SAP Aktie: Klein öffnet KI für On-Premise-Kunden

SAP öffnet seine KI-Angebote teilweise für On-Premise-Kunden, doch geringe Nutzung, offene Ziele und UBS’ neutrale Bewertung bremsen die Zuversicht.

Dr. Robert Sasse ·
Abstrakte Darstellung moderner Serverinfrastruktur und künstlicher Intelligenz in einem technologischen Umfeld. (KI-generiertes Symbolbild)
Symbolbild, KI-generiert

Kurz zusammengefasst

  • SAP-Aktie legt 1,2 Prozent zu
  • KI-Agenten sollen Modelle flexibel wechseln
  • On-Premise-Zugang ab drittem Quartal vorgesehen
  • 22 Sicherheitslücken wurden geschlossen

SAP-Papiere gehören am Mittwoch zu den stärksten Werten im DAX, während der Leitindex insgesamt nachgibt. Der Kurs steigt auf 184,20 Euro und liegt damit 1,2 Prozent über dem Vortagesniveau. Anleger fragen sich, ob die Erholung nach schwächeren Tagen trägt oder nur eine kurzfristige Gegenbewegung ist.

KI-Strategie im Fokus

Auf der Goldman-Sachs-Konferenz „Communacopia + Technology“ erläuterte SAP-Chef Christian Klein am Mittwoch die Modellstrategie des Konzerns. Statt sich an einzelne Anbieter wie OpenAI oder Anthropic zu binden, sollen KI-Agenten das zugrunde liegende Sprachmodell binnen eines Tages wechseln können.

Klein betonte, Kunden verlangten schnellere Integration, klaren Return on Investment und Kontrolle über die Gesamtkosten. SAP wolle sich dabei auf komplexe Geschäftsprozesse konzentrieren statt auf einfache Sprachmodell-Aufgaben.

Als Schwachstellen nannte er die Bereiche Concur Bookings, wo eine Partnerschaft mit American Express besteht, sowie SuccessFactors Learning bei Anwendungsfällen mit direkter Agent-zu-Agent-Kommunikation.

Parallel dazu öffnet SAP sein KI-Portfolio samt Assistent Joule künftig auch für On-Premise-Kunden mit den Systemen ECC und S/4HANA. Der Zugang ist ab dem dritten Quartal 2026 vorgesehen, allerdings nur für RISE-Kunden mit einem sogenannten Max Success Plan – der vollständige Funktionsumfang von Joule bleibt der Cloud vorbehalten.

Diese Einschränkung dürfte für Diskussionsstoff sorgen: Der DSAG-Investitionsreport 2026 zeigt, dass bislang nur drei Prozent der Anwender SAP Business AI produktiv nutzen, während 77 Prozent auf externe KI-Lösungen setzen. Die Wartung der klassischen Business Suite läuft 2027 aus und wird bis 2030 nur noch kostenpflichtig angeboten.

Analysten bleiben zurückhaltend

Trotz der jüngsten KI-Offensive und eines Kursanstiegs von rund 50 Prozent zwischen Ende Juli und Ende August hat sich die Rally seit Anfang September merklich abgekühlt. UBS bestätigte am Mittwoch ihre neutrale Einstufung mit einem Kursziel von 201 Euro.

Die Analysten verweisen auf den Ausbaustand des Agenten-Portfolios: Aktuell sind 37 KI-Agenten angekündigt, von denen erst 18 tatsächlich verfügbar sind. Bis Jahresende plant SAP mehr als 200 Agenten und über 50 Assistenten – ambitionierte Ziele, deren Umsetzung die Bewertung der Aktie in den kommenden Monaten prägen dürfte.

Auch bei der Nutzung im breiteren deutschen Markt zeigt sich Zurückhaltung. Einer Bitkom-Umfrage unter 603 Unternehmen zufolge setzen lediglich sechs Prozent der Befragten auf SAP Joule, während ChatGPT von OpenAI mit 76 Prozent und Microsoft Copilot mit 35 Prozent deutlich weiter verbreitet sind. Der Bitkom-Präsident kritisierte in diesem Zusammenhang die insgesamt geringe Nutzung europäischer KI-Anbieter.

Sicherheitslücken geschlossen

Am regulären September-Patchday veröffentlichte SAP zudem 22 Security Notes, darunter fünf als besonders kritisch eingestufte HotNews-Hinweise. Zwei Zero-Day-Schwachstellen mit den Bezeichnungen OVERPASS und S4GET, die mit CVSS-Werten von 10,0 beziehungsweise 9,8 als hochkritisch gelten, wurden geschlossen. Eine aktive Ausnutzung der Lücken ist nach bisherigem Kenntnisstand nicht bekannt.

Für Anleger bleibt die Gemengelage ambivalent: Der Kurssprung am Mittwoch zeigt, dass der Markt kurzfristig positiv auf die KI-Kommunikation reagiert. Ob die Strategie jedoch tatsächlich in messbare Umsatzeffekte mündet, bleibt angesichts der noch geringen praktischen Nutzung und der vorsichtigen Analystenhaltung offen.

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