Siemens Energy Aktie: Konzernumbau nimmt Gestalt an
Siemens Energy treibt die Abspaltung der Sparte Transformation of Industry voran. Analysten sehen Potenzial, die Aktie bleibt unter dem Jahreshoch.
Kurz zusammengefasst
- Offizielle Vorbereitung der Spartenabspaltung
- 17.000 Mitarbeiter in der Industriesparte
- Umsatz von 5,7 Milliarden Euro erzielt
- Analysten bestätigen positive Einstufung
Siemens Energy macht Ernst mit dem Umbau seines Portfolios. Der DAX-Konzern hat die Vorbereitungen für die rechtliche und operative Ausgliederung der Sparte Transformation of Industry gestartet — jenes Geschäftsbereichs, der Industriekunden mit Dampfturbinen, Kompressoren für die Ölbranche und Wasserstoff-Elektrolyseuren versorgt. Über eine mögliche Abspaltung wurde seit dem Sommer spekuliert, nun liegt die offizielle Bestätigung vor.
Warum die Sparte raus soll
Die Begründung liefert Konzernchef Christian Bruch selbst: Transformation of Industry konkurriert intern um Investitionsmittel mit Geschäftsbereichen, die schneller wachsen. Der aktuelle Investitionsschwerpunkt liegt auf Stromerzeugung und Stromübertragung — dort werfen Investitionen kurzfristig höhere Erträge ab. Die Wachstumsbereiche profitieren vom Boom rund um Rechenzentren und KI-Infrastruktur, die einen enormen Strombedarf erzeugen.
Transformation of Industry beschäftigt rund 17.000 Mitarbeiter und erwirtschaftete im vergangenen Geschäftsjahr einen Umsatz von 5,7 Milliarden Euro, nach 5,1 Milliarden Euro im Jahr davor. Das Vorsteuerergebnis stieg um 70 Prozent auf 646 Millionen Euro, der Auftragsbestand lag zuletzt bei rund 8 Milliarden Euro. Wachstumszahlen, die zeigen: Die Sparte performt nicht schlecht — sie passt nur nicht mehr ins Tempo des Konzerns.
Offen bleibt, wie die künftige Eigentümerstruktur aussieht. Siemens Energy prüft sowohl die Hereinnahme externer Investoren als auch eine Kapitalmarkttransaktion, will aber eine wesentliche Minderheitsbeteiligung behalten. Finanzinvestoren sollen bereits Interesse angemeldet haben — Marktschätzungen für den Wert der Sparte liegen bei mehr als 10 Milliarden Euro.
Analysten bleiben zuversichtlich
RBC bestätigte die Einstufung „Outperform“ mit einem Kursziel von 200 Euro und wertete die Ankündigung als erwartbaren Schritt, der die Anlagestory vereinfache. JPMorgan hatte zuvor sogar ein Kursziel von 245 Euro ausgegeben. Die Aktie selbst reagierte am Mittwochvormittag mit einem minimalen Rückgang auf rund 151 Euro — nach den deutlichen Kursgewinnen der Vortage war der Neuigkeitswert der offiziellen Mitteilung bereits eingepreist.
Der Kurs bewegt sich damit weiterhin deutlich unter dem Jahreshoch von 191,66 Euro, das im April erreicht wurde, nachdem die Aktie im Juli zwischenzeitlich bis auf 133,30 Euro zurückgefallen war. Die Schwankungsbreite bleibt hoch — ein Umstand, der auch mit Blick auf den anstehenden Konzernumbau nicht kleiner werden dürfte.
Die kommenden Monate werden zeigen, welche Struktur Siemens Energy für Transformation of Industry final wählt — Börsengang, Verkauf einer Mehrheit oder eine andere Kapitalmarktlösung. Bis dahin bleibt die Bewertung der Sparte jenseits der 10-Milliarden-Euro-Marke der zentrale Anhaltspunkt für die Frage, wie viel zusätzlichen Wert die Trennung für die Konzernaktie freisetzen könnte.
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