 14 bis 18 Prozent beim bereinigten operativen Ergebnis rechnet der Konzern nun mit einer Spanne von 13 bis 17 Prozent auf Basis konstanter Währungen.
Analysten uneins über die Gewichtung
Die Reaktionen der Analysten fielen entsprechend unterschiedlich aus. Charles Brennan von Jefferies bezeichnete die Entwicklung des Cloud-Vertragsbestands am Freitag als „klares Highlight“ der Quartalsergebnisse, das die Markterwartungen deutlich übertroffen habe. Toby Ogg von JPMorgan bewertete am selben Tag hingegen die operative Margenentwicklung im zweiten Quartal als „negative Überraschung“. Die gegensätzlichen Einschätzungen spiegeln die Grundspannung wider, die Anleger derzeit bei SAP austarieren müssen: starkes Neugeschäft im Cloud-Bereich gegen steigende Integrationskosten durch Zukäufe.
Die Übernahmen von Dremio und dem Wiener KI-Startup Prior Labs wurden im Juli offiziell vollzogen, der Kaufpreis für beide Transaktionen zusammen lag bei über einer Milliarde Euro. Für den Prior-Labs-Deal hatte die EU-Kommission zuvor grünes Licht gegeben: Die Kartellbehörde stellte ihr Verfahren am 21. Juli ohne Bußgeld ein, SAP verpflichtete sich im Gegenzug zur Einhaltung spezifischer Auflagen.
Charttechnisches Bild bleibt angespannt
Trotz der jüngsten Erholung notiert die SAP-Aktie weiterhin deutlich unter ihrem 200-Tage-Durchschnitt von 175,82 Euro – der Abstand beträgt 12,34 Prozent. Das verdeutlicht, dass der aktuelle Kursanstieg zunächst eine kurzfristige Gegenbewegung innerhalb eines längerfristigen Abwärtstrends darstellt, der die Aktie seit dem Rekordhoch von 258,60 Euro Ende Juli vergangenen Jahres begleitet. Vom Jahrestief bei 127,52 Euro, das erst vor wenigen Tagen erreicht wurde, hat sich das Papier bereits um mehr als ein Fünftel entfernt.
Für Anleger bleibt die Kernfrage, ob die Integrationskosten der jüngsten Zukäufe nur eine vorübergehende Belastung darstellen oder strukturell auf die Marge drücken. Der nächste verlässliche Prüfstein folgt mit den Ergebnissen zum dritten Quartal, die SAP für den 21. Oktober angekündigt hat. Bis dahin dürfte der Cloud-Vertragsbestand als wichtigster Frühindikator im Fokus der Marktteilnehmer stehen.
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