SAP Aktie: EU und Bundeskartellamt beenden Verfahren

SAP beendet beide Kartellprüfungen ohne Sanktionen. Die Aktie legt binnen 30 Tagen um 29 Prozent zu, während Barclays das Kursziel senkt.

Dr. Robert Sasse ·
SAP Aktie

Kurz zusammengefasst

  • EU-Kartellverfahren ohne Bußgeld beendet
  • Bundeskartellamt stellt Ermittlungen ein
  • Aktie steigt binnen 30 Tagen um 29 Prozent
  • Barclays senkt Kursziel auf 220 Euro

SAP hat binnen weniger Wochen zwei kartellrechtliche Verfahren hinter sich gebracht, die über Jahre wie ein Damoklesschwert über dem Konzern hingen. Sowohl die EU-Kommission als auch das Bundeskartellamt haben ihre Prüfungen eingestellt, ohne Bußgelder zu verhängen. Für Anleger bedeutet das ein Stück regulatorische Klarheit in einer Phase, in der die Aktie ohnehin von starkem operativem Momentum getragen wird.

Zwei Behörden, ein Ergebnis

Die EU-Kommission erklärte am 9. Juli Selbstverpflichtungen von SAP für bindend und beendete damit ihr Kartellverfahren ohne Sanktion. Der Konzern verpflichtet sich weltweit für zehn Jahre, die Wartungs- und Support-Bedingungen für seine On-Premise-ERP-Software zu lockern.

Wenige Wochen später, am 30. Juli, zog auch das Bundeskartellamt einen Schlussstrich: Die Behörde stellte ihre Vorermittlungen ein und leitete kein förmliches Missbrauchsverfahren ein. Sie sah keine hinreichenden Anhaltspunkte dafür, dass SAP den Datenzugang aus ERP-Systemen behindert.

Zwei unabhängige Aufsichtsbehörden kamen damit in derselben Grundsatzfrage zu einem ähnlichen Schluss – ein Signal, das die Rechtssicherheit für das Kerngeschäft mit Bestandskunden stärkt, die auf lokal installierte Software setzen.

Rally trifft auf vorsichtige Analystenstimme

Der Kurs hat die vergangenen Wochen deutlich zugelegt: Auf Sicht von 30 Tagen steht ein Plus von 29,38 Prozent zu Buche, die Aktie notiert aktuell bei 181,60 Euro.

Seit Jahresbeginn bleibt unter dem Strich dennoch ein Minus, der Kurs liegt weiterhin spürbar unter seinem 52-Wochen-Hoch von 251,70 Euro aus dem August 2025. Technische Indikatoren wie ein RSI von 76,3 deuten auf eine kurzfristig überkaufte Lage hin – ein Warnsignal für Anleger, die auf eine Verschnaufpause der Rally gefasst sein sollten.

In dieses Bild passt die jüngste Einschätzung von Barclays. Die Bank senkte am 28. Juli ihr Kursziel von 255 auf 220 Euro, bestätigte aber die Kaufempfehlung „Overweight“. Als Grund nannte Barclays kurzfristige Unsicherheiten bei der Kostenentwicklung – ein Hinweis darauf, dass die Integration jüngster Übernahmen nicht ohne Preis zu haben ist, das grundsätzliche Aufwärtspotenzial der Aktie aus Sicht der Bank aber intakt bleibt.

Übernahmen, Führungswechsel und der Blick nach vorn

Die von Barclays angesprochenen Kosten hängen eng mit zwei Zukäufen zusammen, die SAP im Juli abgeschlossen hat. Am 6. Juli wurde die Übernahme von Dremio, einem Anbieter einer Data-Lakehouse-Plattform, finalisiert.

Am 17. Juli folgte der Abschluss der Akquisition von Prior Labs, einem KI-Startup für tabellarische Foundation Models – hier investiert SAP nach eigenen Angaben in den kommenden vier Jahren mehr als eine Milliarde Euro.

Beide Deals sollen die KI- und Datenplattform-Strategie des Konzerns stärken, belasten aber laut den Quartalszahlen den Ausblick für das Betriebsergebnis durch Verwässerungseffekte.

Diese Zahlen für das zweite Quartal, veröffentlicht am 23. Juli, zeigten operativ ein solides Bild: Der Current Cloud Backlog wuchs um 27 Prozent auf 22,9 Milliarden Euro, die Cloud-Erlöse legten um 22 Prozent zu, das Segment Cloud ERP Suite sogar um 25 Prozent. Der Gesamtumsatz stieg um 9 Prozent, während das Betriebsergebnis nach IFRS um 8 Prozent zulegte.

Parallel dazu vollzieht SAP einen organisatorischen Umbau an der Führungsspitze: Bereits am 1. Juli übergab Muhammad Alam operative Verantwortung für Teile von SAP Product & Engineering auf Interimsbasis an Christian Klein. Zwei neue Teams wurden geschaffen, SAP Business AI Platform & CTO sowie SAP Autonomous Suite – ein Zeichen dafür, wie stark der Konzern seine Organisation auf das Wachstumsfeld künstliche Intelligenz ausrichtet.

Anleger richten den Blick nun auf den 21. Oktober, wenn SAP seine Zahlen für das dritte Quartal 2026 vorlegt. Dann dürfte sich zeigen, ob sich die durch Dremio und Prior Labs verursachte Margenbelastung wie erwartet entwickelt und ob die regulatorische Entspannung tatsächlich zu einer nachhaltig geringeren Risikoprämie für die Aktie führt.

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