SAP Aktie: Prior Labs-Deal abgeschlossen
SAP investiert über eine Milliarde Euro in tabellarische KI-Modelle und schließt zweite Übernahme im Juli ab. Analysten sehen Risiken bei der Monetarisierung.
Kurz zusammengefasst
- Milliardeninvestition in KI-Spezialisten Prior Labs
- Zweite Übernahme im Juli nach Dremio-Deal
- UBS senkt Kursziel, Morningstar hält an Bewertung fest
- EU-Kartellverfahren gegen SAP eingestellt
Der Konzern kündigte an, über die kommenden vier Jahre mehr als eine Milliarde Euro in das Team für sogenannte tabellarische Foundation Models zu investieren. Damit setzt der Softwarekonzern kurz vor der Vorlage der Quartalszahlen ein deutliches Signal in Richtung Künstliche Intelligenz.
Zweite Übernahme binnen zwei Wochen
Die Prior-Labs-Transaktion ist bereits die zweite abgeschlossene Akquisition im Juli. Erst am 6. Juli hatte SAP den finalen Abschluss der Übernahme der Datenplattform Dremio bekanntgegeben. Ziel dieses Deals ist es, Daten von Drittanbietern schneller in die eigene KI-Umgebung einzubinden. Beide Käufe zusammen zeigen, wie stark SAP seine Cloud- und KI-Infrastruktur derzeit ausbaut, während der Konzern zugleich mit der Monetarisierung dieser Technologien kämpft.
Analysten mit unterschiedlichem Blick auf die Risiken
Die Investmentbank UBS senkte am 15. Juli ihr Kursziel für SAP deutlich von 205,00 Euro auf 164,00 Euro, beließ die Einstufung jedoch bei „Buy“. Als Grund nannte Analyst Michael Briest die hohe Komplexität bei der Monetarisierung von KI-Agenten – ein Thema, das angesichts der frischen Milliardeninvestition in Prior Labs an Brisanz gewinnt. Zwei Tage später bestätigte Morningstar-Analyst Rob Hales seine Fair-Value-Schätzung von 265,00 Euro sowie das „Buy“-Rating, warnte aber vor makroökonomischen Risiken für IT-Budgets durch den Iran-Konflikt und hohe Energiekosten. Die beiden Einschätzungen aus derselben Woche zeigen, dass die Wachstumsstory von SAP unter Analysten nicht unumstritten ist.
Regulatorischer Rückenwind aus Brüssel
Etwas Entlastung kam Anfang Juli von der EU-Kommission. Die Behörde stellte das Kartellverfahren gegen SAP wegen dessen Wartungs- und Supportpraktiken offiziell ein. SAP entgeht damit einer Geldbuße, verpflichtet sich im Gegenzug aber für zehn Jahre unter anderem dazu, auf Reaktivierungsgebühren bei On-Premise-Lösungen zu verzichten. Auf der technischen Seite schloss der Konzern im Rahmen seines monatlichen Patchdays am 14. Juli 16 Sicherheitslücken, darunter drei kritische Schwachstellen in NetWeaver, Commerce Cloud und AppRouter.
Kurs nahe am Jahrestief, Zahlen am 23. Juli
An der Börse spiegelt sich die Unsicherheit im Kursverlauf wider. Am Freitag schloss die SAP-Aktie bei 138,50 Euro und verlor damit 1,81 Prozent. Seit Jahresanfang steht bei SAP ein Verlust von 33,53 Prozent zu Buche. Vom 52-Wochen-Tief bei 130,80 Euro, das der Titel am 25. Juni markierte, trennen die Aktie aktuell nur 5,89 Prozent – ein Hinweis darauf, dass sich der Kurs trotz der jüngsten Übernahmen und des regulatorischen Erfolgs weiterhin in der Nähe seiner Jahrestiefstände bewegt.
Die nächste wichtige Weichenstellung steht bereits bevor: Am 23. Juli legt SAP die Ergebnisse für das zweite Quartal und das erste Halbjahr 2026 vor, die Analysten-Telefonkonferenz ist für 23:00 Uhr MESZ angesetzt. Investoren dürften dabei genau darauf achten, wie sich die frischen KI-Investitionen in den Zahlen niederschlagen und ob der Konzern die von UBS angesprochenen Monetarisierungsfragen adressieren kann. Zur Erinnerung: Für das Geschäftsjahr 2025 hatte die Hauptversammlung im Mai eine Dividende von 2,50 Euro pro Aktie beschlossen, die bereits zur Auszahlung kam.
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