SAP Aktie: Cloud wächst um 24 Prozent
SAP erhält grünes Licht vom Kartellamt und verzeichnet starkes Cloud-Wachstum. Trotz gesenkter Gewinnprognose nähert sich die Aktie ihrem Juni-Hoch.

Kurz zusammengefasst
- Kartellamt beendet Vorermittlungen gegen SAP
- Cloud-Umsatz steigt um 24 Prozent
- KI-Komponenten in 90 Prozent der Top-Deals
- Aktienrückkauf: 2,6 Milliarden Euro investiert
SAP kommt an diesem Dienstag gleich mit zwei Nachrichten ohne Umweg über die Zahlenkolonnen der Softwarebranche: Das Bundeskartellamt hat ein mögliches Missbrauchsverfahren gegen den Walldorfer Konzern eingestellt, während sich die Aktie nach einem kräftigen Wachstumsschub im Cloud-Geschäft wieder ihrem Juni-Hoch nähert. Der Kurs notiert aktuell bei 164,34 Euro und gibt damit heute um 0,40 Prozent nach – auf Monatssicht steht dennoch ein Plus von 16,85 Prozent.
Kartellamt beendet Vorermittlungen ohne Verfahren
Das Bundeskartellamt hat seine Vorermittlungen gegen SAP abgeschlossen, ohne ein förmliches Missbrauchsverfahren einzuleiten. Die Behörde fand keine ausreichenden Hinweise darauf, dass SAP Wettbewerber wie Celonis behindert oder durch die kostenlose Bereitstellung von Signavio verdrängt. SAP begrüßte die Entscheidung. Für Anleger nimmt das eine wiederkehrende regulatorische Unsicherheit von der Aktie, die zuletzt immer wieder als Belastungsfaktor genannt wurde.
Cloud-Wachstum trägt die Erholung
Parallel dazu bestätigt sich am Kapitalmarkt ein Trend, der die SAP-Aktie seit Wochen stützt: Das Cloud-Geschäft wuchs im zweiten Quartal um 24 Prozent auf 6,28 Milliarden Euro. Diese Dynamik hat den Kurs zuletzt wieder in Richtung seines Juni-Hochs getragen. Gegenläufig sanken die Software-Lizenzerlöse im selben Quartal um 32 Prozent auf 0,13 Milliarden Euro, während die Serviceerlöse mit einem Minus von 3 Prozent auf 1 Milliarde Euro nahezu stabil blieben – ein Muster, das zum branchenweiten Umbau von klassischer Lizenzsoftware hin zu Cloud-Abonnements passt.
Innerhalb der Cloud-Strategie spielt die Business Data Cloud eine zentrale Rolle: Sie erzielte im ersten Jahr einen Vertragswert von rund 2 Milliarden Euro, und laut Unternehmensangaben enthielten 90 Prozent der 50 größten Geschäftsabschlüsse im zweiten Quartal Komponenten aus künstlicher Intelligenz und der Business Data Cloud. Das unterstreicht, wie stark SAP KI-Funktionen inzwischen in laufende Vertragsverhandlungen einbindet, statt sie separat zu vermarkten.
Die Gewinnprognose hat SAP dabei leicht gesenkt – Zukäufe im KI-Bereich schlagen zu Buche. Konkret belasten die übernommenen Unternehmen Dremio und Prior Labs den operativen Gewinn 2026 mit über 100 Millionen Euro. Für den freien Cashflow des laufenden Jahres rechnet SAP dennoch weiterhin mit rund 10 Milliarden Euro.
Rückkaufprogramm läuft, Bewertung bleibt gespalten
Beim laufenden Aktienrückkaufprogramm mit einem Zielvolumen von 10 Milliarden Euro bis Ende 2027 hat SAP bislang 16,28 Millionen eigene Aktien für rund 2,6 Milliarden Euro erworben. Solche Rückkäufe stützen üblicherweise die Kursentwicklung, indem sie die Zahl der ausstehenden Aktien reduzieren und den Gewinn pro Anteil rechnerisch erhöhen.
Nicht alle Einschätzungen fallen jedoch positiv aus: Das Analysehaus Zacks vergibt der SAP-Aktie derzeit ein Rank #4 (Sell) und sieht damit vergleichsweise wenig kurzfristiges Aufwärtspotenzial – ein Kontrapunkt zur operativen Wachstumsstory im Cloud-Geschäft.
Charttechnisch bleibt die Aktie trotz der jüngsten Erholung noch ein Stück von ihrem 200-Tage-Durchschnitt entfernt, den sie um 5,55 Prozent unterschreitet. Der Blick auf das Gesamtjahr zeigt zudem, wie tief der Rückschlag der vergangenen Monate war: Seit Jahresbeginn steht für SAP ein Minus von 21,56 Prozent, nachdem die Aktie im August vergangenen Jahres noch ein Hoch von 257,70 Euro markiert hatte. Die Kombination aus wegfallendem Kartellrisiko und robustem Cloud-Wachstum liefert nun zumindest zwei Argumente, warum sich die Erholung der vergangenen Wochen fortsetzen könnte – auch wenn die gesenkte Gewinnprognose und skeptische Analystenstimmen zur Vorsicht raten.
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