Siemens Aktie: 4,32-Prozent-Rutsch nach Rekordhoch

Siemens verzeichnet Rekordaufträge und erhöht die Jahresprognose, dennoch fällt die Aktie. Analysten bleiben zuversichtlich und sehen den Rückgang als Konsolidierung.

Dieter Jaworski ·
Moderne Industriefassade in der Abendsonne als Symbol für industrielle Fertigung und Marktbewegungen. (KI-generiertes Symbolbild)
Symbolbild, KI-generiert

Kurz zusammengefasst

  • Rekordauftragseingang von 27,9 Milliarden Euro
  • Gewinnprognose je Aktie angehoben
  • KI-Rechenzentren treiben Smart Infrastructure
  • Führungsstruktur wird deutlich verschlankt

Ein Rekordquartal reichte am Donnerstag nicht, um den Kurs zu stützen. Siemens meldete für das dritte Quartal des Geschäftsjahres 2025/26 den höchsten Auftragseingang der Unternehmensgeschichte und einen kräftigen Gewinnsprung – die Aktie gab dennoch nach. Sie schloss bei 273,60 Euro und verlor auf Tagessicht 4,32 Prozent. Anleger nahmen nach einem Rekordhoch offenbar Gewinne mit, statt auf den positiven Zahlen aufzubauen.

Zahlen übertreffen Erwartungen deutlich

Der Auftragseingang kletterte im Berichtsquartal um 13 Prozent auf 27,9 Milliarden Euro, der Auftragsbestand erreichte mit 132 Milliarden Euro ebenfalls einen Höchstwert. Der Umsatz wuchs um rund 7 Prozent auf 20,8 Milliarden Euro, das Industriegeschäft steigerte sein Ergebnis um 25 Prozent auf 3,5 Milliarden Euro und übertraf damit den Konsens von 3,18 Milliarden Euro klar. Unter dem Strich blieb ein Nettogewinn von 2,58 Milliarden Euro, ein Plus von 16 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Zum Ergebnis trugen auch US-Zollrückerstattungen von rund 200 Millionen Euro bei.

Auf Basis dieser Entwicklung erhöhte der Konzern seine Gewinnprognose je Aktie für das laufende Geschäftsjahr auf 11,20 bis 11,50 Euro, nachdem zuvor eine Spanne von 10,70 bis 11,10 Euro gegolten hatte. Dass die Aktie trotz dieser Anhebung nachgab, lag Marktbeobachtern zufolge auch daran, dass manche Anleger einen noch mutigeren Ausblick erwartet hatten.

Rechenzentren als Wachstumsmotor

Innerhalb des Konzerns lieferte die Sparte Smart Infrastructure die stärksten Impulse: Der Auftragseingang legte hier um 42 Prozent auf über 8 Milliarden Euro zu, das Ergebnis stieg um 19 Prozent auf 1,3 Milliarden Euro. Treiber ist der Boom bei Rechenzentren für Künstliche Intelligenz – die entsprechenden Aufträge wuchsen in den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres dreistellig, Siemens arbeitet nach eigenen Angaben mit neun der zehn größten Rechenzentrumsbetreiber zusammen. Auch Digital Industries legte zu: Das Ergebnis der Sparte kletterte um 44 Prozent auf 923 Millionen Euro. Schwächer entwickelte sich Mobility, wo das Ergebnis um 2 Prozent auf 280 Millionen Euro zurückging.

Die Kursbewegung vom Donnerstag lässt sich auch technisch einordnen: Nach dem Rücksetzer notiert die Aktie nur noch gut sechs Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 291,25 Euro, das erst am Mittwoch markiert worden war. Zum eigenen 50-Tage-Durchschnitt beträgt der Abstand kaum mehr als ein Zehntelprozent – der Kurs bewegt sich damit trotz des Rückschlags weiterhin nah an seinem kurzfristigen Trend.

Umbau an der Konzernspitze

Parallel zu den Zahlen kündigte Siemens einen tiefgreifenden Eingriff in die Führungsstruktur an. Rund 300 CEO- und CFO-Titel sollen zum 1. Oktober im Rahmen des Programms „One Tech Company“ gestrichen werden. Betroffene Manager erhalten künftig Bezeichnungen wie „Head of“ oder „Managing Director“. Vorstandschef Roland Busch bezeichnete den Schritt als Teil eines kulturellen Wandels im Konzern. Zugleich wird die Verantwortung im Vorstand neu verteilt: Peter Körte gibt seine Technologie-Zuständigkeit an Cedrik Neike ab, das Thema Künstliche Intelligenz bleibt aber bei Körte. Beide sollen künftig als „President“ firmieren.

Auch bei der geplanten Trennung von Siemens Healthineers gibt es Fortschritte: Die steuerlichen Fragen zur Abspaltung sind geklärt, die entsprechende Hauptversammlung ist für Februar 2027 angesetzt. Vorgesehen ist, dass rund 30 Prozent der Anteile an die Aktionäre verteilt werden, der verbleibende Siemens-Anteil an Healthineers soll auf mindestens 37 Prozent sinken. Die Verteilung soll für Aktionäre steuerfrei erfolgen.

Analysten bleiben trotz Kursrutsch zuversichtlich

An der Einschätzung der Analysten hat der Kursrücksetzer wenig geändert. JPMorgan bestätigte sein Overweight-Rating mit einem Kursziel von 345 Euro, UBS empfiehlt die Aktie mit einem Ziel von 310 Euro weiterhin zum Kauf. Der Analystenkonsens liegt bei 305 Euro. Mit Blick auf das laufende Kalenderjahr steht bei der Aktie trotz des jüngsten Dämpfers noch immer ein Plus von 14,45 Prozent zu Buche – ein Hinweis darauf, dass der Rücksetzer vom Donnerstag von vielen Marktteilnehmern eher als Konsolidierung nach einer starken Rally denn als Trendwende gewertet wird.

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Siemens Aktie

258,10 EUR

– 6,30 EUR -2,38 %
KGV 26,44
KUV 2,60
Sektor Industrieunternehmen
Div.-Rendite 1,96 %
Marktkapitalisierung 201,34 Mrd. EUR
Ø Kursziel 300,76 EUR
ISIN: DE0007236101 WKN: 723610

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