Siemens Energy Aktie: JPMorgan hebt Ziel auf 235 Euro
Der Konzern firmiert künftig als Omterra und spart jährlich 300 Millionen Euro Lizenzgebühren. Analysten heben Kursziele an.

Kurz zusammengefasst
- Umbenennung in Omterra beschlossen
- Jährliche Einsparung von 300 Millionen Euro
- UBS und JPMorgan erhöhen Kursziele
- Neuer Großauftrag für Netzausbau erhalten
Siemens Energy bekommt einen neuen Namen. Der Energietechnikkonzern und seine Windkraftsparte Siemens Gamesa firmieren künftig unter der Bezeichnung Omterra, wie das Unternehmen am Sonntag mitteilte. CEO Christian Bruch begründete den Schritt damit, dass die Markenvereinbarung mit der Siemens AG zeitlich begrenzt sei und der Übergang deshalb jetzt beginne. An der strategischen Ausrichtung des Konzerns ändere sich nichts.
Der Namenswechsel hat einen handfesten finanziellen Hintergrund: Laut Wirtschaftswoche entfallen mit der Umbenennung jährliche Lizenzzahlungen von rund 300 Millionen Euro, die Siemens Energy bislang für die Nutzung der Siemens-Marke an die Siemens AG entrichtete. Ein Kommentar des Magazins kritisierte den Kunstnamen zugleich als wenig aussagekräftig – operativ dürfte die Einsparung für Anleger aber schwerer wiegen als die Namensfrage.
Analysten trotzen dem Sektor-Ausverkauf
Parallel zur Marken-Nachricht meldeten sich gleich zwei Großbanken mit angehobenen Kurszielen. UBS erhöhte ihre Zielmarke für Siemens Energy von 175 auf 210 Euro und bestätigte die Kaufempfehlung. JPMorgan bekräftigte sein Overweight-Rating mit einem Kursziel von 235 Euro und bezeichnete die aktuelle Schwäche als Einstiegschance. Ausgelöst wurde der jüngste Rücksetzer durch enttäuschende Zahlen des US-Konkurrenten GE Vernova, die einen sektorweiten Ausverkauf bei Energietechnik-Werten nach sich zogen.
Die Kursreaktion zeigt sich in den Handelsdaten: Auf Monatssicht steht bei Siemens Energy ein Minus von 5,22 Prozent zu Buche, der Freitagsschluss lag bei 150,70 Euro. Damit notiert die Aktie rund 23 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 195,54 Euro, das sie im April markiert hatte. Der Relative-Stärke-Index von 45 signalisiert dabei weder eine überkaufte noch eine überverkaufte Situation – der Markt scheint die divergierenden Signale aus Branchenschwäche und Analystenoptimismus noch nicht verarbeitet zu haben.
Neben den Kurszielen verwies Siemens Energy auf laufende Pläne für ein Aktienrückkaufprogramm von bis zu 6 Milliarden Euro bis 2028. Die nächsten konkreten Zahlen liefert der Konzern mit den Q3-Ergebnissen am 5. August – ein Termin, der nun als nächster wichtiger Prüfstein für die optimistischen Analystenszenarien gilt.
Neuer Großauftrag im deutschen Netzausbau
Operativ untermauerte ein frischer Auftrag die Wachstumsstory im Netzgeschäft. Der Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz vergab den Zuschlag für das Konvertersystem des North Sea Connector 2 an ein Konsortium aus Siemens Energy und Neptun Smulders Offshore Renewables. Der landseitige Konverter entsteht bei Schwerin im Rahmen des NordOstLink-Hochspannungsgleichstromprojekts, gefertigt wird in Rostock. Dort sollen mehr als 500 Arbeitsplätze entstehen, während die Offshore-Plattform in der Nordsee installiert wird. Die Fertigstellung ist bis 2034 angesetzt. Ein zweites, verwandtes Projekt, der North Sea Connector 1, befindet sich Berichten zufolge bereits in Verhandlung.
Der Auftrag reiht sich in eine Serie von Netzausbau-Geschäften ein, die Siemens Energy zuletzt vermelden konnte, und untermauert die Position des Unternehmens im europäischen Ausbau der Stromübertragung. Für Anleger bleibt die Gemengelage ambivalent: Auf der einen Seite stehen strukturelle Rückenwind-Faktoren wie der Netzausbau und die eingesparten Lizenzkosten, auf der anderen Seite die Nervosität der Branche nach den GE-Vernova-Zahlen. Der 5. August dürfte zeigen, welche der beiden Kräfte am Ende überwiegt.
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