ServiceNow Aktie: Ausverkauf trotz KI-Offensive?
ServiceNow erhöht sein KI-Vertragsziel, doch die Aussicht auf langsameres Auftragswachstum und gesenkte Kursziele prägt die Bewertung.

Kurz zusammengefasst
- Aktie verlor gestern 14 Prozent
- cRPO-Wachstum soll auf 18,5 Prozent sinken
- KI-Vertragsziel für 2026 auf 1,7 Milliarden Dollar erhöht
- JPMorgan hob das Kursziel auf 160 Dollar
ServiceNows höhere KI-Ziele reichen Anlegern nicht aus: Der schwächere Wachstumsausblick belastet die Bewertung stärker als die angekündigten Fortschritte im KI-Geschäft. Gestern verzeichnete die Aktie eine Tagesveränderung von -14%. Reuters zufolge folgte der Ausverkauf auf die Quartalszahlen. Zugleich drückten Sorgen über mögliche Verwerfungen durch künstliche Intelligenz auf den gesamten Softwaresektor.
Wachstumserwartungen setzen den Maßstab
Für das vierte Quartal 2026 stellt ServiceNow Abonnementerlöse zwischen 4,245 und 4,255 Milliarden $ in Aussicht. Beim kurzfristigen vertraglich gesicherten Auftragsbestand, kurz cRPO, soll sich das Wachstum auf 18,5% verlangsamen.
Damit richtet sich der Blick weniger auf das bereits erreichte Geschäft als auf dessen weitere Dynamik. Reuters berichtete gestern, dass die Gewinnenttäuschung die angehobenen Jahresprognosen überlagerte. Der Druck auf andere Softwareaktien zeigt zudem: Anleger prüfen nicht nur einzelne Ergebnisse, sondern auch die Folgen von KI für etablierte Geschäftsmodelle.
ServiceNow meldete für das dritte Quartal ein cRPO-Wachstum von 20,5%. Gleichzeitig hob das Unternehmen sein KI-Ziel für den jährlichen Vertragswert 2026 auf 1,7 Milliarden $ an.
Die beiden Aussagen stehen für unterschiedliche Perspektiven. Das höhere KI-Vertragsziel signalisiert größere Ambitionen in diesem Geschäft. Der Ausblick auf den Auftragsbestand deutet dagegen auf eine nachlassende Wachstumsrate hin. Für die Bewertung zählt deshalb nicht allein das KI-Potenzial, sondern auch dessen Beitrag zur gesamten Geschäftsentwicklung.
Kundenvertrag ergänzt die KI-Offensive
Einen konkreten geschäftlichen Ansatzpunkt liefert die am Mittwoch bekannt gegebene Vereinbarung mit HPE. ServiceNow soll über fünf Jahre die Grundlage für Unterstützungsleistungen im Cloud- und KI-Geschäft von HPE bereitstellen.
Der Auftrag ergänzt die zahlreichen Technologiepartnerschaften um eine Kundenvereinbarung. Er ist damit ein anderer Beleg als die Ankündigung neuer Integrationen: Hier geht es um den Einsatz der Plattform für konkrete Serviceaufgaben.
Ebenfalls am Mittwoch startete ServiceNow die Control Tower Alliance. Zu den Gründungsmitgliedern gehören unter anderem Anthropic, AWS, Cisco, NVIDIA und OpenAI. Die Partner wollen Integrationen und Lösungen zur Steuerung und Kontrolle von Unternehmens-KI entwickeln. Diese Vorhaben beschreiben jedoch zunächst die technologische Ausrichtung und ersetzen keine gemeldeten Geschäftsergebnisse.
Analysten reagieren überwiegend mit Kürzungen
Die gestrigen Analystenreaktionen spiegeln die vorsichtigere Bewertung wider. Medienberichten zufolge senkten mehrere Häuser ihre Kursziele; die neu genannten Ziele dieser Gruppe reichen von 140 bis 175 $.
Die Richtung war allerdings nicht einheitlich. Während zahlreiche Analysten ihre Erwartungen zurücknahmen, setzte ein Haus einen Gegenakzent.
JPMorgan erhöhte sein Kursziel gestern von 150 auf 160 $. Für Anleger bleibt damit die entscheidende Abwägung: ServiceNow baut KI-Partnerschaften und Kundenbeziehungen aus, muss dieses Potenzial aber gegen die angekündigte Verlangsamung beim Auftragswachstum behaupten. Der höhere KI-Zielwert allein hat diese Bedenken nicht ausgeräumt.
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