SAP Aktie: Tschira baut auf 4,22 Prozent auf

SAP erhält doppelte Entlastung: Kartellamt beendet Prüfung, Harald Tschira stockt Stimmrechte auf. Cloud-Wachstum treibt Erholung.

Dieter Jaworski ·
SAP Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Kartellamt stellt Ermittlungen ein
  • Tschira erhöht Stimmrechtsanteil deutlich
  • Cloud-Erlöse steigen um 22 Prozent
  • Analysten uneins über Kursentwicklung

Zwei Nachrichten aus dem Umfeld der Gründerfamilie und der Wettbewerbsaufsicht sorgten binnen 24 Stunden für Bewegung bei SAP. Am Donnerstag stellte das Bundeskartellamt seine Vorermittlungen gegen den Softwarekonzern ein, am Freitag meldete Großaktionär Harald Tschira eine deutliche Aufstockung seines Stimmrechtsanteils. Beide Ereignisse treffen auf eine Aktie, die sich nach einem schwachen Jahresauftakt zuletzt spürbar erholt hat.

Kartellamt beendet Prüfung, Tschira baut Anteil aus

Die Wettbewerbsbehörde hatte nach einer Beschwerde des Konkurrenten Celonis geprüft, ob SAP seine marktbeherrschende Stellung beim Datenzugriff missbraucht. Am Donnerstag erklärte das Bundeskartellamt, es habe keine hinreichenden Anhaltspunkte für eine solche Behinderung gefunden und die Vorermittlungen eingestellt. Für SAP fällt damit ein regulatorisches Risiko weg, das seit geraumer Zeit im Raum stand.

Nur einen Tag später folgte die Pflichtmitteilung von Harald Tschira. Der Großaktionär erhöhte seinen Stimmrechtsanteil an SAP von 0,57 Prozent auf 4,22 Prozent, mit Stichtag der Schwellenberührung am 20. Juli. Grundlage waren neue Stimmbindungsverträge innerhalb der Gründerfamilie. Eine solche Bündelung von Stimmrechten unterstreicht, dass die Gründerfamilie ihren Einfluss auf den Konzern erneut ausbaut.

Kursreaktion nach starkem Wochenverlauf

Die Aktie schloss am Freitag bei 159,40 Euro und legte damit an einem einzelnen Handelstag um 1,65 Prozent zu. Auf Wochensicht steht seit Ende Juli sogar ein Plus von 13,45 Prozent zu Buche – eine Erholung, die nach dem harten Rücksetzer der vergangenen Monate ins Gewicht fällt. Dennoch bleibt der Titel von seinem 52-Wochen-Hoch aus dem Juli deutlich entfernt, das gute Erholungsdynamik allein nicht ausgleicht.

Cloud wächst zweistellig, Prognose leicht gesenkt

Den Rahmen für die jüngste Kursbewegung setzte der Quartalsbericht vom 23. Juli. SAP steigerte die Cloud-Erlöse im zweiten Quartal um 22 Prozent auf 6,28 Milliarden Euro, der Cloud-Auftragsbestand wuchs um 27 Prozent auf 22,9 Milliarden Euro. Das IFRS-Ergebnis je Aktie kletterte von 1,46 auf 1,89 Euro. Gleichzeitig passte das Management die Jahresprognose für das bereinigte operative Ergebnis auf eine Spanne von 11,8 bis 12,2 Milliarden Euro an, zuvor waren es 11,9 bis 12,3 Milliarden Euro. Als Grund nannte der Konzern Verwässerungseffekte durch jüngste KI-Akquisitionen – dazu zählt die am 17. Juli abgeschlossene Übernahme des Freiburger KI-Spezialisten Prior Labs, in dessen eigenständig bleibendes Forschungsteam SAP über vier Jahre mehr als eine Milliarde Euro investieren will.

Passend dazu kaufte Vorstandschef Christian Klein zwischen dem 17. und 24. Juli eigene Aktien im Wert von 325.219 Euro. Insgesamt summierten sich die gemeldeten Insider-Käufe in diesem Zeitraum auf rund 3,22 Millionen Euro – ein Signal, das Anleger als Vertrauensbeweis des Managements werten dürften.

Analysten uneins über weiteres Potenzial

Die Einschätzungen der Analysehäuser gehen derzeit auseinander. Jefferies bestätigte am 28. Juli die Einstufung „Buy“ mit einem Kursziel von 210 Euro und verwies auf den überraschend starken Cloud-Auftragsbestand als kurzfristigen Treiber. JPMorgan beließ die Aktie dagegen am 27. Juli auf „Neutral“ mit einem Kursziel von 175 Euro und warnte vor Margenrisiken durch die notwendige Monetarisierung hoher KI-Investitionen.

Weitere Häuser bewegen sich in einer breiten Spanne: UBS senkte das Kursziel Mitte Juli zwar auf 164 Euro, hielt aber an „Buy“ fest, während Evercore ISI auf 160 Euro zurücknahm und die DZ Bank mit einem Ziel von 120 Euro und der Einstufung „Sell“ deutlich skeptischer bleibt. Die Bandbreite zeigt, wie unterschiedlich die Wachstumsstory und die Margenrisiken derzeit gewichtet werden.

Der nächste wichtige Termin für Anleger folgt am 21. Oktober, wenn SAP die Zahlen für das dritte Quartal und die ersten neun Monate 2026 vorlegt. Bis dahin dürften sowohl der Ausgang der KI-Investitionen als auch die Reaktion der Gründerfamilie auf ihre gestärkte Stimmrechtsposition im Fokus stehen.

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