ServiceNow Aktie: Software feiert Rückkehr gegen Chip-Giganten

ServiceNow gewinnt 8,0 Prozent und profitiert von starken KI-Aufträgen, steigenden Aboumsätzen sowie angehobenen Kurszielen von Analysten.

Felix Baarz ·
Abstrakte Darstellung moderner Software- und Cloud-Infrastruktur in einem hochmodernen Rechenzentrum. (KI-generiertes Symbolbild)
Symbolbild, KI-generiert

Kurz zusammengefasst

  • ServiceNow-Aktie legt 8,0 Prozent zu
  • KI-Implementierungen binnen neun Monaten verneunfacht
  • Abonnement-Umsatz wächst um 24,5 Prozent
  • Needham und BTIG erhöhen Kursziele

Der gestrige Handelstag an der Nasdaq markierte für mich eine bemerkenswerte Zäsur im laufenden KI-Zyklus. Während die bisherigen Stars der Stunde – die Halbleiter-Giganten rund um Nvidia – unter deutlichem Verkaufsdruck standen, feierte die Software-Branche eine beeindruckende Rückkehr.

Allen voran ServiceNow: Mit einem Kurssprung von 8,0 % setzte sich die Aktie gestern an die Spitze der Bewegung und beendete den Handel bei 123,30 €. Für mich ist das kein Zufallsprodukt, sondern das Ergebnis einer fundamentalen Neubewertung dessen, was wir bisher als „KI-Gewinner“ bezeichnet haben.

Die Gezeitenwende an der Nasdaq

Lange Zeit dominierten Sorgen über eine „SaaS-Pocalypse“ die Marktstimmung – die Angst, dass künstliche Intelligenz herkömmliche Software-Abonnements überflüssig machen könnte. Diese Furcht scheint sich nun ins Gegenteil zu verkehren.

Ein wesentlicher Auslöser für diese Rotation war ein Essay des Anthropic-Chefs Dario Amodei, der am vergangenen Samstag ein langsameres Tempo bei der Entwicklung von KI-Modellen forderte. Auch OpenAI-Chef Sam Altman signalisierte Zustimmung zu einer gezielteren Taktung.

Was auf den ersten Blick nach einer Bremse für den Sektor aussieht, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als Rückenwind für Plattformen wie ServiceNow. In meiner Analyse zeigt sich: Wenn das Wettrüsten bei der Hardware und dem Training gigantischer Modelle an Tempo verliert, rückt die Anwendungsebene in den Fokus.

Anleger realisieren nun, dass der wahre Wert der KI in der Inferenz und der praktischen Umsetzung in Unternehmensabläufen liegt. ServiceNow liefert genau hier: Die Implementierungen von sogenannter „Agentic AI“ haben sich innerhalb von neun Monaten verneunfacht.

Starke Zahlen als Fundament

Dass dieser Optimismus nicht auf Sand gebaut ist, belegen die jüngsten operativen Daten. Im zweiten Quartal konnte ServiceNow den Abonnement-Umsatz um 24,5 % auf 3,877 Milliarden US-Dollar steigern.

Besonders beeindruckend ist für mich die Kennzahl des KI-gesteuerten Auftragsvolumens (AI-ACV), das inzwischen die Marke von einer Milliarde US-Dollar überschritten hat. Das Unternehmen ist also längst über das Stadium von bloßen Versprechungen hinaus.

Es zeigt sich eine klare Tendenz: Große Unternehmen sind bereit, massiv in die Automatisierung ihrer Arbeitsabläufe zu investieren. Mit 123 neuen Verträgen, die einen Netto-Neu-Wert von jeweils über einer Million US-Dollar haben, demonstriert ServiceNow eine beachtliche Vertriebsstärke.

Dass dabei die Profitabilität durch Zukäufe wie Armis oder Moveworks kurzfristig beeinflusst wird, ist aus meiner Sicht ein notwendiger Preis für die technologische Marktführerschaft. Innerhalb der letzten 30 Tage hat die Aktie bereits um 21 % zugelegt, was das wachsende Vertrauen der Investoren in diesen Expansionskurs unterstreicht.

Analysten sehen massives Potenzial

Die Zuversicht am Markt wird durch eine Reihe von Hochstufungen flankiert. Die Experten von Needham haben ihr Kursziel deutlich von 115 auf 155 US-Dollar angehoben und ihre Kaufempfehlung bekräftigt. Sie sehen nach den starken Zahlen zum zweiten Quartal und der Anhebung der Jahresprognose für den Abo-Umsatz auf bis zu 15,78 Milliarden US-Dollar weiteres Aufwärtspotenzial.

Auch das Analysehaus BTIG zeigt sich optimistisch und hat das Ziel für das Papier von 150 auf 170 US-Dollar hochgeschraubt. In der Branche gilt ServiceNow zunehmend als der Standard für KI-basierte Workflows.

Für mich ist diese Einigkeit unter den Analysten ein wichtiges Signal: ServiceNow wird nicht mehr nur als IT-Service-Management-Tool wahrgenommen, sondern als die zentrale Betriebsplattform für das KI-Zeitalter. Während Chip-Aktien mit der Sättigung ihrer Märkte kämpfen könnten, steht die Durchdringung der Unternehmensebene mit KI-Software erst am Anfang.

Mein Urteil: Die Plattform-Wette geht auf

Unterm Strich ist die aktuelle Kursbewegung weit mehr als eine technische Gegenreaktion. Wir erleben den Übergang von der Infrastruktur-Phase (Hardware) zur Anwendungs-Phase (Software). ServiceNow hat sich hier in eine Pole-Position manövriert. Die Fähigkeit, komplexe Agentic-AI-Workflows direkt in die bestehenden Strukturen der Kunden zu integrieren, schafft eine enorme Bindung und rechtfertigt für mich die aktuelle Bewertung.

Natürlich bleibt die Aktie im historischen Vergleich kein Schnäppchen und die makroökonomischen Unsicherheiten sowie die bevorstehenden Zinsentscheidungen der Fed könnten kurzfristig für Volatilität sorgen. Doch das operative Momentum ist derzeit kaum zu ignorieren.

Wer auf die Industrialisierung von KI setzen will, kommt an dieser Plattform kaum vorbei. Die „SaaS-Pocalypse“ wurde abgesagt – stattdessen sehen wir den Aufstieg einer neuen Generation von Software-Giganten, die ServiceNow anführt.

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ServiceNow Aktie

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KUV 9,67
Sektor Technologie
Div.-Rendite —
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Ø Kursziel 144,99 USD
ISIN: US81762P1021 WKN: A1JX4P

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