Siemens Energy Aktie: Abschied vom Namen
Siemens Energy ersetzt den Firmennamen durch die Kunstmarke Omterra. Trotz Rekordgewinnen und steigender Aktie kappt der Konzern die letzte Verbindung zur früheren Mutter.

Kurz zusammengefasst
- Neue Marke Omterra löst Siemens ab
- Lizenzgebühren von 300 Millionen Euro jährlich
- Aktie erholt sich auf rund 150 Euro
- Gewinnziel von vier Milliarden Euro
Ein Konzern, der gerade Rekordgewinne einfährt, trennt sich ausgerechnet jetzt von seinem bekanntesten Aktivposten: dem Namen Siemens. Ab sofort baut Siemens Energy die Marke Omterra auf – ein Kunstwort, das binnen eineinhalb Jahren den alten Namen vollständig ablösen soll. Der Schritt kappt eine der letzten sichtbaren Verbindungen zur früheren Mutter.
Warum der Name jetzt fällt
Bei der Abspaltung 2020 hatte man Siemens Energy erlaubt, den geschützten Namen Siemens zehn Jahre lang weiterzuführen – gegen eine umsatzabhängige Lizenzgebühr. Allein im vergangenen Jahr kostete das rund 300 Millionen Euro. Die Vereinbarung würde ohnehin erst 2030 auslaufen, eine Verlängerung hatte der Konzern bereits ausgeschlossen.
Finanziell bringt der frühere Ausstieg kaum Ersparnis. Konzernchef Christian Bruch begründet den Zeitpunkt stattdessen mit der aktuellen Stärke des Unternehmens: Man habe das Vertrauen von Kunden und Kapitalmarkt gewonnen und die Profitabilität deutlich verbessert. Der Kunstname folgt damit einem Muster, das auch andere frühere Konzerntöchter wie TRATON, Ceconomy oder AUMOVIO bereits durchlaufen haben – aus markenrechtlichen Gründen bleibt bei solchen Abspaltungen meist nur ein erfundenes Wort übrig.
Vom Krisenfall zum DAX-Schwergewicht
Die Geschichte hinter der Namensänderung ist eine steile Aufholjagd. Nach dem Börsenstart 2020 bei 23 Euro rutschte die Aktie im Herbst 2023 unter 10 Euro – belastet vor allem durch Milliardenverluste im Windkraftgeschäft. Inzwischen gelten die Probleme dort als weitgehend im Griff, im laufenden Geschäftsjahr soll die Sparte erstmals zumindest quartalsweise schwarze Zahlen schreiben.
Heute notiert die Aktie um die 150 Euro und legte am Dienstagnachmittag rund 2 Prozent zu. Mit einer Marktkapitalisierung von etwa 130 Milliarden Euro zählt Siemens Energy damit zu den wertvollsten Werten im DAX. Für das laufende Geschäftsjahr peilt der Konzern rund 4 Milliarden Euro Gewinn an – der bislang höchste Wert seiner kurzen Firmengeschichte.
Am Kapitalmarkt bleibt die Einschätzung zur weiteren Kursentwicklung gespalten: Während Barclays mit einem Kursziel von 130 Euro vor einem möglichen Höhepunkt im Gasturbinengeschäft warnt, sehen JPMorgan und Jefferies mit 235 beziehungsweise 215 Euro noch deutliches Potenzial nach oben – getragen vom weltweiten Netzausbau und der steigenden Stromnachfrage durch KI-Rechenzentren.
Der Namenswechsel zu Omterra soll in den kommenden eineinhalb Jahren schrittweise vollzogen werden. Bis dahin bleibt der Rekordgewinn im laufenden Geschäftsjahr der eigentliche Beleg dafür, ob der selbstbewusste Zeitpunkt für den Markenwechsel gerechtfertigt war.
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