SAP, Commerzbank und 41.000 Jobs weniger: Die Kehrseite der DAX-Rekordgewinne
Trotz Rekordgewinnen bauen DAX-Konzerne 41.000 Stellen ab. SAP profitiert nur kurz von Übernahmegerüchten, während die Commerzbank internen Widerstand spürt.

Kurz zusammengefasst
- SAP-Kursausschlag nach Übernahmegerüchten verpufft
- DAX-Konzerne bauen trotz Rekordgewinnen 41.000 Stellen ab
- Commerzbank: Interne Spannungen um Orcels Strategie
- E.ON und Energiekontor: Unterschiedliche Kursentwicklungen
Liebe Börsianerinnen und Börsianer,
43 Milliarden Dollar Übernahmefantasie in den USA, 41.000 abgebaute Stellen bei DAX-Konzernen trotz Rekordgewinnen, und bei der Commerzbank wächst die Sorge vor einem Kulturkonflikt im eigenen Vorstand. Die Berichtssaison läuft aus, doch ausgerechnet jetzt liefert die Einzeltitel-Ebene die spannendsten Geschichten des Tages. Wer heute nur auf den Indexstand schaut, verpasst die eigentlichen Weichenstellungen.
SAP profitiert von einer fremden Übernahmestory – und das ist bezeichnend
Der Finanzinvestor Silver Lake prüft laut übereinstimmenden Berichten eine milliardenschwere Übernahme des US-Softwareanbieters Workday, dessen Marktwert auf rund 43 Milliarden Dollar (etwa 37 Milliarden Euro) taxiert wird. Workday erzielte im Geschäftsjahr 2026 einen Umsatz von knapp 10 Milliarden Dollar. Der Effekt strahlte direkt auf den europäischen Softwaresektor aus: SAP schoss im Tagesverlauf bis auf 185,40 Euro, fiel dann aber wieder zurück und notiert aktuell nur noch knapp unter dem gestrigen Schlusskurs von 180,80 Euro – ein Muster, das zeigt, wie schnell reine Übernahmefantasie ohne eigene Unternehmensnachricht wieder verpufft. Für Anleger heißt das: Die eigentliche SAP-Story bleibt das Cloud-Geschäft, das 2026 einen Rekordumsatz von rund 26 Milliarden Euro ansteuert – nicht die Frage, ob ein US-Wettbewerber übernommen wird.
DAX-Konzerne verdienen Rekordsummen – auf Kosten von 41.000 Jobs
Die zweite Zahl des Tages verdient mehr Aufmerksamkeit, als sie bekommt: Die DAX-Unternehmen steigerten ihren operativen Gewinn (EBIT) im zweiten Quartal um 16 Prozent auf 52,6 Milliarden Euro, bei einem Umsatzplus von nur 4,6 Prozent auf 463 Milliarden Euro. Gleichzeitig sank die Beschäftigtenzahl um 41.000 auf 3,49 Millionen. Die Gewinnmaschine läuft also schlanker, nicht größer – ein Muster, das sich in den Guidance-Updates von Infineon (Umsatzziel für das Geschäftsjahr 2026 über 16 Milliarden Euro, ein Plus von 10 Prozent, Gewinn über 1,6 Milliarden Euro) und Siemens (Umsatzziel 83 bis 84 Milliarden Euro, Gewinn über 9 Milliarden Euro) wiederfindet. Die Autokonzerne bilden den Gegenpol: Ihr Umsatz sank um 1,2 Prozent, der operative Gewinn brach um 12 Prozent ein. Für ein DAX-Depot bedeutet das: Die Rally wird zunehmend von Effizienz- und KI-getriebenen Sektoren getragen, während die Industrie der zweiten Reihe – allen voran die Autobauer – strukturell zurückbleibt.
Commerzbank: Wenn die eigene Erfolgsformel zur Belastung wird
Ein Blick, der in der aktuellen Berichterstattung leicht untergeht: Bei der Commerzbank mehren sich laut Reuters Hinweise, dass Vorstandschef Orcels Strategie zur Gewinnsteigerung intern auf Widerstand stößt – die Rede ist von einem drohenden Kulturkonflikt. Das ist relevant, weil es die Nachhaltigkeit gerade jener Ertragssteigerung infrage stellt, die den Kurs zuletzt getragen hat. Anleger, die auf die Commerzbank als Übernahmekandidat oder Value-Story setzen, sollten diesen weichen Faktor nicht unterschätzen: Exzellente Zahlen nützen wenig, wenn sie durch interne Reibungsverluste erkauft werden, die sich erst mit Verzögerung in der Bilanz zeigen.
