SAP Aktie: Zwischen Ausverkauf und Kaufsignal
Schwache IBM-Ergebnisse und anhaltende KI-Sorgen setzen die SAP-Aktie unter Verkaufsdruck. Analysten sehen trotzdem langfristiges Potenzial.

Kurz zusammengefasst
- SAP schwächster DAX-Wert nach IBM-Enttäuschung
- IBM-Umsatz verfehlt Erwartungen deutlich
- Charttechnisch droht Test des Jahrestiefs
- BofA bestätigt Kaufempfehlung mit 210 Euro Ziel
SAP ist heute schwächster Wert im DAX. Auslöser ist ausgerechnet ein US-Konzern, der mit SAP eigentlich wenig zu tun hat: IBM hat vorläufige Quartalszahlen vorgelegt, die deutlich unter den Erwartungen liegen — und reißt damit die gesamte Softwarebranche mit nach unten.
IBM-Zahlen befeuern KI-Sorgen
IBM meldet für das zweite Quartal einen Umsatz von 17,2 Milliarden Dollar, erwartet worden waren 17,9 Milliarden Dollar. Die Aktie steht deshalb deutlich unter Druck. Für SAP kommt die Nachricht zur Unzeit: Der Softwarekonzern kämpft ohnehin mit der Sorge, dass Künstliche Intelligenz klassische Unternehmenssoftware verändern und bestehende Preismodelle unter Druck setzen könnte.
Verschärft wird das Bild durch die Konkurrenz. Oracle ist zuletzt auf den tiefsten Stand seit mehr als einem Jahr gefallen, die Kreditwürdigkeit des Konzerns nähert sich Ramsch-Niveau. In den vergangenen Monaten wurden Software- und Halbleiterwerte oft im Gleichlauf gehandelt — gerieten Chipwerte unter Druck, flossen Mittel in SAP, Oracle oder Microsoft, und umgekehrt. Diese Rotation funktioniert derzeit nicht mehr reibungslos, was den Verkaufsdruck auf Softwaretitel zusätzlich verstärkt.
Charttechnisch wird die Lage damit heikel. Unter 133 Euro fehlt der Aktie der Puffer zum Jahrestief bei 130,62 Euro. Rutscht die Marke, rückt die nächste Unterstützung bei 120 Euro in den Blick — dort hatte SAP zwischen Mai und September 2023 bereits mehrfach Tiefpunkte ausgebildet.
BofA bleibt trotzdem bei „Kaufen“
Während der Markt kurzfristig nervös reagiert, hält Bank of America mit Blick auf die anstehende Berichtssaison an ihrer positiven Einschätzung fest. Die Bank bestätigt die Kaufempfehlung für SAP mit einem Kursziel von 210 Euro — das entspricht einem Aufwärtspotenzial von rund 53 Prozent. Begründet wird das mit einem widerstandsfähigen Cloud-Geschäft, das auch bei leicht nachlassendem Auftragsbestand weiter wachsen soll, gestützt von stabiler Nachfrage aus Unternehmen und fortschreitender KI-Integration.
Im breiteren Sektorvergleich sieht BofA für das laufende Quartal ein Umsatzwachstum von 9,4 Prozent bei europäischen Softwareanbietern und zählt neben SAP auch Sage, Planisware und Temenos zu ihren bevorzugten Werten. Die Diskrepanz zwischen kurzfristigem Verkaufsdruck und langfristig positiver Analystenmeinung dürfte die Aktie in den kommenden Handelstagen prägen.
Zum Wochenauftakt hatte SAP sich dem allgemeinen Marktdruck durch eskalierende Spannungen im Nahen Osten und steigende Ölpreise noch überraschend entzogen. Ob dieser relative Rückhalt Bestand hat, entscheidet sich nun an der Reaktion auf die IBM-Zahlen — und daran, ob die Marke von 130,62 Euro als Jahrestief hält.
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