SAP: Kartellverfahren beendet, Aktie verliert 2,24 Prozent
SAP beendet Kartell- und EU-Verfahren, senkt aber die Jahresprognose. Cloud-Umsatz wächst stark, Analysten bleiben trotz Kurszielkürzungen optimistisch.

Kurz zusammengefasst
- Kartellverfahren gegen SAP eingestellt
- EU prüft Wartungsrichtlinien abgeschlossen
- Cloud-Umsatz steigt um 24 Prozent
- Jahresprognose leicht gesenkt
Zwei Verfahren, die SAP monatelang begleitet haben, sind vom Tisch. Das Bundeskartellamt hat sein Vorprüfverfahren wegen des Verdachts auf Missbrauch einer marktbeherrschenden Stellung eingestellt – Beschwerdeführer war der Konkurrent Celonis. Zeitgleich schloss die EU-Kommission ihre Überprüfung der Wartungsrichtlinien für On-Premise-Lösungen ab, nachdem SAP verbindliche Zusagen gemacht hatte. Das meldete die dpa. Der Markt reagierte darauf jedoch verhalten: Die Aktie verliert heute 2,24 Prozent und notiert bei 153,78 Euro.
Gute Nachrichten, gedämpfte Reaktion
Dass eine regulatorische Entlastung dieser Größenordnung nicht sofort zu Kursgewinnen führt, liegt an der Gesamtlage des Papiers. Vom 52-Wochen-Hoch bei 258,60 Euro, erreicht Ende Juli des vergangenen Jahres, trennen die Aktie inzwischen 40,53 Prozent. Anleger haben die Kartell- und Wettbewerbsfragen offenbar längst nicht mehr als akutes Risiko eingepreist – der Wegfall der Unsicherheit bringt daher wenig zusätzlichen Auftrieb. Stattdessen richtet sich der Blick auf die operative Entwicklung und die zuletzt gesenkte Jahresprognose.
Cloud-Wachstum bleibt stark, Prognose wird vorsichtiger
Am 23. Juli hatte SAP die Zahlen für das zweite Quartal und das erste Halbjahr vorgelegt. Der Cloud-Umsatz kletterte auf 6,28 Milliarden Euro, ein Plus von 24 Prozent währungsbereinigt. Der Auftragsbestand im Cloud-Geschäft, der Current Cloud Backlog, wuchs um 26 Prozent auf 22,9 Milliarden Euro – ein Indikator für künftige Umsätze, den Anleger genau verfolgen. Das IFRS-Ergebnis je Aktie stieg auf 1,89 Euro nach 1,46 Euro im Vorjahr.
Weniger erfreulich fiel die Anpassung der Jahresprognose aus. Das Management senkte die Erwartung für das operative Ergebnis auf Non-IFRS-Basis für 2026 leicht auf eine Spanne von 11,8 bis 12,2 Milliarden Euro, zuvor waren bis zu 12,3 Milliarden Euro angepeilt worden. Als Grund nannte der Konzern Verwässerungseffekte durch Akquisitionen. Dazu zählen die Übernahmen der US-Datenplattform Dremio und des KI-Start-ups Prior Labs, mit denen SAP seine Business-AI-Strategie ausbauen will und deren Belastung sich erst in der zweiten Jahreshälfte in den Ergebnissen niederschlagen soll.
Diese Kombination aus solidem Wachstum im Kerngeschäft und einer vorsichtigeren Ergebnisprognose prägt seither die Diskussion um die Aktie. Der Kurs liegt derzeit 6,51 Prozent über dem 50-Tage-Durchschnitt von 144,38 Euro – ein Zeichen, dass sich die Erholung der vergangenen Wochen trotz des heutigen Rückschlags noch nicht komplett aufgelöst hat.
Analysten senken Kursziele, halten aber an Kaufvotum fest
Die Reaktionen der Analysehäuser auf die Zahlen fielen gemischt aus. Am Montag senkte Goldman Sachs das Kursziel von 230 auf 215 Euro, bestätigte aber die Einstufung „Buy“. Analyst Mohammed Moawalla verwies dabei auf den robusten Cloud-Auftragsbestand als stützendes Argument. Einen Tag später bekräftigte Barclays die Kaufempfehlung „Overweight“, kürzte das Kursziel jedoch wegen Bedenken hinsichtlich der Kostenentwicklung.
Auch mehrere weitere Häuser bestätigten in den vergangenen Tagen ihre positiven Einstufungen für das Papier, ohne die Skepsis bei den Kostenprognosen in gleichem Maß zu teilen. Insgesamt zeichnet sich damit ein Bild ab: Das Wachstum im Cloud-Geschäft überzeugt die Analystengemeinde weiterhin, während die Kostenseite und die Verwässerungseffekte aus den jüngsten Zukäufen zunehmend kritisch beäugt werden. Für die Aktie bedeutet das vorerst einen Balanceakt zwischen operativer Stärke und vorsichtigerer Ergebnisguidance – ein Spannungsfeld, das die heutige Kursreaktion trotz der wettbewerbsrechtlichen Entlastung widerspiegelt.
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