ServiceNow stürzt ab, Huntington kauft zurück – die Berichtssaison spaltet sich

ServiceNow und IBM brechen ein, während Huntington mit Milliarden-Rückkauf glänzt. Die Berichtssaison belohnt Cashflow statt Wachstumsfantasie.

Eduard Altmann ·
ServiceNow stürzt ab, Huntington kauft zurück – die Berichtssaison spaltet sich

Kurz zusammengefasst

  • ServiceNow verliert vorbörslich 13 Prozent
  • IBM-Aktie gibt 7 Prozent nach
  • Huntington startet 3-Milliarden-Rückkaufprogramm
  • Capex-Rotation hin zu Hardware und KI-Infrastruktur

Liebe Leserinnen und Leser,

gestern stellte ich die Frage, ob die Börse Unternehmen weiterhin für Zukunftsversprechen belohnt, wenn das operative Geschäft schwächelt. Die Antwort kam über Nacht – und sie fiel drastisch aus. ServiceNow verlor vorbörslich 13 Prozent. IBM gab 7 Prozent ab. Zur gleichen Zeit legte die Regionalbank Huntington Bancshares ein Aktienrückkaufprogramm über 3 Milliarden Dollar auf.

Diese Berichtssaison sortiert nicht mehr nach Branchen. Sie sortiert nach Bilanzen. Wer Cashflow liefert, wird belohnt. Wer auf Bewertungsvorschuss angewiesen ist, bekommt die Rechnung.

Der Software-Sektor unter Druck

ServiceNow lieferte auf den ersten Blick ordentliche Zahlen: 3,77 Milliarden Dollar Umsatz im ersten Quartal, währungsbereinigtes Abonnementwachstum von 19 Prozent. Für die meisten Unternehmen wäre das ein gutes Quartal. Für eine Aktie, die zum Vielfachen des Umsatzes gehandelt wird, reichte es nicht.

Zwei Faktoren belasteten. Verzögerte Großaufträge aus dem Nahen Osten kosteten 75 Basispunkte Wachstum. Schwerer wiegt die 7,75 Milliarden Dollar teure Übernahme von Armis, die auf die operative Marge und den freien Cashflow drückt. Analysten von Piper Sandler und BMO senkten umgehend ihre Kursziele.

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IBM erzählte eine ähnliche Geschichte: Das Umsatzwachstum verlangsamte sich, obwohl CEO Arvind Krishna betonte, das KI-Geschäft habe eine jährliche wiederkehrende Umsatzrate von über 4 Milliarden Dollar erreicht. Die Börse interessierte sich mehr für die Verlangsamung als für die Beteuerung. Im Sog dieser Enttäuschungen gaben vorbörslich auch Snowflake, Salesforce, Workday und Atlassian nach. Die Toleranz für teure Software-Bewertungen ist in dieser Woche messbar gesunken.

Hardware statt Software – die Capex-Rotation

Das Kapital verschwindet nicht aus dem Technologiesektor. Es wandert eine Ebene tiefer. Google und Nvidia stellten am Donnerstag eine neue Hardware-Roadmap vor: Die neuen A5X-Instanzen auf Basis von Nvidias Blackwell-Architektur sollen den Token-Durchsatz für KI-Inferenz verzehnfachen und die Kosten entsprechend senken.

Die Dimension dieser Verschiebung wird nächste Woche sichtbar, wenn Microsoft und Meta ihre Quartalszahlen vorlegen. Für Microsoft erwartet der Markt im Geschäftsjahr 2026 Investitionsausgaben von rund 80 Milliarden Dollar. Meta plant mit bis zu 65 Milliarden Dollar. Das Geld fließt in Rechenzentren, Kühlsysteme und Glasfaserkabel – nicht in Software-Lizenzen. Wer verstehen will, wohin sich die Tech-Branche bewegt, muss auf die Capex-Zeile schauen, nicht auf die Abonnentenzahlen.

Banken und Konsumkonzerne zeigen, was Cashflow bedeutet

Den schärfsten Kontrast zur Unruhe im Software-Sektor liefern die Finanzwerte. Huntington Bancshares meldete einen Nettozinsertrag, der im Jahresvergleich um 33 Prozent stieg. Das durchschnittliche Kreditvolumen wuchs auf 174,2 Milliarden Dollar. Aus dieser Gewinndynamik speist sich das Rückkaufprogramm über 3 Milliarden Dollar – ein klares Signal an den Markt: Hier wird nicht in Fantasie investiert, hier wird Kapital an Aktionäre zurückgegeben.

Huntington steht nicht allein. American Express steigerte seinen Überschuss im ersten Quartal um 18 Prozent auf knapp 3 Milliarden Dollar. Netflix legte ein neues Rückkaufprogramm über 25 Milliarden Dollar auf. Die Botschaft dieser Vorstände ist unmissverständlich: Wir produzieren mehr Geld, als wir investieren müssen – und wir teilen es.

Deutschland: PMI fällt, die Politik formiert sich

Diesseits des Atlantiks fehlt diese Dynamik. Der Einkaufsmanagerindex fiel im April auf 48,3 Punkte – ein 16-Monatstief, klar unter der Expansionsschwelle von 50. Die Bundesregierung hat ihre Wachstumsprognose für 2026 auf 0,5 Prozent halbiert, wie gestern bereits berichtet.

Während in den USA Milliarden in Infrastruktur und Aktienrückkäufe fließen, sortiert sich in Berlin die Politik. CDU-Chef Friedrich Merz stellte am Donnerstag sein Kabinett vor, mit Katherina Reiche als designierter Wirtschaftsministerin. Der Koalitionsvertrag verspricht Steuerentlastungen und Bürokratieabbau. Die Lücke bei Unternehmensinvestitionen und Gewinndynamik zwischen den USA und Europa wächst mit jedem Quartal. Ob Ankündigungen aus Berlin diese Lücke schließen können, wird sich erst in den Bilanzen zeigen – nicht in Koalitionsverträgen.

Was jetzt zählt

Die kommende Woche bringt zwei Entscheidungen, die den Ton für das zweite Halbjahr setzen. Microsoft und Meta legen ihre Investitionspläne offen – und damit die Frage, wie viel reales Geld die KI-Revolution tatsächlich verschlingt. Am Dienstag und Mittwoch tagt die Fed und muss entscheiden, wie sie auf eine Wirtschaft reagiert, in der Banken Rekordgewinne melden und der Software-Sektor gleichzeitig korrigiert.

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Für Anleger bedeutet das: Die Berichtssaison belohnt nicht mehr die beste Geschichte, sondern die stärkste Bilanz. Das ist keine schlechte Nachricht. Es ist eine Rückkehr zur Normalität.

Herzlichst,

Ihr Eduard Altmann

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