Siemens-Chef Busch kritisiert langsamen AI Act

Siemens-Chef Roland Busch verlangt mehr Tempo bei der KI-Regulierung, lehnt pauschale China-Zölle ab und sieht keine Blase im KI-Boom.

Dieter Jaworski ·
Abstrakte Darstellung von künstlicher Intelligenz und industrieller Vernetzung in einem modernen, professionellen Umfeld. (KI-generiertes Symbolbild)
Symbolbild, KI-generiert

Kurz zusammengefasst

  • Busch verlangt schnelleres EU-Regelwerk
  • Gezielte statt umfassender China-Zölle
  • KI-Boom laut Busch keine Blase
  • Siemens kauft weitere eigene Aktien

Siemens-Chef Roland Busch hat am heutigen Montag die EU zu deutlich mehr Geschwindigkeit bei der Zulassung von Künstlicher Intelligenz aufgefordert. Der AI Act und der Data Act bräuchten derzeit rund zwei Jahre bis zur Umsetzung, während sich KI-Technologie sechs- bis achtmal schneller weiterentwickle.

Diese Kritik richtet sich direkt an die Brüsseler Regulierungspraxis und trifft einen Konzern, der seine Zukunft zunehmend an Digitalisierung und Automatisierung knüpft.

Busch äußerte sich zugleich zur Handelspolitik gegenüber China. Er sprach sich gegen umfassende EU-Zölle aus und plädierte stattdessen für wenige, gezielte Maßnahmen.

Handelsprobleme ließen sich nicht allein auf chinesische Subventionen zurückführen, so Busch laut einem Bericht der „Welt“ – China verfüge über leistungsfähige eigene Wettbewerber, gegen die pauschale Zollmauern wenig ausrichten könnten. Zölle dürften nicht dazu dienen, mangelnde eigene Wettbewerbsfähigkeit zu kaschieren.

Keine Blase, sondern die größte Wette der Geschichte

Bemerkenswert ist Buschs Einschätzung zum viel diskutierten KI-Boom selbst: Eine Blase sieht er nicht. Es handle sich um die größte Wette der Geschichte, die anders als frühere Spekulationsblasen nicht auf geliehenem Geld basiere.

Diese Aussage dürfte Anleger beruhigen, die angesichts hoher Bewertungen im KI-Sektor zunehmend nervös nach Warnsignalen suchen. Für Siemens als Anbieter von Automatisierungs- und Softwarelösungen ist die Entwicklung des KI-Marktes von strategischer Bedeutung.

Die Marktreaktion auf Buschs Äußerungen fiel uneinheitlich aus: Während die Aktie an der Schweizer Börse zunächst leicht zulegte, gab sie im deutschen Handel zeitweise nach. Am Nachmittag notierte das Papier bei 288,55 Euro, nahezu unverändert gegenüber dem Freitagsschluss von 288,80 Euro.

Der Kurs bewegt sich damit weiterhin knapp unter dem erst vergangene Woche markierten 52-Wochen-Hoch von 291,55 Euro und rund 4,3 Prozent über dem 50-Tage-Durchschnitt – ein Zeichen, dass der jüngste Aufwärtstrend intakt bleibt.

Aktienrückkaufprogramm läuft parallel weiter

Unabhängig von der Regulierungsdebatte setzt Siemens sein laufendes Aktienrückkaufprogramm fort. In der Woche vom 24. bis 30. August erwarb der Konzern 273.055 eigene Aktien zu gewichteten Durchschnittskursen zwischen 280,23 und 290,10 Euro im Xetra-Handel.

Seit dem Start des Programms am 1. Juli summiert sich das Volumen damit auf über 2,6 Millionen Aktien. Solche kontinuierlichen Rückkäufe stützen tendenziell den Kurs und signalisieren Vertrauen des Managements in die eigene Bewertung.

Der Kontrast zur Schwesterfirma Siemens Energy könnte am heutigen Tag kaum größer sein: Deren Aktie verlor deutlich, nachdem der Aufsichtsrat die Abspaltung der Sparte Transformation of Industry gebilligt hatte.

Für den Industriekonzern Siemens selbst bleibt die politische Standortdebatte um KI-Regulierung und Handelszölle indes das bestimmende Thema des Tages – ein Feld, auf dem Busch erkennbar Position gegen ein zu langsames und zu pauschales Brüssel bezieht.

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