Siemens Energy Aktie: 4,12 Prozent auf 165,32 Euro

Siemens Energy durchbricht dank Rekordquartal und neuem Großauftrag die 165-Euro-Marke. Analysten sehen weiteres Potenzial, mahnen aber zur Vorsicht.

Andreas Sommer ·
Siemens Energy Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Rekordquartal mit 17,9 Mrd. Euro Auftragseingang
  • Windkrafttochter Gamesa erstmals wieder profitabel
  • Analysten bestätigen positive Bewertung
  • Aktie bleibt unter 52-Wochen-Hoch

Siemens Energy hat am Mittwoch die Marke von 165 Euro durchbrochen und damit einen der stärksten Handelstage der jüngeren Vergangenheit hingelegt. Der Kurs notiert aktuell bei 165,32 Euro, ein Plus von 4,12 Prozent gegenüber dem Schlusskurs vom Dienstag bei 158,78 Euro. Auslöser sind ein Rekordquartal, ein neuer Großauftrag und eine Reihe positiver Analystenkommentare, die an diesem Tag fast gleichzeitig eintrafen.

Rekordquartal treibt den Kurs

Im dritten Quartal 2026 meldete Siemens Energy einen Auftragseingang von 17,9 Milliarden Euro, was einem Book-to-Bill-Verhältnis von 1,57 entspricht. Der Umsatz kletterte um 18,5 Prozent auf 11,4 Milliarden Euro, das Ergebnis vor Sondereffekten lag bei 1,62 Milliarden Euro.

Nach Steuern verblieb ein Gewinn von 1,19 Milliarden Euro, was einem Ergebnis je Aktie von 1,28 Euro entspricht. Für das Gesamtjahr 2026 bestätigte der Konzern seine Prognose: Umsatzwachstum von 14 bis 16 Prozent, eine EBIT-Marge zwischen 10 und 12 Prozent sowie ein Gewinn von rund 4 Milliarden Euro bei einem freien Cashflow von etwa 8 Milliarden Euro.

Besonders bemerkenswert: Die Windkrafttochter Siemens Gamesa schrieb erstmals seit 2022 wieder schwarze Zahlen. Flankiert wurde die Erholung von einem neuen Großauftrag über 20 Dampf-Turbogeneratoren mit einer Gesamtleistung von 1 Gigawatt für Rechenzentren, gemeinsam mit Babcock & Wilcox.

Vestas als Stimmungsverstärker

Zusätzlichen Rückenwind lieferte der dänische Wettbewerber Vestas, der seine Jahresziele anhob und dessen Aktie um 18 Prozent zulegte. Vestas meldete für das zweite Quartal eine operative Marge von 9,4 Prozent nach 1,5 Prozent im Vorjahr sowie einen um 67 Prozent gestiegenen Auftragseingang von 3,35 Gigawatt.

Der Effekt strahlte auf die gesamte Windkraftbranche aus – auch Nordex legte an diesem Tag deutlich zu. Der DAX selbst markierte am Mittwoch mit 26.573 Punkten eine neue Bestmarke, wobei Siemens Energy zu den Treibern zählte.

Analysten sehen weiteres Potenzial

Bernstein Research bestätigte die Einstufung „Outperform“ mit einem Kursziel von 210 Euro. Analyst Chad Dillard begründete dies unter anderem mit dem Fachkräftemangel, der den Ausbau von Rechenzentren in den USA bis 2030 auf jährlich 35 Gigawatt begrenzen dürfte – ein Engpass, der Anbietern von Turbinentechnik wie Siemens Energy tendenziell zugutekommt.

Die durchschnittlichen Kursziele der Analysten liegen zwischen 196 und 198 Euro, mit einer breiten Spanne von Barclays mit 130 Euro bis J.P. Morgan mit 245 Euro. Weitere Häuser wie Evercore, Deutsche Bank und Morgan Stanley nannten Ziele zwischen 195 und 250 Euro.

Untermauert wird die positive Einschätzung durch die Nachfrage im Gasturbinengeschäft: Im zweiten Quartal 2026 wurden weltweit 38 Gigawatt an neuen Gasturbinen bestellt, ein Plus von 29 Prozent gegenüber dem Vorquartal und 71 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Siemens Energy sicherte sich davon 12,5 Gigawatt und lag damit vor General Electric mit 11,3 Gigawatt und Mitsubishi mit 5,3 Gigawatt. Die Lieferfristen für Gasturbinen haben sich seit 2023 von 3,5 auf 5 Jahre verlängert, während die Kosten um 49 Prozent gestiegen sind – ein Zeichen für die angespannte Auftragslage in der Branche.

Charttechnisches Bild bleibt angespannt

Trotz der Rally notiert die Aktie mit einem Abstand von 15,39 Prozent noch unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 195,38 Euro, das im April markiert wurde. Zum 50-Tage-Durchschnitt von 155,16 Euro beträgt der Abstand 6,55 Prozent, was die kurzfristige Dynamik unterstreicht. Mehrere Marktbeobachter sprechen von einer möglichen Trendwende, warnen aber zugleich vor einer charttechnischen Widerstandszone, die noch nicht vollständig überwunden sei.

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