Rekordauftragsbestand, zweistelliges Umsatzwachstum, KI-Partnerschaften mit NVIDIA und dem US-Energieministerium — und trotzdem gibt die Aktie nach. Bei Siemens klafft derzeit eine auffällige Lücke zwischen dem, was das Unternehmen operativ leistet, und dem, was der Markt honoriert.
Operativ stark, strukturell im Umbruch
Das erste Quartal des laufenden Geschäftsjahres lieferte beeindruckende Zahlen: Der Umsatz stieg um acht Prozent auf 19,1 Milliarden Euro, die Neuaufträge legten um zehn Prozent auf 21,4 Milliarden Euro zu. Der Auftragsbestand erreichte mit 120 Milliarden Euro einen Rekordwert — ein Book-to-Bill-Verhältnis von 1,12 zeigt, dass neue Aufträge schneller hereinkommen, als bestehende abgearbeitet werden. Besonders das Rechenzentrumsgeschäft wächst mit einem Umsatzplus von 35 Prozent überproportional.
Gleichzeitig steht der Konzern vor einer der größten strukturellen Veränderungen seiner jüngeren Geschichte. Siemens plant, seine Kontrollmehrheit an Siemens Healthineers aufzugeben und rund 30 Prozent der Aktien direkt an bestehende Aktionäre zu verteilen. Konkrete Details zu Zeitplan und steuerlicher Behandlung sollen erst im zweiten Kalenderquartal 2026 folgen — diese Unklarheit erschwert es Investoren, die Auswirkungen auf Gewinn je Aktie und Dividenden verlässlich einzuschätzen.
Hinzu kommt ein Führungswechsel an der Finanzspitze: Am 1. April übernimmt Veronika Bienert das Amt der CFO. Parallel läuft die Integration des US-Softwareanbieters Altair Engineering, die zwar anfängliche Integrationsrisiken mit sich bringt, dem hochmargigen Segment Digital Industries aber langfristig Schub verleihen soll.
KI als strategische Wachstumsachse
Abseits der Quartalszahlen verdichten sich die Signale, dass Siemens seine KI-Agenda ernsthaft vorantreibt. Am 11. März unterzeichnete das Unternehmen ein Memorandum of Understanding mit dem US-Energieministerium zur Unterstützung der sogenannten Genesis Mission — einer Bundesinitiative zur Modernisierung wissenschaftlicher Infrastruktur durch industrielle KI und digitale Zwillinge.
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Mit NVIDIA arbeitet Siemens an vollständig KI-gesteuerten Fertigungsstandorten. Den Anfang macht 2026 die Electronics Factory in Erlangen als Pilotprojekt; der Standort Amberg soll bis 2030 mit einer Investition von rund 200 Millionen Euro zur adaptiven KI-Fabrik umgebaut werden. Siemens Mobility meldete zudem einen technischen Meilenstein: In Finnland gelang erstmals auf einer europäischen Hauptstrecke die erfolgreiche Demonstration automatisierten Zugbetriebs.
Rückkaufprogramm als Kursstütze
Um dem Kursrückgang entgegenzuwirken, beschleunigt Siemens sein Aktienrückkaufprogramm. Von einer Gesamtermächtigung von über sechs Milliarden Euro wurden bereits 4,4 Milliarden Euro eingesetzt; im März sollen 18 Millionen eigene Aktien eingezogen werden, was die Gesamtzahl ausstehender Aktien auf rund 782 Millionen reduziert.
Der Kurs notiert mit rund 221 Euro derzeit rund sechs Prozent unter seinem 200-Tage-Durchschnitt — ein technisches Warnsignal, das die Transformationsunsicherheit widerspiegelt, nicht die operative Verfassung des Konzerns. Am 13. Mai legt Siemens die Zweitquartalsergebnisse vor. Bis dahin dürften auch die lange erwarteten Details zur Healthineers-Abspaltung vorliegen — und erst dann lässt sich beurteilen, ob der Markt bereit ist, die operativen Stärken wieder in den Vordergrund zu rücken.
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