ServiceNow Aktie: Ein böser Rückschlag?

Autonome KI-Assistenten bedrohen das Lizenzmodell von ServiceNow. UBS senkt das Kursziel drastisch, nachdem die Quartalsprognose Analystenerwartungen verfehlt hat.

Dieter Jaworski ·
ServiceNow Aktie

Kurz zusammengefasst

  • UBS streicht Kaufempfehlung und senkt Kursziel
  • Autonome KI-Agenten gefährden Lizenzgeschäft
  • Quartalsprognose verfehlt Analystenerwartungen
  • Aktie notiert auf neuem 52-Wochen-Tief

Der Siegeszug künstlicher Intelligenz galt lange als verlässlicher Kurstreiber für Software-Konzerne. Bei ServiceNow dreht sich dieser Wind nun spürbar. Autonome KI-Agenten bedrohen zunehmend das klassische Lizenzmodell des Unternehmens und wecken tiefe Zweifel an der zukünftigen Marktpositionierung.

UBS streicht Kaufempfehlung

Die Schweizer Großbank UBS hat ihre Kaufempfehlung für den Software-Riesen gestrichen und das Kursziel drastisch von 170 auf 100 US-Dollar gesenkt. Als Reaktion rutschte der Kurs um acht Prozent auf rund 83 US-Dollar ab und markierte ein neues 52-Wochen-Tief. Seit Jahresbeginn summiert sich der Verlust damit auf 44 Prozent. Verantwortlich für den Ausverkauf ist ein spürbarer Vertrauensverlust in den technologischen Vorsprung des Unternehmens.

Analysten beobachten wachsende Budgetkürzungen bei Firmenkunden. Gleichzeitig wandern Marktanteile an unabhängige Anbieter von KI-Automatisierungen ab. ServiceNow wird bei neuen Projekten seltener als zentrale Steuerungsplattform ausgewählt. Diese Entwicklung reiht sich in eine branchenweite Krise ein, die dem SaaS-Sektor seit Jahresbeginn bereits zwei Billionen US-Dollar an Marktwert gekostet hat.

Fortschrittliche KI-Assistenten wie „Claude Cowork“ von Anthropic könnten die traditionellen Abrechnungsmodelle pro Nutzer schlichtweg überflüssig machen. Besonders das Segment für Kundenservice-Management, das rund zehn Prozent der Gesamterlöse ausmacht, gilt als anfällig. Folgerichtig senkte die UBS ihre Prognose für das Wachstum der verbleibenden Leistungsverpflichtungen (RPO) bis Ende 2026 von 20 auf 16 Prozent.

Prognose verfehlt Erwartungen

Dabei lieferte das vierte Quartal 2025 durchaus solide Argumente für Optimisten. Die Abonnementeinnahmen stiegen um 21 Prozent, während das hauseigene KI-Werkzeug „Now Assist“ einen jährlichen Vertragswert von über 600 Millionen US-Dollar erreichte. Das Management peilt hier bis Ende 2026 die Milliardenmarke an.

Die Prognose für das erste Quartal 2026 verfehlte allerdings die Erwartungen der Wall Street. Das Unternehmen stellte Abonnementeinnahmen von maximal 3,655 Milliarden US-Dollar in Aussicht und blieb damit unter dem Analystenkonsens von 3,75 Milliarden US-Dollar. Für das Gesamtjahr 2026 hält ServiceNow an einem erwarteten Umsatzwachstum von über 20 Prozent bei einer freien Cashflow-Marge von 36 Prozent fest.

Technisch ist die Aktie mit einem RSI-Wert von 32,6 stark überverkauft und notiert 23 Prozent unter ihrer 100-Tage-Linie. Eine schnelle Erholung wird durch das schwache Branchenumfeld erschwert. Der gesamte Software-Sektor steht unter Druck, da Investoren ihr Kapital derzeit massiv in Hardware- und Infrastrukturanbieter der KI-Lieferkette umschichten.

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