Siemens Aktie: Marge unter Beschuss
Wachsende Zweifel an KI-Investitionen belasten Siemens und Zulieferer; Barclays sieht Risiken für Margen und Renditen der Branche.
Kurz zusammengefasst
- Siemens zeitweise rund vier Prozent schwächer
- Barclays sieht Margenrisiken bei Ausrüstern
- Jahresplus der Siemens-Aktie beträgt rund sieben Prozent
- Quartalsberichte großer US-Techkonzerne folgen
Siemens gehört am Dienstag zu den schwächsten Werten im Dax. Auslöser ist weniger ein Unternehmensereignis als eine Stimmungsdrehung: Die Zweifel an den hohen Investitionen in Künstliche Intelligenz wachsen, und mit ihnen die Sorge um die Gewinne der gesamten Zulieferkette.
Sektor unter Druck
Die Aktie verlor zeitweise rund 4 Prozent und fiel auf 255,40 Euro. Auch Infineon und Hochtief gaben um mehr als 3 Prozent nach, Siemens Energy büßte über 2 Prozent ein. Besonders hart traf es ABB mit minus 5,7 Prozent, und das trotz rekordhoher Auftragseingänge. Gute Zahlen reichten also nicht, um die Nervosität zu dämpfen.
Zusätzlich belasten steigende Marktzinsen, die Kreditrisiken erhöhen. Der missglückte Börsengang des südkoreanischen KI-Infrastrukturanbieters Elice galt Marktbeobachtern als weiteres Indiz, dass der Optimismus bröckelt.
Barclays warnt vor Margenrückgang
Konkret wird Barclays-Analyst George Featherstone. In seiner Studie zu Rechenzentrums-Ausrüstern verweist er auf einen kolportierten Großeinkauf von KI-Rechenleistung durch Anthropic bei Nscale. Ein solcher Deal lege nahe, dass die zuletzt außergewöhnlich profitable Lieferkette ihre Preise und Margen nicht mehr beliebig ausweiten könne.
Featherstone sieht hohe Risiken für Anbieter von Energie- und Elektrotechnik und nennt Siemens, Siemens Energy, ABB und Schneider Electric namentlich. Deren Renditen und Margen seien in den vergangenen Jahren nahezu parabolisch gestiegen, während zugleich erhebliche neue Kapazitäten entstünden.
Jahresbilanz bleibt solide
Die Perspektive relativiert den Rücksetzer etwas. Siemens liegt im laufenden Jahr noch rund 7 Prozent im Plus und schlägt damit den Dax, dessen Gewinn auf 2,5 Prozent geschrumpft ist. Viele Halbleiterwerte stehen sogar deutlich besser da.
Abseits des Marktes äußerte sich die Personalchefin des Konzerns zum Thema KI. Siemens wolle weiter gezielt junge Leute einstellen, damit diese die nötige Erfahrung sammeln, um KI-Ergebnisse kritisch zu prüfen. Im Konzern arbeiten rund 30.000 Softwareingenieure, die schon jetzt von KI-Produktivitätsgewinnen profitieren.
Für die kommenden Tage richtet sich der Blick auf die Quartalszahlen der US-Techschwergewichte. Am Dienstagabend berichtet SpaceX, am Mittwoch folgen unter anderem Meta und IBM. Ihre Aussagen zu den Investitionsplänen dürften zeigen, wie viel Rückenwind den europäischen Zulieferern bleibt.
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