ServiceNow vor Zahlen, LPKF im Höhenrausch — fünf Tech-Aktien im Härtetest

ServiceNow und Salesforce kämpfen mit Bewertungsverlusten, während Infineon und LPKF neue Höchststände markieren. Strategy setzt weiter auf Bitcoin. Die Tech-Branche zeigt sich gespalten.

Felix Baarz ·
ServiceNow Aktie

Kurz zusammengefasst

  • ServiceNow vor entscheidendem Quartalsbericht
  • Infineon verteidigt Marktführerschaft bei Auto-Chips
  • Strategy kauft Bitcoin im Milliardenwert
  • LPKF-Aktie verdoppelt sich seit Jahresbeginn

Während SaaS-Bewertungen auf breiter Front zusammenschmelzen, kauft ein Unternehmen Bitcoin im Milliardentakt, ein Laserspezialist aus Garbsen vervielfacht seinen Börsenwert, und zwei Cloud-Riesen setzen alles auf KI-Agenten. Der Technologie-Sektor liefert diese Woche ein Kaleidoskop aus Umbruch, Spekulation und Substanz. Fünf Aktien, fünf völlig unterschiedliche Geschichten — verbunden durch eine einzige Frage: Können die Versprechen der KI-Ära die makroökonomischen Gegenwinde kompensieren?

ServiceNow: KI-Offensive vor dem entscheidenden Quartalsbericht

ServiceNow hat neue KI-native Lösungen für die Fertigungsindustrie vorgestellt, die Funktionen von Qualitätskontrolle bis Auftragsmanagement auf einer einzigen Plattform bündeln. Die Aktie legte nach der Ankündigung rund 2,4 % zu — ein kurzes Aufatmen nach einem brutalen Jahresverlauf. Seit Jahresbeginn hat das Papier rund 33 % verloren und notiert mehr als 50 % unter dem 52-Wochen-Hoch.

Der Hintergrund: Die gesamte SaaS-Branche durchlebt eine Bewertungskorrektur. Das durchschnittliche Kurs-Umsatz-Verhältnis für Software-Aktien ist von etwa 6,5x auf 3,5x komprimiert worden. Für Premium-Namen wie ServiceNow erhöht das den Druck vor jeder Ergebnisveröffentlichung massiv.

Die anstehenden Quartalszahlen dürften richtungsweisend sein. TD Cowen hat das Kursziel zuletzt von 185 auf 140 US-Dollar gesenkt, die Kaufempfehlung aber beibehalten — ein typisches Muster der letzten Monate. Insgesamt stehen 37 Kaufempfehlungen nur drei Verkaufsratings gegenüber. Der durchschnittliche Zielkurs der Analysten liegt bei 169,75 US-Dollar. Entscheidend wird sein, ob die KI-Adoption bei Unternehmenskunden schnell genug voranschreitet, um das Abonnementwachstum zu beschleunigen.

Infineon: Sechs Jahre Marktführerschaft — und ein frisches 52-Wochen-Hoch

Infineon hat laut TechInsights zum sechsten Mal in Folge die Spitzenposition im Markt für Automobil-Halbleiter verteidigt. Das allein wäre schon bemerkenswert. Die Details aber machen den Unterschied: Bei Automotive-Mikrocontrollern — dem strategisch wichtigsten Teilsegment — stieg der Marktanteil auf 36,0 Prozent, ein Plus von 3,9 Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahr.

Der globale Markt für Automobil-Halbleiter wuchs 2025 auf 74,4 Milliarden US-Dollar. Infineon baute seinen Vorsprung zum Zweitplatzierten weiter aus. Diese Mikrocontroller sind das Herzstück moderner Fahrzeugarchitekturen — sie steuern elektrische Antriebe, ermöglichen Echtzeit-Entscheidungen in Assistenzsystemen und bilden die Grundlage für Software-Updates in softwaredefinierten Fahrzeugen.

Die Aktie notiert heute bei 48,53 Euro und markiert damit ein neues 52-Wochen-Hoch. Seit Jahresbeginn hat das Papier gut 26 % zugelegt. UBS hält an einer neutralen Einstufung fest, der Analystenkonsens liegt mit 43,67 Euro allerdings deutlich unter dem aktuellen Kurs. Im Mai stehen die nächsten Quartalszahlen an. Ob die Nachfrage im Automobilsektor das aktuelle Bewertungsniveau rechtfertigt, wird dann auf den Prüfstand gestellt.

Strategy: Drittgrößter Bitcoin-Kauf der Firmengeschichte

Michael Saylors Strategy hat zwischen dem 13. und 19. April 34.164 Bitcoin für 2,54 Milliarden US-Dollar erworben — zu einem Durchschnittspreis von 74.395 US-Dollar pro Coin. Es ist der drittgrößte Einzelkauf in der Unternehmenshistorie. Mit nun 815.061 BTC hält Strategy mehr Bitcoin als BlackRock über seine Spot-ETF-Produkte (802.823 BTC). Eine Premiere in der Ära der Bitcoin-ETFs.

Finanziert wurde der Kauf über den Verkauf von Vorzugsaktien (STRC) im Volumen von rund 2,17 Milliarden US-Dollar sowie Stammaktienverkäufe über 366 Millionen US-Dollar. Bemerkenswert: Die verbleibende Kapitalbeschaffungskapazität ist enorm — rund 26,7 Milliarden US-Dollar über das MSTR-Programm und weitere 19,5 Milliarden über STRC-Emissionen stehen bereit.

