ServiceNow Aktie: Das Automatisierungs-Paradoxon

ServiceNow meldet starkes Umsatzwachstum, doch die Aktie notiert deutlich unter ihrem Höchststand. Der CEO warnt vor KI-bedingter Arbeitslosigkeit, während das Unternehmen selbst Automatisierungsagenten entwickelt.

Dieter Jaworski ·
ServiceNow Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Starker Umsatzanstieg im vierten Quartal 2025
  • Aktienkurs verliert deutlich seit Jahresbeginn
  • CEO prognostiziert hohe Arbeitslosigkeit durch KI
  • Neue KI-Agenten automatisieren interne Prozesse

ServiceNow-CEO Bill McDermott warnt vor einer massiven Arbeitslosigkeit unter Hochschulabsolventen durch Künstliche Intelligenz. Gleichzeitig treibt sein eigenes Unternehmen genau diese Automatisierung mit neuen KI-Agenten aggressiv voran. Während die operativen Zahlen des Softwarekonzerns glänzen, hinkt die Aktie ihren Höchstständen deutlich hinterher.

Diskrepanz zwischen Zahlen und Kurs

ServiceNow verzeichnete im vierten Quartal 2025 ein starkes Wachstum. Der Umsatz mit Abonnements stieg im Jahresvergleich um 21 Prozent auf knapp 3,47 Milliarden US-Dollar. Auch die verbleibenden Leistungsverpflichtungen legten um 25 Prozent zu. Um den Wert für Aktionäre weiter zu steigern, genehmigte der Vorstand ein zusätzliches Aktienrückkaufprogramm in Höhe von fünf Milliarden US-Dollar.

Trotz dieser fundamentalen Stärke steht das Papier an der Börse unter Druck. Seit Jahresbeginn verlor der Titel rund 23 Prozent an Wert und notiert weit unter dem vergangenen Hoch von über 211 US-Dollar. Analysten der BNP Paribas werten diesen Rücksetzer als Kaufchance. Sie stuften die Aktie kürzlich auf „Outperform“ hoch und lobten die stabile Kernentwicklung sowie die glaubhafte Monetarisierung der neuen KI-Dienste.

Die Technologie hinter der Warnung

Die aktuelle Debatte entzündete sich an jüngsten Aussagen der Unternehmensführung. McDermott prognostizierte, dass die Arbeitslosigkeit bei Berufsanfängern in den nächsten Jahren auf über 30 Prozent steigen könnte, da KI-Agenten zunehmend Routineaufgaben übernehmen. Die Datenlage stützt diese Sorge: Seit dem Durchbruch von ChatGPT im Jahr 2022 sind die US-Stellenausschreibungen laut Daten der US-Notenbank um fast 32 Prozent gesunken.

ServiceNow liefert die Infrastruktur für exakt diese Entwicklung. Nach der Übernahme von Moveworks integriert der Konzern konversationelle KI tief in seine Arbeitsabläufe. Ein neuer IT-Spezialist auf KI-Basis soll im zweiten Quartal 2026 allgemein verfügbar sein. Erste interne Daten zeigen, dass das System über 90 Prozent der IT-Anfragen von Mitarbeitern bearbeitet und Fälle nahezu in Echtzeit löst. Im eigenen Kundenservice hat ServiceNow bereits 90 Prozent der ehemals menschengeführten Szenarien automatisiert und plant, den Personalbestand trotz steigender Umsätze konstant zu halten.

Risiken im eigenen Geschäftsmodell

Diese aggressive Automatisierungsstrategie birgt jedoch auch Gefahren für den Softwareanbieter selbst. Branchenbeobachter weisen darauf hin, dass Kunden künftig auf günstigere Automatisierungstools umsteigen könnten. Sollte die Differenzierung der ServiceNow-Produkte nachlassen, droht ein direkter Druck auf das Umsatzwachstum und die Bewertungsmultiplikatoren.

Am 21. April 2026 wird das Unternehmen die Ergebnisse für das erste Quartal vorlegen. Anleger werden die Bilanz daraufhin prüfen, ob sich die neuen KI-Produkte bereits in beschleunigtem Umsatzwachstum niederschlagen und inwiefern sich das veränderte Einstellungsverhalten der Unternehmenskunden auf die Nachfrage nach Software-Lizenzen auswirkt.

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