SAP Aktie: Dremio und Prior Labs verwässern Prognose

SAP senkt Gewinnprognose für 2026 wegen KI-Zukäufen, verzeichnet aber starkes Cloud-Wachstum und deutliche Kurserholung nach Rekordtief.

Dr. Robert Sasse ·
SAP Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Prognose gesenkt, Cloud-Aufträge stark
  • Kurserholung nach 52-Wochen-Tief
  • Zukäufe für KI-Strategie
  • Analysten uneins über Aktienbewertung

Es gibt Momente, in denen ein Konzern seine eigene Erfolgsgeschichte kurzfristig ausbremst, um sie langfristig zu sichern. SAP erlebt gerade genau das. Während der Softwarekonzern aus Walldorf seine Gewinnprognose für 2026 leicht kappt, kauft er sich gleichzeitig mit aller Macht in die Zukunft der Künstlichen Intelligenz ein. Das ist keine Widersprüchlichkeit – das ist die Logik eines Unternehmens, das nicht zuschauen will, wie US-Hyperscaler und KI-Spezialisten den Softwaremarkt neu verteilen.

Ein Kurssturz, der zum Wendepunkt wurde

Am 23. Juli senkte SAP die Prognose für das Non-IFRS-Betriebsergebnis 2026 auf eine Spanne von 11,8 bis 12,2 Milliarden Euro, zuvor waren es 11,9 bis 12,3 Milliarden. Der Grund war kein operatives Problem, sondern schlichte Mathematik: Die im Juli abgeschlossenen Übernahmen von Dremio und Prior Labs verwässern das Ergebnis kurzfristig. Just an diesem Tag markierte die Aktie mit 127,52 Euro ihr 52-Wochen-Tief. Wer damals kaufte, sitzt heute auf einem Plus von 33,01 Prozent – der Kurs von aktuell 169,62 Euro zeigt, wie schnell der Markt die Volten neu bewertet hat. Seit dem Tiefpunkt hat sich der Titel binnen 30 Tagen um 20,61 Prozent erholt.

Der Grund für die Kehrtwende steckt in denselben Zahlen, die zunächst für Verunsicherung sorgten. Der Cloud-Auftragsbestand, also die Summe künftiger Cloud-Erlöse, sprang um 27 Prozent auf 22,9 Milliarden Euro. In den Quartalszahlen selbst wuchsen die Clouderlöse um 22 Prozent auf 6,28 Milliarden Euro, das Non-IFRS-Betriebsergebnis um 7 Prozent auf 2,74 Milliarden Euro, der IFRS-Nettogewinn sogar um 26 Prozent auf 2,21 Milliarden Euro. Anders formuliert: Das Kerngeschäft brummt, nur die Zukäufe drücken kurzfristig auf die Marge.

Zukäufe als Antwort auf den KI-Umbruch

Dremio bringt Data-Lake-Technologie, Prior Labs sogenannte Tabular Foundation Models – beides soll die Business Data Cloud von SAP mit „Business AI“-Fähigkeiten aufrüsten. Erst im März hatte der Konzern zudem Reltio übernommen, einen Anbieter cloud-nativer Lösungen für Stammdatenmanagement, um Kunden KI-fähige Daten bereitzustellen. Es ist ein Muster: SAP kauft sich systematisch die Bausteine zusammen, die es braucht, um seinen KI-Copiloten Joule und die gesamte Datenplattform konkurrenzfähig zu halten. Ist das der Preis, den Anleger für diese Zukunftsinvestition zahlen müssen? Die Antwort der Bilanz lautet: ein überschaubarer, aber sichtbarer Dämpfer bei der Gewinnspanne, während der Auftragsbestand als Frühindikator klar nach oben zeigt.

Regulatorisch bekam SAP zuletzt ebenfalls Entlastung: Das Bundeskartellamt sah am 30. Juli von einem förmlichen Missbrauchsverfahren ab, nachdem ein Wettbewerber Vorwürfe zur Einschränkung von Interoperabilität erhoben hatte. Ein Unsicherheitsfaktor weniger für die Aktie.

Wie der Markt die Story bewertet

Die jüngsten Analystenreaktionen fielen gemischt aus. Jefferies-Analyst Charles Brennan bestätigte am 28. Juli seine Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 210 Euro und verwies auf die über den Erwartungen liegende Entwicklung der Cloud-Aboverträge. JPMorgan-Analyst Toby Ogg sah das Bild am 24. Juli differenzierter: Er beließ seine Einstufung bei „Neutral“ mit Kursziel 175 Euro, lobte den starken Auftragsbestand, wertete das schwächere operative Ergebnis aber als negative Überraschung. Automatisierte Bewertungsmodelle zeichnen unterdessen ein deutlich optimistischeres Bild mit breiter Kaufempfehlung, was angesichts der jüngsten Kursdynamik wenig überrascht.

Auf der Hauptversammlung im Mai hatten die Aktionäre bereits eine Dividende von 2,50 Euro je Aktie beschlossen, ein Plus von 6,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr – ein Signal, dass der Vorstand trotz der Investitionsoffensive an der Ausschüttungspolitik festhält. Vom 52-Wochen-Hoch bei 257,70 Euro aus dem August vergangenen Jahres bleibt die Aktie mit einem Abstand von 34,18 Prozent aber weit entfernt. Der Weg zurück zu alten Höchstständen führt über die nächsten Quartalszahlen, die SAP für den 21. Oktober angesetzt hat. Bis dahin bleibt die Kernfrage bestehen, ob sich die milliardenschwere KI-Aufrüstung schneller in Gewinn übersetzt, als sie derzeit Marge kostet.

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