Energieversorger und Ökostrom-Spezialisten laufen in entgegengesetzte Richtungen
Im Versorgersektor zeigt sich eine Zweiteilung, die für Sektor-Anleger handlungsrelevant ist. E.ON verliert deutlich, nachdem die Bundesnetzagentur einen Regulierungsentwurf vorgelegt hat, der ab 2028 greifen soll – die Aktie notiert aktuell bei 17,62 Euro, rund 4 Prozent unter dem gestrigen Schluss von 18,38 Euro. RBC bestätigt gleichzeitig die Einstufung „Sector Perform“ (Hold) mit Kursziel 19 Euro, was zeigt: Der regulatorische Gegenwind wird als temporär, nicht als fundamentale Neubewertung gesehen. Deutlich härter trifft es Energiekontor: Das Unternehmen senkt seine Ziele für 2026, die Aktie bricht um rund 10 Prozent auf 26,75 Euro ein und markiert damit ein neues 52-Wochen-Tief. Wer in erneuerbare Energien investiert ist, sollte diesen Unterschied zwischen regulatorischem Gegenwind (E.ON) und einer echten Gewinnwarnung (Energiekontor) genau auseinanderhalten – beides wird an der Börse gerade in einen Topf geworfen, verdient aber unterschiedliche Konsequenzen im Depot.
Nvidia mobilisiert die Wall Street für die nächste KI-Baustufe
Losgelöst vom DAX-Geschehen zeigt eine Nachricht aus den USA, wohin die nächste Investitionswelle fließt: Nvidia bündelt Partnerschaften mit Apollo, Blackstone, Blackrock, Brookfield, Goldman Sachs und KKR, um mindestens 500 Milliarden Dollar an KI-Infrastruktur zu finanzieren – rund ein Viertel davon will Nvidia selbst beisteuern. CEO Jensen Huang beschreibt Rechenkapazität explizit als eigene Assetklasse, die künftig wie Immobilien oder Infrastruktur strukturiert und finanziert wird. Untermauert wird das Bild durch eine Bewertungskennzahl: Nvidia handelt mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 34,5 – deutlich unter dem Branchenschnitt von 67 –, während das Umsatzwachstum mit 85 Prozent fast doppelt so hoch liegt wie im Sektor üblich. Für Anleger, die über ETFs oder Einzeltitel am KI-Trend hängen, ist das ein Signal, dass die Finanzierungsbasis der nächsten Rechenzentrums-Generation gerade erst gelegt wird – nicht, dass die Rally an ihr Ende kommt.
Was diese 500-Milliarden-Dollar-Kapitalmobilisierung für den Rest der Chip-Branche bedeutet, analysiert Chip- und Tech-Experte Johannes Daut im Live-Webinar „Chipkrieg USA vs China – Die neue NVIDIA“ am 16.08.2026 um 18:00 Uhr. Im Zentrum steht die Frage, welche Unternehmen von diesem Wettlauf zwischen Big Money und Big Tech im Windschatten von Nvidia profitieren könnten – gerade weil sich die Finanzierungsbasis für Rechenzentren, Chipfabriken und Kraftwerke erst jetzt formiert. Daut ordnet ein, warum der aktuelle Zeitpunkt im Chip-Krieg zwischen den USA und China für Anleger besonders relevant ist und welche Aktie er als möglichen nächsten großen Profiteur dieser Entwicklung sieht. Die Teilnahme ist kostenlos. Jetzt zum Webinar „Chipkrieg USA vs China – Die neue NVIDIA“ anmelden
Unterm Strich
Fünf Geschichten, ein Muster: Substanz zeigt sich derzeit im Kleingedruckten, nicht im Indexstand. SAPs Kursausschlag verpuffte binnen Stunden, weil er auf fremder Fantasie beruhte. Die DAX-Rekordgewinne stehen für 41.000 weniger Stellen – ein Preis, den die Bilanz nicht zeigt, das Depot aber langfristig spüren wird. Bei der Commerzbank entscheidet sich die Werthaltigkeit der Strategie nicht an der nächsten Quartalszahl, sondern daran, ob der interne Widerstand gegen Orcel wächst oder abklingt. Und im Versorgersektor trennt der Markt gerade zu Recht zwischen einem regulatorischen Rückschlag bei E.ON und einer echten Gewinnwarnung bei Energiekontor. Wer sein Depot vor dem Wochenende prüft, sollte genau diese Bruchstellen zwischen Story und Substanz suchen – nicht den nächsten Rekordstand.
Kommen Sie gut ins Wochenende – und behalten Sie am Montag im Blick, ob Silver Lake bei Workday tatsächlich nachlegt.
Beste Grüße,
Ihr Eduard Altmann
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