SAP Aktie: Q2-Zahlen am 23. Juli
SAP treibt mit Übernahmen und Milliardenanleihe die KI-Strategie voran, während der Aktienkurs hinter den Erwartungen zurückbleibt.

Kurz zusammengefasst
- Drei KI-Übernahmen in zwei Monaten
- Milliardenanleihe zur Finanzierung
- Cloud-Erlöse steigen um 27 Prozent
- Q2-Bericht am 23. Juli erwartet
Fast 47 Prozent unter dem Jahreshoch, knapp 4 Prozent über dem Tief — SAP steckt in einer klaren Kurszwickmühle. Drei Übernahmen in zwei Monaten, eine Milliardenanleihe, ein laufendes Rückkaufprogramm: Der Konzern agiert offensiv. Der Kurs spiegelt das noch nicht wider.
J.P. Morgan gegen den Rest
Analyst Toby Ogg von J.P. Morgan hält an seiner Halteempfehlung fest. Kursziel: 175 Euro. Seine Begründung klingt vorsichtig: KI-Integration läuft, aber viele Kunden befinden sich noch in der Orientierungsphase.
Das breite Analysten-Lager sieht das anders. Im laufenden Monat kamen 38 Kaufempfehlungen auf gerade mal 8 Halte- und eine Verkaufsempfehlung. Das durchschnittliche Kursziel der vergangenen drei Monate liegt bei 211 Euro — also rund 49 Prozent über dem aktuellen Kurs von 141,52 Euro. Auch Evercore ISI senkte zuletzt sein Kursziel auf 175 Euro, bleibt aber weit über dem Marktpreis.
Drei Deals, eine Datenpipeline
SAP baut seine KI-Infrastruktur gezielt aus. Im März startete die Übernahme von Reltio, danach folgten Dremio und Prior Labs — drei Akquisitionen in rund zwei Monaten.
Die Logik dahinter ist klar: Reltio bereinigt Daten, Dremio vereinheitlicht sie, Prior Labs liefert die KI-Modelle. Das Start-up spezialisiert sich auf tabellarische Foundation-Modelle für strukturierte Daten. SAP investiert über vier Jahre 1,17 Milliarden US-Dollar — Prior Labs bleibt dabei eine eigenständige Einheit.
Die Übernahmen von Dremio und Prior Labs erwartet SAP im zweiten oder dritten Quartal 2026 abzuschließen, jeweils vorbehaltlich behördlicher Genehmigungen.
Anleihe und Rückkauf laufen parallel
Zur Finanzierung der Akquisitionsserie griff SAP Ende Mai auf den Kapitalmarkt zurück. Der Konzern emittierte Eurobonds über 3,5 Milliarden Euro in vier Tranchen mit Laufzeiten von zwei bis sieben Jahren. Moody’s bewertet SAP mit A1, S&P mit A+ — beide mit stabilem Ausblick.
Parallel läuft ein Aktienrückkaufprogramm über bis zu 10 Milliarden Euro, das bis Ende 2027 läuft. Die erste Tranche ist abgeschlossen: SAP kaufte rund 16,3 Millionen Aktien zu einem Durchschnittskurs von 161,16 Euro zurück — Gesamtvolumen rund 2,6 Milliarden Euro.
Solide Basis, aber ein Vorbehalt
Operativ steht SAP gut da. Der Current Cloud Backlog wuchs im ersten Quartal 2026 um 20 Prozent auf 21,9 Milliarden Euro. Die Clouderlöse legten währungsbereinigt um 27 Prozent zu. Der Gesamtumsatz erreichte 9,6 Milliarden Euro bei einem Free Cashflow von 3,2 Milliarden Euro.
Für das Gesamtjahr 2026 plant SAP einen Cloud-Umsatz zwischen 25,8 und 26,2 Milliarden Euro. Das operative Non-IFRS-Ergebnis soll zwischen 11,9 und 12,3 Milliarden Euro landen. Beide Ziele stehen jedoch unter Vorbehalt: SAP knüpft sie an eine Deeskalation im Nahen Osten und den Abschluss der Reltio-Übernahme.
23. Juli als Prüfstein
Am 23. Juli 2026 veröffentlicht SAP die Zahlen für das zweite Quartal. Die Telefonkonferenz für Analysten beginnt um 23:00 Uhr.
Ein Sondereffekt, der das Cloud-Wachstum im ersten Quartal begünstigte, fällt im zweiten Quartal weg. Das dürfte die Erwartungen dämpfen. Hinzu kommt: Investoren werden erste Kommentare zu den Integrationsplänen von Dremio und Prior Labs erwarten. Die Aktie notiert aktuell rund 25 Prozent unter ihrem 200-Tage-Durchschnitt — der Q2-Bericht muss liefern, um die Lücke zwischen Analysten-Optimismus und Kurswirklichkeit zu erklären.
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