Siemens Aktie: Busch kritisiert KI-Regulierung
Siemens steigert Aufträge und Gewinn deutlich, hebt die Jahresprognose an und positioniert sich zugleich gegen eine ausufernde KI-Regulierung.

Kurz zusammengefasst
- Busch warnt vor übermäßiger KI-Regulierung
- Aufträge steigen auf 27,9 Milliarden Euro
- Gewinnprognose je Aktie angehoben
- Indischer Steuerstreit zugunsten Siemens beendet
Siemens-Chef Roland Busch hat sich am Ende der vergangenen Woche öffentlich in die Debatte um die Regulierung Künstlicher Intelligenz eingeschaltet. Laut dpa-Berichterstattung kritisierte er eine aus seiner Sicht übermäßige Regulierung im KI-Bereich. Damit positioniert sich der Konzernchef unmittelbar im Spannungsfeld zwischen europäischer Technologiepolitik und industrieller Wettbewerbsfähigkeit.
Die Aussage fällt in eine Phase, in der Siemens operativ deutlich zulegt. Vor rund einem Monat hatte der Konzern vorläufige Zahlen für das dritte Quartal des Geschäftsjahres 2026 bestätigt: Die Aufträge stiegen um 14 Prozent auf 27,9 Milliarden Euro, der Umsatz um 8 Prozent auf 20,8 Milliarden Euro.
Der industrielle Gewinn kletterte um 25 Prozent auf 3,5 Milliarden Euro, der Nettogewinn um 15 Prozent auf 2,6 Milliarden Euro. Siemens hob daraufhin die Prognose für den Gewinn je Aktie vor Kaufpreisallokation auf eine Spanne von 11,20 bis 11,50 Euro an. Die Aktie legte seither um 1,5 Prozent zu.
KI als politisches und geschäftliches Thema
Buschs Vorstoß ist mehr als eine Randnotiz. Siemens hat sein Geschäft in den vergangenen Jahren stark auf Software und digitale Industrielösungen ausgerichtet, in denen KI-Anwendungen eine wachsende Rolle spielen.
Eine strengere Regulierung könnte aus Sicht des Managements Entwicklungstempo und Wettbewerbsfähigkeit europäischer Industrieunternehmen gegenüber internationalen Konkurrenten bremsen. Die öffentliche Positionierung des Konzernchefs signalisiert, dass Siemens dieses Thema als strategisch relevant einstuft und nicht nur als Compliance-Frage behandelt.
Parallel dazu bleibt der indische Rechtsstreit um eine Steuerforderung im Zusammenhang mit einer Leasing-Übertragung am Standort Halol vom Tisch: Der oberste Gerichtshof des Landes wies den Antrag der Steuerbehörde ab und bestätigte damit die frühere, für Siemens günstige Entscheidung. Ein weiteres juristisches Risiko ist damit ausgeräumt, wenngleich es sich um einen vergleichsweise überschaubaren Streitwert handelte.
Kursbild bleibt angespannt
Am Aktienmarkt zeigte sich zuletzt Konsolidierungsbedarf. Der Kurs schloss am Dienstag bei 277,70 Euro, nachdem er auf Tagesbasis um 2,4 Prozent nachgegeben hatte.
Über die vergangenen 30 Tage steht ein Minus von 2,8 Prozent zu Buche – ein Zeichen dafür, dass die starken Quartalszahlen den Kurs nicht dauerhaft beflügeln konnten. Zum 52-Wochen-Hoch von 291,55 Euro, erreicht Ende August, fehlen der Aktie aktuell 4,8 Prozent.
Für Anleger bleibt damit ein zweigeteiltes Bild: Operativ liefert Siemens mit kräftigem Auftragswachstum und angehobener Gewinnprognose starke Argumente. Die öffentliche Debatte um KI-Regulierung zeigt zugleich, dass der Konzern zunehmend auch politische Rahmenbedingungen aktiv mitgestalten will, statt sie nur hinzunehmen. Ob sich diese Positionierung langfristig in der Bewertung niederschlägt, wird sich erst über mehrere Quartale zeigen.
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