Die BTC-Rendite (BTC Yield) liegt bei 9,5 % seit Jahresbeginn 2026 — jede MSTR-Aktie kontrolliert heute also 9,5 % mehr Bitcoin als am 1. Januar. Hochgerechnet ergibt das eine annualisierte Rate von rund 37 %. Bei einem Kurs von 147,88 Euro hat sich das Papier zuletzt deutlich von seinem Jahrestief bei 90,74 Euro gelöst. Der Durchschnittskaufpreis über alle 815.061 BTC liegt bei circa 75.527 US-Dollar — die Position befindet sich damit nahe der Gewinnschwelle.

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Salesforce: Agentforce liefert erste Ergebnisse

Salesforce kämpft mit einem Jahresverlust von gut 25 % gegen den Strom. Die Sorge, dass generative KI klassische SaaS-Geschäftsmodelle kannibalisieren könnte, lastet schwer auf der Bewertung. Gleichzeitig setzt das Unternehmen selbst aggressiv auf KI — und die ersten Zahlen sprechen eine deutliche Sprache.

Die KI-Plattform Agentforce zeigt reale Traktion:

  • Travel-Plattform Engine automatisiert mit Agentforce 360 und Slack die Hälfte aller Kunden-Chat-Anfragen
  • Die durchschnittliche Bearbeitungszeit sank um 15 %, die Kundenzufriedenheit stieg
  • Salesforce selbst beziffert die annualisierten Support-Einsparungen durch KI-Agenten auf rund 100 Millionen US-Dollar
  • Zusätzlich werden inaktive Vertriebskontakte durch KI-gestützte Prozesse reaktiviert

Mit einer Partnerschaft mit Anthropic und der Entwicklung der Plattform „Agent Albert“ investiert das Unternehmen weiter in sein KI-Ökosystem. Der Vorstand hat zudem ein milliardenschweres Aktienrückkaufprogramm über 25 Milliarden US-Dollar genehmigt.

Von 39 Analysten vergeben 26 eine Kaufempfehlung, der durchschnittliche Zielkurs liegt bei 278,74 US-Dollar — weit über dem aktuellen Kurs von 161,28 Euro. Die zentrale Frage für Investoren: Reichen Agentforce und die KI-Initiativen aus, um die Wettbewerbs-, Preis- und Disruptionsrisiken auszugleichen, die einige institutionelle Anleger zum Ausstieg bewegen?

LPKF Laser: Transformation mit Turbo und Fragezeichen

LPKF Laser ist die überraschendste Geschichte der Woche. Die Aktie hat sich seit Jahresbeginn mehr als verdoppelt — ein Plus von knapp 129 %. Allein in den vergangenen sieben Tagen legte das Papier fast 38 % zu und markierte heute bei 13,75 Euro ein neues 52-Wochen-Hoch. Die annualisierte Volatilität von über 108 % unterstreicht, wie spekulativ diese Bewegung ist.

Treiber des Kursanstiegs ist vor allem die LIDE-Technologie zur Glasbearbeitung im Bereich Advanced Packaging. Dieses patentierte Verfahren könnte zum entscheidenden Wachstumsmotor werden, sobald nachgelagerte Qualifizierungsschritte bei Kunden abgeschlossen sind. Warburg Research hält an einer Kaufempfehlung fest.

Die Fundamentaldaten zeichnen ein nüchterneres Bild. Für das Geschäftsjahr 2026 erwartet LPKF einen Konzernumsatz von 105 bis 120 Millionen Euro bei einer bereinigten EBIT-Marge zwischen minus 3,0 und plus 4,5 Prozent. Das Transformationsprogramm „North Star“ verursacht außergewöhnlich hohe Restrukturierungskosten von 3 bis 4 Prozent des Umsatzes. Im Solarsegment rechnet das Management mit einem deutlichen Umsatzrückgang. Das Ziel einer nachhaltigen zweistelligen EBIT-Marge hat der Vorstand auf 2028 terminiert.

Beweisaufnahme in der Earnings Season

Die fünf Aktien spiegeln die gespaltene Realität des Technologie-Sektors. Auf der einen Seite stehen Unternehmen wie ServiceNow und Salesforce, die unter der SaaS-Bewertungskorrektur leiden, aber mit KI-Plattformen gegensteuern. Auf der anderen Seite operiert Infineon als Hardware-Lieferant mit strukturellem Rückenwind durch Elektrifizierung und softwaredefinierten Fahrzeugarchitekturen — weitgehend unberührt von der Software-Turbulenz. Strategy verfolgt eine Strategie, die mit konventioneller Unternehmensfinanzierung wenig gemein hat. Und LPKF Laser sitzt auf einer potenziell bahnbrechenden Technologie, zeigt aber kurzfristig keine Gewinne.

Für ServiceNow wird der anstehende Quartalsbericht zur Nagelprobe. Beim letzten Mal führte ein Umsatzwachstum von 21 % trotzdem zu einem Kursrückgang von rund 10 % — Trader sind auf jede Nuance der Prognose fixiert. Infineon muss im Mai beweisen, dass die Marktführerschaft sich auch in einer Phase zyklischer Abkühlung auszahlt. Strategy bleibt ein Bitcoin-Proxy: Mit einem Durchschnittskaufpreis nahe der aktuellen Marktpreise genügt schon eine moderate Korrektur, um die Bilanz unter Druck zu setzen.

Die kommenden Wochen werden zeigen, welche dieser fünf Geschichten Substanz hat — und welche vor allem vom Momentum lebt.

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