Siemens Energy Aktie: 162 Milliarden Auftragsbestand

Siemens Energy verselbstständigt die Industriesparte ToI und erhält Analysten-Zuspruch. Trotz Kursrückgang stützen Rekordaufträge und starke Quartalszahlen die Strategie.

Eduard Altmann ·

Kurz zusammengefasst

  • ToI-Sparte wird eigenständig
  • Analysten bestätigen Buy-Ratings
  • Rekordauftragsbestand von 162 Mrd. Euro
  • Windtochter erstmals wieder profitabel

Heute vollzieht Siemens Energy den nächsten großen Schnitt: Die Sparte „Transformation of Industry“ (ToI) wird verselbstständigt, Konzernchef Christian Bruch stellt externe Investoren oder gar einen Börsengang in Aussicht.

Für mich ist das die konsequente Fortsetzung eines Kurses, der sich bereits seit Wochen abzeichnet – und der dem Konzern guttut, auch wenn der Aktienkurs heute mit einem Minus von 1,3 Prozent auf 151,48 Euro zunächst nüchtern reagiert.

Ein Konzern räumt auf

Erst gestern kursierten Medienberichten zufolge Meldungen über einen möglichen Milliarden-Verkauf des Dampfturbinengeschäfts, bei dem Goldman Sachs als beratende Bank mandatiert worden sein soll. Nun folgt mit der ToI-Abspaltung der nächste, deutlich größere Baustein.

Unterm Strich entsteht so ein Bild, das ich für strategisch schlüssig halte: Siemens Energy trennt sich von allem, was nicht zum Kern gehört – Stromerzeugung und -übertragung –, und schafft damit Klarheit für Investoren, die bislang einen diffusen Mischkonzern bewerten mussten.

Dass diese Order von den Analysten goutiert wird, überrascht mich nicht. Deutsche Bank Research bestätigte heute nach Bekanntgabe der Abspaltung das „Buy“-Rating mit einem Kursziel von 210 Euro. Jefferies bewertet die Verselbstständigung als strategisch positiv und beließ das Kursziel bei 215 Euro, ebenfalls mit „Buy“-Einstufung.

RBC Capital Markets bekräftigte heute die Einstufung „Outperform“ mit einem Kursziel von 200 Euro. Drei Häuser, drei klare Kaufsignale, alle am selben Tag verkündet – das ist für mich ein starkes Indiz dafür, dass der Markt die Logik hinter dem Konzernumbau versteht, selbst wenn der Kurs kurzfristig nicht mitzieht.

Die operativen Zahlen stützen die These

Was mich in meiner positiven Einschätzung bestärkt, ist der operative Unterbau. Die Q3-Zahlen vom 13. August zeigten einen auf vergleichbarer Basis um 18,5 Prozent gestiegenen Umsatz auf 11,4 Milliarden Euro. Bemerkenswert finde ich vor allem, dass die einstige Problemsparte Siemens Gamesa erstmals seit 2022 wieder ein positives Quartalsergebnis erzielte – ein Befreiungsschlag, der dem gesamten Konzern Rückenwind gibt.

Der Auftragsbestand kletterte auf einen Rekordwert von 162 Milliarden Euro, allein im Gasturbinenbereich gingen im abgelaufenen Quartal Bestellungen über 15 Gigawatt ein. Dazu kommen konkrete Einzelaufträge wie der Großauftrag von Petrobras für Offshore-Energietechnik am 19. August und ein FEED-Auftrag über 275 Megawatt für ein Projekt in Québec.

Für mich ergibt sich daraus ein Muster: Das operative Geschäft brummt, während der Konzern parallel seine Struktur bereinigt. Das ist selten – meistens leiden Umbauten unter operativer Schwäche, hier ist es umgekehrt.

Auch die Prognose spricht für Zuversicht: Am 12. August bestätigte Siemens Energy die angehobene Jahresprognose 2026 mit einem erwarteten Free Cashflow vor Steuern von rund 8 Milliarden Euro und einem Nettogewinn von etwa 4 Milliarden Euro. Wer diese Zahlen mit dem Chaos der Gamesa-Krise vor wenigen Jahren vergleicht, erkennt den Umfang der Wende.

Kurs unter Druck, Story intakt

Dass der Kurs trotz alledem seit dem 52-Wochen-Hoch von 195,38 Euro am 24. April um 22 Prozent zurückgekommen ist, sehe ich als normale Verdauung eines fulminanten Anstiegs – seit Jahresbeginn steht auf Sicht von zwölf Monaten immer noch ein Plus von 60 Prozent zu Buche.

Der aktuelle Kurs liegt mit 151,48 Euro nur knapp unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 155,48 Euro, aber leicht über dem 200-Tage-Durchschnitt von 150,38 Euro – für mich ein Zeichen, dass die mittelfristige Aufwärtsdynamik trotz der jüngsten Konsolidierung intakt bleibt.

Kritisch bleibt anzumerken: Eine Abspaltung dieser Größenordnung bringt Exekutionsrisiken mit sich. Bewertungsfragen, Managementkapazitäten, mögliche Käufer für die einzelnen Teile – hier ist noch vieles offen. Zudem bleibt der Dampfturbinen-Verkauf bislang unbestätigt und stützt sich nur auf Medienberichte.

Mein Fazit

Für mich überwiegen die Chancen: Ein fokussierter Konzern mit Rekord-Auftragsbestand, wiedererstarkter Windsparte und breiter Analysten-Unterstützung dürfte langfristig besser bewertet werden als der heutige Mischkonzern. Die Vorlage der Jahreszahlen am 11. November wird zeigen, ob sich diese These bestätigt.

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Siemens Energy Aktie

151,78 EUR

– 1,72 EUR -1,12 %
KGV 49,79
KUV 3,10
Sektor Industrieunternehmen
Div.-Rendite 0,46 %
Marktkapitalisierung 130,46 Mrd. EUR
Ø Kursziel 196,52 EUR
ISIN: DE000ENER6Y0 WKN: ENER6Y

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