Siemens Energy Aktie: 80-Millionen-Dollar-Auftrag aus Alabama

Siemens Energy fällt auf Sechsmonatstief, während Analysten die Aktie hochstufen und operative Fortschritte vermelden.

Andreas Sommer ·
Siemens Energy Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Aktie erreicht neues Sechsmonatstief
  • Sektorweiter Abverkauf nach GE Vernova-Zahlen
  • Aktienrückkauf und US-OTCQX-Listing gestartet
  • Analysten sehen Kurspotenzial trotz Kursrutsch

Siemens Energy markierte im Handel am heutigen Donnerstag mit 133,26 Euro ein neues Sechsmonatstief. Auslöser war ein sektorweiter Abverkauf, der die gesamte Energietechnik-Branche erfasste, nachdem der US-Wettbewerber GE Vernova am Mittwoch seine Quartalszahlen vorgelegt hatte. Die Reaktion der Anleger auf die Zahlen des US-Konzerns strahlte auf europäische Werte der Branche aus und zog auch die Aktie von Siemens Energy mit nach unten.

Der Kurs notiert aktuell bei 133,48 Euro und liegt damit rund 20 Prozent unter dem Niveau von vor 30 Tagen. Zum 52-Wochen-Hoch von 195,54 Euro, erreicht im April, klafft mittlerweile eine Lücke von knapp 32 Prozent. Der jüngste Rutsch bringt das Papier damit deutlich unter seine gleitenden Durchschnittslinien und zeigt, wie stark sich die Stimmung binnen weniger Wochen gedreht hat – trotz einer Reihe positiver Unternehmensnachrichten aus den vergangenen Tagen.

Rückkauf, US-Listing und Auftrag aus Alabama

Just an dem Tag, an dem die Aktie ihr Sechsmonatstief markierte, startete Siemens Energy offiziell den Handel im OTCQX-Segment der US-Börse. Dieses „Listing light“ verzichtet auf eine vollständige SEC-Registrierung und soll die Liquidität bei US-Privatanlegern und kleineren institutionellen Investoren erhöhen. Am Mittwoch hatte das Unternehmen zudem den Abschluss der achten Tranche seines laufenden Aktienrückkaufprogramms bekanntgegeben: Zwischen dem 20. und 26. Juli erwarb Siemens Energy insgesamt 637.140 eigene Aktien über die Börse.

Auch operativ gab es zuletzt gute Nachrichten. In der vergangenen Woche erhielt die US-Tochter Siemens Government Technologies von der US-Armee einen Auftrag über 80 Millionen US-Dollar zur Fertigung von Drohnenmotoren am Standort Alabama. Ziel des Auftrags ist es, Lieferketten-Abhängigkeiten von Seltenen Erden zu reduzieren – ein Thema, das in der Rüstungs- und Antriebstechnik zunehmend an Bedeutung gewinnt.

Parallel dazu stellte Siemens Energy am 23. Juli laut Medienberichten die neue Dachmarke „Omterra“ vor. Unter diesem Namen sollen im Zuge der laufenden Restrukturierung die bisherigen Geschäftseinheiten Siemens Energy und Siemens Gamesa zusammengeführt werden. Ein weiterer Baustein für das Vertrauen in die Bilanzqualität kam Anfang Juli von der Ratingseite: S&P Global hob das langfristige Emittentenrating auf „BBB+“ an und verwies dabei auf die verbesserte operative Marge sowie eine höhere Sichtbarkeit beim Cashflow.

Analysten bleiben trotz Kursrutsch zuversichtlich

Auch von Analystenseite gab es zuletzt deutliche Aufwertungen. Die Deutsche Bank stufte die Aktie am 23. Juli auf „Buy“ hoch und setzte ein neues Kursziel von 200 Euro. Wenige Tage zuvor, am 20. Juli, hatte bereits die UBS ihr Rating von „Neutral“ auf „Buy“ angehoben und das Kursziel deutlich von 175 auf 210 Euro erhöht – begründet mit der starken Dynamik im Gasturbinengeschäft. Beide Kurszielspannen liegen damit erheblich über dem aktuellen Kursniveau und signalisieren, dass die Analysten den jüngsten Abverkauf als Marktreaktion und nicht als fundamentale Neubewertung des Geschäfts einordnen.

Diese Diskrepanz zwischen operativen Fortschritten und Kursentwicklung dürfte Anleger in den kommenden Tagen besonders beschäftigen. Der technische Indikator RSI notiert mit 33,2 im überverkauften Bereich, was zumindest kurzfristig auf eine Stabilisierung hindeuten könnte.

Quartalszahlen am 5. August im Fokus

Die nächste wichtige Wegmarke steht bereits kommende Woche an: Am 5. August veröffentlicht Siemens Energy die Quartalszahlen zum dritten Quartal des laufenden Geschäftsjahres 2026. Der Analystenkonsens erwartet ein Ergebnis je Aktie von rund 1,17 Euro. Angesichts der jüngsten Kursverwerfungen dürfte der Termin zeigen, ob die operative Stärke, auf die sich die jüngsten Analysten-Hochstufungen stützen, sich auch in den Zahlen niederschlägt – oder ob der Sektor-Abverkauf tiefere Wurzeln hat als bislang angenommen.

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