ServiceNow: 20 Millionen Aktien zurückgekauft

ServiceNow verzeichnet ein historisches Aktienrückkaufprogramm und solide Quartalszahlen, dennoch bricht der Kurs ein. Anleger zeigen sich besorgt über geopolitische Risiken und Margendruck durch die Armis-Übernahme.

Felix Baarz ·
ServiceNow Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Rekordrückkauf von 20 Millionen Aktien
  • Quartalsumsatz übertrifft Erwartungen leicht
  • Verzögerte Großaufträge im Nahen Osten
  • KI-Umsatzziel für 2026 auf 1,5 Milliarden erhöht

Starke Quartalszahlen, ein historisch aggressives Aktienrückkaufprogramm — und trotzdem ein Kurssturz von rund 17 Prozent. ServiceNow erlebt eine der turbulentesten Wochen der Unternehmensgeschichte, weil Anleger nicht auf die Gewinne schauen, sondern auf das, was sie kosten.

Verkauf trotz Rekord-Buyback

Im ersten Quartal 2026 kaufte ServiceNow rund 20 Millionen eigene Aktien zurück — mehr als doppelt so viele wie im gesamten Vorjahr. Der Löwenanteil entfiel auf ein beschleunigtes Rückkaufprogramm im Volumen von zwei Milliarden Dollar, weitere 225 Millionen Dollar flossen in Marktransaktionen. Unter dem laufenden Programm verbleiben noch rund 4,2 Milliarden Dollar.

Geholfen hat es kaum. Die Aktie schloss am Donnerstag bei 84,78 Dollar — ein Minus von etwa 30 Prozent seit Jahresbeginn.

Zahlen gut, Ausblick nervös

Beim Umsatz und Gewinn übertraf ServiceNow die eigenen Prognosen. Der Quartalsumsatz lag bei rund 3,77 Milliarden Dollar, leicht über den Erwartungen. Das bereinigte Ergebnis je Aktie kam bei 97 Cent herein, einen Cent besser als geschätzt. Die Abonnementumsätze stiegen um 22 Prozent auf 3,67 Milliarden Dollar.

Was Anleger aufschreckte: Verzögerte Großabschlüsse im Nahen Osten kosteten das Unternehmen im ersten Quartal rund 75 Basispunkte Wachstum bei den Abonnementumsätzen. Für den Rest des Jahres rechnet das Management weiterhin mit gebremsten Deal-Abschlüssen in der Region — und hat das in die Guidance eingepreist.

Armis drückt auf die Margen

Die früher als erwartet abgeschlossene Übernahme des Cybersicherheitsunternehmens Armis bringt zusätzlichen Druck. CFO Gina Mastantuono sprach von „kurzfristigen Gegenwind bei den Margen“ während der Integration — eine Normalisierung erwartet sie erst ab 2027. Die Jahresguidance für die operative Marge liegt bei 31,5 Prozent, belastet durch 75 Basispunkte aus Armis. Für die Abonnement-Bruttomarge sind 81,5 Prozent angepeilt, mit einem Armis-Effekt von 25 Basispunkten. Zur Finanzierung der Akquisition nahm ServiceNow einen unbesicherten Kredit über vier Milliarden Dollar auf, fällig im Oktober 2026.

Die Jahresprognose für die Abonnementumsätze hob das Unternehmen um 205 Millionen Dollar auf 15,735 bis 15,775 Milliarden Dollar an.

KI-Ziel auf 1,5 Milliarden Dollar angehoben

CEO Bill McDermott lieferte einen klaren Lichtblick: Das KI-Umsatzziel für 2026 wurde von einer auf 1,5 Milliarden Dollar angehoben. Kunden, die mehr als eine Million Dollar für KI-Produkte ausgeben, wuchsen um über 130 Prozent im Jahresvergleich. Abschlüsse über fünf Millionen Dollar neuen Jahresvertragswerts stiegen um fast 80 Prozent.

Die Analystengemeinschaft hält trotz Kurszielsenkungen mehrheitlich an positiven Ratings fest. DA Davidson senkte sein Ziel auf 190 Dollar, Piper Sandler auf 140 Dollar — beide behalten „Buy“. KeyBanc-Analyst Jackson Ader bleibt skeptischer: Er kürzte sein Ziel auf 85 Dollar und hält an seinem „Sell“-Rating fest, mit Verweis auf die Nahost-Verzögerungen und Margensorgen.

Am 4. Mai veranstaltet ServiceNow seinen Financial Analyst Day in Las Vegas. Dort will das Management konkrete Ziele für 2027 vorlegen — darunter einen Fahrplan für die Margenentwicklung und den Zeitpunkt, ab dem KI-Produkte vom Deployment in echte Nutzungserlöse umschlagen. Das wird der eigentliche Test für die Überzeugungskraft des Managements.

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