ServiceNow Aktie: 108 Hedge-Fonds bauen Positionen ab
Trotz Hedge-Fonds-Abverkäufen und Branchensorgen um SaaS-Modelle sehen Analysten bei ServiceNow operative Stärke und bestätigen ihre Kaufempfehlungen.

Kurz zusammengefasst
- Hedge-Fonds reduzieren ihre ServiceNow-Positionen
- Analysten bestätigen mehrheitlich Kaufempfehlungen
- Abonnementerlöse steigen um 19 Prozent
- Kooperation mit Cognizant für KI-Governance
Hedge-Fonds verkaufen, Analysten kaufen — bei ServiceNow klaffen Marktmeinung und institutionelles Verhalten weit auseinander. Diese Spannung prägt die Aktie in einem der schwierigsten Jahre für Enterprise-Software seit langem.
Die SaaSpocalypse trifft auch ServiceNow
Der Begriff kursiert seit Monaten durch die Branche: „SaaSpocalypse“ — die Befürchtung, dass KI die klassischen Software-as-a-Service-Modelle strukturell entwerten wird. Anthropics Release von Claude Code hat diese Sorge konkretisiert. Plötzlich wirkt es realistisch, dass Unternehmen Software schneller selbst bauen, als sie sie lizenzieren.
ServiceNow trifft das besonders hart. Columbia Global Technology Growth Fund bezeichnete die Aktie in seinem Q1-Investorenbrief als „prominentes Opfer der breiten Neubewertung von SaaS-Geschäftsmodellen“. Das klassische Per-Seat-Lizenzmodell gerate unter Druck, weil Großunternehmen zunehmend auf hyperscale-basierte KI-Lösungen setzen.
Die Zahlen spiegeln das wider. 108 Hedge-Fonds hielten ServiceNow-Positionen zum Ende des ersten Quartals 2026 — zehn weniger als im Vorquartal. Die Aktie verlor in den vergangenen 30 Tagen rund sechs Prozent und notiert aktuell bei 83,38 Euro. Der RSI liegt bei 41,9 — noch kein überverkauftes Territorium, aber nah dran.
Operativ läuft das Geschäft
Der Kursrückgang kontrastiert mit soliden Fundamentaldaten. ServiceNow steigerte die Abonnementerlöse im ersten Quartal um 19 Prozent auf 3,67 Milliarden Dollar. Für das Gesamtjahr 2026 erwartet das Unternehmen Abonnementerlöse zwischen 15,74 und 15,78 Milliarden Dollar — ein Wachstum von 22 bis 22,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Das sind keine Zahlen eines Unternehmens in der Krise. Die KI-Plattform gewinnt in großen Automatisierungsprojekten an Boden. Für das zweite Quartal peilt ServiceNow Abonnementerlöse zwischen 3,815 und 3,820 Milliarden Dollar an.
Analysten halten die Linie
Während Hedge-Fonds Positionen abbauen, bleibt die Analystengemeinde bemerkenswert geschlossen. 90 Prozent der 50 von CNN erfassten Analysten empfehlen die Aktie zum Kauf. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei 135 Dollar — trotz einer Revision um knapp 23 Prozent nach unten in den vergangenen drei Monaten.
Benchmark-Analyst Yi Fu Lee erhöhte sein Kursziel am 15. Juni auf 130 Dollar. Nach einem Gespräch mit ServiceNows Investor-Relations-Chef Darren Yip schrieb er, er sei „bullish auf eines der saubersten operativen Modelle im SaaS-Sektor“. Die Richtungsüberzeugung bleibt positiv — auch wenn das Niveau gesunken ist.
Auf der Plattformseite hat ServiceNow zuletzt sein Ökosystem ausgebaut. Cognizant integrierte Anfang Juni sein Neuro-AI-Trust-Produkt in die ServiceNow-Umgebung. Ziel ist ein einheitliches System für KI-Governance über den gesamten Lebenszyklus von KI-Agenten. Neben Cognizant kooperiert ServiceNow in diesem Bereich auch mit IBM.
Die nächste Bewährungsprobe kommt mit den Q2-Zahlen zum 30. Juni. Dann zeigt sich, ob das operative Momentum stark genug ist, um die strukturellen Bedenken am Markt zu entkräften.
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