SAP vollzieht einen radikalen Führungswechsel: CEO Christian Klein gibt die Vertriebsverantwortung ab und fokussiert sich künftig ausschließlich auf Künstliche Intelligenz. Die Reorganisation erfolgt in einer Phase, in der die Aktie binnen zwölf Monaten rund 38 Prozent verloren hat – und Investoren zunehmend befürchten, dass KI-Tools klassische Software-Geschäfte kannibalisieren könnten. Der Schritt ist ein Eingeständnis: SAP muss sich neu erfinden, um relevant zu bleiben.
Saueressig übernimmt Customer Value Group
Ab 1. April 2026 bündelt SAP die Bereiche Customer Success sowie Customer Services & Delivery in der neu geschaffenen Customer Value Group. Thomas Saueressig, bislang für Produktentwicklung zuständig, übernimmt als Chief Customer Officer die Verantwortung für die gesamte Kundenreise – vom ersten Kontakt bis zur nachhaltigen Wertschöpfung.
Der Umbau ist eine direkte Folge des Abgangs von Chief Revenue Officer Scott Russell im Jahr 2024. Klein hatte damals Teile der Vertriebsverantwortung selbst übernommen. Nun gibt er sie ab, um sich auf das zu konzentrieren, was das Management als strategisch entscheidend einstuft: Künstliche Intelligenz.
Vorstand verliert weiteres Mitglied
Vorstandsmitglied Muhammad Alam wird seinen im März 2027 auslaufenden Vertrag nicht verlängern. Bis dahin soll er noch am KI-Assistenten Joule weiterarbeiten. Alams Abgang reiht sich ein in eine Serie von Führungswechseln, die bei Investoren die Frage aufwirft, ob SAP das technologische Rennen mit der nötigen Stabilität bestreiten kann.
Starke Zahlen, verhaltene Prognose
Das Geschäftsjahr 2025 schloss SAP mit einem Cloud-Umsatz von 21,02 Milliarden Euro ab – ein Plus von 23 Prozent. Der Gesamtumsatz erreichte 36,80 Milliarden Euro, das IFRS-Betriebsergebnis mehr als verdoppelte sich auf 9,83 Milliarden Euro. Der Free Cashflow legte um 95 Prozent auf 8,24 Milliarden Euro zu.
Dennoch reagierte der Markt mit Enttäuschung. Die Prognose für 2026 mit einem erwarteten Cloud-Wachstum von 23 bis 25 Prozent fiel konservativer aus als erhofft. Viele Analysten hatten nach dem außergewöhnlich starken Jahr eine aggressivere Guidance erwartet. Die Sorge: Das Wachstum normalisiert sich – oder verlangsamt sich.
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Joule als Hoffnungsträger
SAPs KI-Copilot Joule bietet inzwischen über 400 Anwendungsfälle. Im ersten Quartal 2026 ging der Joule Studio Agent Builder in die allgemeine Verfügbarkeit, mit dem Unternehmen eigene KI-Agenten entwickeln können. Zu den Referenzkunden zählt der FC Bayern, der auf RISE with SAP setzt und mehr als 9,5 Millionen Fan-Datensätze verwaltet.
Ob Joule ausreicht, um skeptische Investoren zu überzeugen, bleibt offen. Die Angst vieler Marktteilnehmer: KI-Automatisierung könnte klassische Workflow-Applikationen überflüssig machen – und damit auch Teile von SAPs Kerngeschäft.
Aktienrückkauf als Vertrauenssignal
SAP kündigte ein zweijähriges Rückkaufprogramm über bis zu zehn Milliarden Euro an. Für das Geschäftsjahr 2025 schlägt der Vorstand eine Dividende von 2,50 Euro je Aktie vor, ausgezahlt am 8. Mai 2026. Die Dividendenpolitik sieht mindestens 40 Prozent des Non-IFRS-Gewinns nach Steuern vor.
37 Analysten taxieren den Umsatz für 2026 im Schnitt auf 40,6 Milliarden Euro – 10,4 Prozent über den letzten zwölf Monaten. Der Konsens für den Gewinn je Aktie liegt bei 7,25 Euro, ein Plus von 15,45 Prozent gegenüber 2025.
Bewährungsprobe im April
Am 23. April 2026 legt SAP die Zahlen für das erste Quartal vor. Dann wird sich zeigen, ob die organisatorische Neuausrichtung Früchte trägt und die ehrgeizigen Ziele für 2026 mehr sind als ein Versprechen. Die Umstrukturierung findet in einem Umfeld statt, in dem Software-as-a-Service-Aktien unter Druck stehen. Mit der Bündelung von Vertrieb, Services und Support will SAP signalisieren: Das Unternehmen gestaltet die KI-Transformation aktiv – statt nur zu reagieren. Ob das gelingt, entscheidet sich in den kommenden Monaten.
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