SAP-Aktie: Trägt der Cloud-Rekord die nächste Etappe der Rally?
SAP verzeichnet Rekord-Cloud-Auftragsbestand von 22,9 Mrd. Euro, treibt die Aktie um fast 3 Prozent. Analysten bleiben gespalten über die Margenentwicklung.

Kurz zusammengefasst
- Cloud-Backlog erreicht 22,9 Milliarden Euro
- Aktie springt um 2,89 Prozent
- Analysten uneins über Margenausblick
- Aktienrückkaufprogramm startet zweite Tranche
Ausgangslage
SAP schickt sich an, den jüngsten Kursaufschwung fortzusetzen. Am heutigen Montag springt die Aktie um 2,89 Prozent auf 164,00 Euro und baut damit eine Erholung aus, die sich bereits seit Wochen aufbaut. Auslöser ist ein Rekordwert beim Cloud-Auftragsbestand (Current Cloud Backlog), der laut Unternehmensangaben um 27 Prozent auf 22,9 Milliarden Euro gestiegen ist. Zusätzlichen Rückenwind liefern starke Quartalszahlen der US-Hyperscaler Microsoft und Amazon, die einem robusten Investitionszyklus in der Cloud-Infrastruktur weltweit neue Nahrung geben.
Der Rückenwind trifft auf eine Aktie, die zuletzt kräftig gelitten hat: Seit Jahresanfang steht ein Minus von 21,72 Prozent, auf Zwölf-Monats-Sicht sind es sogar 33,25 Prozent. Vom 52-Wochen-Hoch bei 257,70 Euro, erreicht im vergangenen August, trennen das Papier weiterhin 36,36 Prozent. Genau in dieses beschädigte Chartbild platzte am 23. Juli der Quartalsbericht: Der Cloud-Umsatz kletterte um 22 Prozent auf 6,3 Milliarden Euro, der Gesamtumsatz stieg um 9 Prozent auf 9,88 Milliarden Euro, das Non-IFRS-Betriebsergebnis legte um 7 Prozent auf 2,7 Milliarden Euro zu. Gleichzeitig senkte der Konzern die Bandbreite seiner Jahresprognose für das Non-IFRS-Betriebsergebnis leicht auf 11,8 bis 12,2 Milliarden Euro – Reuters berichtete, Grund seien Verwässerungseffekte durch die im Juli abgeschlossenen Übernahmen von Dremio und Prior Labs. Der jetzige Kurssprung zeigt: Der Markt bewertet den Wachstumsimpuls stärker als die kurzfristige Margenbelastung.
Die entscheidende Frage
Damit rückt eine einzige Kennzahl ins Zentrum jeder Einschätzung: die Entwicklung der operativen Marge im Verhältnis zum Cloud-Wachstum. Der Backlog von 22,9 Milliarden Euro signalisiert, wie viel künftiger Umsatz bereits vertraglich gesichert ist – ein starkes Vorlaufindiz für die kommenden Quartale. Ob dieses Wachstum aber auch profitabel in die Ergebniszeile durchschlägt, entscheidet, ob die aktuelle Erholung Substanz hat oder nur eine technische Gegenbewegung ist. Genau an diesem Punkt trennen sich die Lager der Analysten.
Bullisches Szenario
Jefferies bestätigte am 28. Juli die Einstufung „Buy“ mit einem Kursziel von 210,00 Euro und verwies auf die starke Dynamik bei Cloud-Abonnements nach den Zahlen des zweiten Quartals. Ein Teil der übrigen Häuser bewegt sich in einer ähnlichen Spanne: Kursziele zwischen 175 und 215 Euro signalisieren, dass die Mehrheit der Analysten trotz der Prognoseanpassung an der grundsätzlichen Wachstumsstory festhält. Für Anleger, die dieses Szenario stützen, spricht zusätzlich das laufende Kapitalprogramm: SAP startete am 27. Juli die zweite Tranche seines Aktienrückkaufprogramms 2026 mit einem Volumen von bis zu 2,6 Milliarden Euro, entsprechend rund 18,5 Millionen Aktien. Das Gesamtprogramm bis Ende 2027 sieht bis zu 10 Milliarden Euro vor – ein struktureller Nachfragefaktor, der den Streubesitz sukzessive verknappt. Im Cloud-Ökosystem sorgt zudem die Fusion kleinerer Partner für Bewegung: q.beyond übernahm am heutigen Montag eine Mehrheitsbeteiligung am SAP-Spezialisten GITG, um Kunden beim Übergang von der auslaufenden Branchenlösung IS-H zu begleiten – ein Hinweis darauf, dass der Umstellungsdruck im Bestandskundengeschäft konkrete Geschäftschancen für Drittanbieter schafft und damit indirekt die Migrationsdynamik in Richtung Cloud stützt.
Bärisches Szenario
Die Gegenseite ist ernst zu nehmen. Die DZ Bank senkte bereits am 24. Juli ihr Kursziel von 130,00 auf 120,00 Euro und bestätigte die Einstufung „Sell“ – begründet mit Sorgen um die kurzfristige Margenentwicklung. Auch die vorsichtigere Prognosekorrektur des Konzerns selbst nährt dieses Argument: Wenn Zukäufe wie Dremio und Prior Labs kurzfristig verdünnend wirken, bleibt fraglich, wie schnell sie sich in profitables Wachstum verwandeln. JPMorgan bleibt bei „Neutral“ mit einem Kursziel von 175,00 Euro und signalisiert damit, dass der faire Wert nur wenig über dem aktuellen Niveau liegt. Charttechnisch mahnt zudem die hohe kurzfristige Volatilität von annualisiert 49,16 Prozent zur Vorsicht – ein RSI von 67 deutet zudem auf eine bereits fortgeschrittene kurzfristige Erholung hin, die anfällig für Rückschläge wäre, sollte die Marge im dritten Quartal enttäuschen.
Ausblick
Kurzfristig hat sich das technische Bild deutlich verbessert: Die Aktie notiert nur noch 5,93 Prozent unter ihrem 200-Tage-Durchschnitt, nachdem sie zuvor deutlich darunter lag. Solange der Cloud-Backlog weiter zweistellig wächst und die Rückkäufe strukturelle Unterstützung liefern, bleibt das bullische Szenario intakt und könnte die Annäherung an die 200-Tage-Linie fortsetzen. Kippt jedoch die Margenentwicklung im dritten Quartal – etwa durch anhaltende Verwässerungseffekte aus den jüngsten Übernahmen – dürften die skeptischeren Stimmen wie die der DZ Bank an Gewicht gewinnen und frühere Kursziele wieder in Reichweite rücken. Der nächste harte Prüfstein folgt am 21. Oktober mit den Zahlen zum dritten Quartal 2026, wenn sich zeigen wird, ob der Rekord-Backlog tatsächlich in profitables Wachstum übersetzt wird.
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