ServiceNow Aktie: Rebound oder Trendwende?

ServiceNow-Aktie erholt sich nach Ausverkauf. Entscheidend für die Trendwende ist das Abonnementwachstum im Q2-Bericht am 29. Juli.

Dieter Jaworski ·
ServiceNow Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Aktie erholt sich um 9,6 Prozent
  • Abonnementwachstum als Schlüsselfaktor
  • KI-Monetarisierung treibt Umsatzziele
  • Q2-Zahlen am 29. Juli entscheidend

Nach einem brutalen Ausverkauf hat die ServiceNow-Aktie am Freitag 9,61 Prozent zugelegt und bei 86,42 Euro geschlossen. Der Kursrückgang von Ende Mai bis Ende Juni war erheblich — im Tief fiel der Kurs auf rund 97 US-Dollar. Ob der Freitagssprung ein echter Boden ist oder nur eine Erholung innerhalb eines intakten Abwärtstrends, lässt sich noch nicht sagen. Der RSI von 48,5 signalisiert neutrales Terrain. Weder erholt noch überverkauft.

Die entscheidende Kennzahl: Abonnementwachstum

Das Herzstück der Debatte ist das Wachstum bei den Abonnementerlösen. Das Management hat für Q2 rund 21 Prozent Wachstum auf konstanter Währungsbasis in Aussicht gestellt. Trifft ServiceNow diesen Wert, war der Ausverkauf ein Bewertungsproblem — kein Geschäftsproblem. Rutscht das Wachstum in Richtung Mitte der Zehner, liefern die Bären ihren ersten handfesten Beleg: dass KI-Investitionen die Software-Budgets der Unternehmen unter Druck setzen.

Das ist keine Stimmungsfrage. Es geht darum, ob das operative Fundament durch den Lärm der vergangenen Wochen intakt geblieben ist.

Das bullische Szenario: Starkes Fundament, historisch niedrige Bewertung

Das Umsatzwachstum der vergangenen vier Jahre ist beeindruckend. Von 5,9 Milliarden Dollar im Jahr 2021 auf 13,3 Milliarden Dollar in 2025 — eine Verdopplung. Für 2026 rechnen Analysten mit rund 16,2 Milliarden Dollar, für 2027 mit 19,2 Milliarden Dollar. Und Q1 2026 hat diesen Pfad nicht gebrochen.

Die verbleibenden Leistungsverpflichtungen lagen bei 12,64 Milliarden Dollar, ein Plus von 22,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Deals über fünf Millionen Dollar im Neugeschäft wuchsen um fast 80 Prozent.

Die KI-Monetarisierung gewinnt an Fahrt. ServiceNow hatte ursprünglich einen KI-Umsatzbeitrag von einer Milliarde Dollar für 2026 angepeilt. In Q1 hob das Management dieses Ziel auf 1,5 Milliarden Dollar an — ein Anstieg um 50 Prozent. Deals mit drei oder mehr Now-Assist-Produkten wuchsen im Jahresvergleich um fast 70 Prozent. Kunden betten KI also nicht in isolierten Pilotprojekten ein, sondern tief in mehrere Workflows. Die Erneuerungsrate liegt seit sechs aufeinanderfolgenden Quartalen bei 97 Prozent — das früheste Signal für nachlassende Nachfrage zeigt kein Rot.

Die Bewertungskompression ist extrem. Das NTM-EV/EBITDA-Multiple liegt bei rund 14x — der niedrigste Wert in der gesamten Börsengeschichte des Unternehmens. Das durchschnittliche Kursziel der Analysten beträgt 124,27 Euro, was einem Aufwärtspotenzial von 43,8 Prozent entspricht. 34 Analysten tragen ein Kaufvotum. Eine aktuelle CIO-Umfrage zeigt: 47 Prozent der IT-Entscheider planen, ihre ServiceNow-Ausgaben zu erhöhen.

Das bärische Szenario: Margenbelastung, Integrationsrisiken, Preisdruck

Die Gegenthese ist kein Strohmann. Drei Belastungen überlagern sich.

Erstens: Die Armis-Akquisition drückt bereits auf die Margen. Das Unternehmen erwartet dadurch für das Gesamtjahr 2026 rund 25 Basispunkte Gegenwind bei der Abonnement-Bruttomarge, 75 Basispunkte bei der operativen Marge und 200 Basispunkte bei der Free-Cash-Flow-Marge. Allein für Q2 sind es 125 Basispunkte beim operativen Ergebnis.

Zweitens: ServiceNow integriert derzeit gleichzeitig Moveworks, Armis und Veza. Das bindet Managementkapazität — und ob die Wachstumsdynamik das absorbieren kann, ist offen. Hinzu kommt, dass verzögerte Regierungsaufträge im Nahen Osten im Q1-Earnings-Call als Gegenwind für die Abonnementerlöse genannt wurden. COO Amit Zavery erklärte gegenüber Reuters, diese Deals sollten im Jahresverlauf abgeschlossen werden. Ob und wann das tatsächlich passiert, bleibt ungewiss.

Drittens: Der strukturelle Preisdruck durch KI-native Wettbewerber ist real. Der Columbia Global Technology Growth Fund hat explizit auf Risiken für ServiceNows traditionelles Lizenzmodell hingewiesen. Die Abonnement-Bruttomarge fiel von 84,5 Prozent in Q1 2025 auf 81,5 Prozent in Q1 2026. Management begründet das mit skalierenden KI-Infrastrukturkosten. Vertieft sich diese Kompression, verändert sich die Bewertungsrechnung grundlegend.

Ausblick: Alles hängt am 29. Juli

Der Makro-Kontext bleibt ein Mitfahrer. ServiceNow hatte zuletzt von fallenden Renditen profitiert, nachdem die Trump-Regierung einen Friedensdeal ankündigte, der zur Wiedereröffnung der Straße von Hormus führen sollte. Software-Unternehmen mit hohen Multiples reagieren besonders sensibel auf Zinsbewegungen — sinkende Langfristzinsen verbessern die Bewertung, ohne dass ein einziger neuer Vertrag unterzeichnet werden muss.

Solange das Abonnementwachstum nahe der angestrebten 21 Prozent bleibt und die Verzögerungen im Nahen Osten vorübergehend sind, spricht mehr für eine schrittweise Neubewertung in Richtung des Analystenziels. Die Margenbelastungen durch Armis sind für 2026 eingepreist; für 2027 erwartet das Management eine Normalisierung der operativen Marge und des Free-Cash-Flow-Wachstums.

Zeigen die Q2-Zahlen jedoch, dass das Abonnementwachstum deutlich unter der Guidance liegt oder die Margen stärker erodieren als durch Armis allein erklärbar, bekommt die Bären-These ihr erstes hartes fundamentales Argument.

Am 29. Juli 2026 nach Börsenschluss legt ServiceNow die Q2-Ergebnisse vor. Neben dem Abonnementwachstum lohnt ein besonderer Blick auf die operative Marge: Management hat bereits einen Gegenwind von rund 125 Basispunkten durch Armis für Q2 signalisiert. Alles, was darüber hinausgeht, würde die Frage aufwerfen, ob der Ausverkauf der vergangenen Wochen doch mehr war als ein Bewertungsproblem.

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