Siemens Energy Aktie: Rivale sorgt für Sog
Siemens Energy verliert nach einer kritischen GE-Vernova-Studie deutlich, während ein neuer 50Hertz-Auftrag das operative Geschäft stützt.

Kurz zusammengefasst
- Siemens-Energy-Aktie verliert rund acht Prozent
- GLJ stuft GE Vernova zum Verkauf
- GE Vernova plant 200 Milliarden Dollar Auftragsbestand
- 50Hertz vergibt weiteren Milliardenauftrag
Ein Analystenkommentar zu GE Vernova hat am Wochenauftakt für einen empfindlichen Kursrutsch bei Siemens Energy gesorgt. Die Aktie verlor rund 8,0 Prozent, obwohl der eigentliche Auslöser bei der US-Konkurrenz lag. Das zeigt, wie eng die beiden Energiekonzerne an der Börse mittlerweile miteinander verwoben sind.
Warum der Rivale die eigene Aktie mitzieht
Das Research-Haus GLJ hatte GE Vernova mit „Verkaufen“ bewertet und vor Kurseinbußen bis auf 470 US-Dollar gewarnt. Analyst Gordon Johnson bezweifelt, dass die aktuellen EBITDA-Schätzungen haltbar sind, weil der Konzern noch überwiegend margenschwache Altaufträge abarbeitet. Sein Ergebnis fällt nach seiner Rechnung möglicherweise um 1,7 Milliarden Dollar niedriger aus als vom Markt erwartet.
Weil beide Unternehmen vom selben KI-Infrastruktur-Boom profitieren, reagieren ihre Aktien häufig im Gleichschritt. Zusätzlich belasteten am Wochenende Rufe hochrangiger Branchenvertreter nach einer Verlangsamung der KI-Entwicklung aus Sicherheitsbedenken beide Werte.
GE-Vernova-Chef Scott Strazik konterte die Zweifel am Mittwoch bei einer Investorenveranstaltung mit einer optimistischen Prognose: Bis Anfang 2027 soll der Auftragsbestand auf 200 Milliarden Dollar steigen, nach zuletzt 176 Milliarden Dollar zum Ende des vergangenen Quartals. Die Aktie legte daraufhin um 4,8 Prozent zu und machte einen Teil der Verluste wett.
Die Bewertungslücke zu Siemens Energy
Im direkten Vergleich zeigt sich, warum Marktbeobachter Siemens Energy trotz des Kursabschlags aktuell günstiger einstufen. Das für 2026 geschätzte Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt bei GE Vernova bei knapp 61 – mehr als das Dreifache des Branchendurchschnitts von 19,2. Siemens Energy kommt dagegen auf ein KGVe von 31,3 und ein deutlich attraktiveres Kurs-Gewinnwachstumsverhältnis von 0,8 gegenüber 1,69 bei der US-Konkurrenz.
Charttechnisch bleibt die Lage bei Siemens Energy angespannt. Nach dem kräftigen Abwärtsimpuls zu Wochenbeginn hat die Aktie eine kritische Zone erreicht, die im Falle eines Unterschreitens eine Topbildung bestätigen würde – bislang wurde diese Marke aber noch nicht durchbrochen.
Operativ liefert das Unternehmen unterdessen weiter ab: Der Stromnetzbetreiber 50Hertz hat einen zweiten Milliardenauftrag für eine Offshore-Windstrom-Plattform vergeben, bei dem Siemens Energy erneut für die Hochspannungs-Komponenten zuständig ist. Das Gesamtvolumen des Projekts liegt bei rund 2,5 Milliarden Euro, die Inbetriebnahme ist bis Ende 2034 geplant.
Für die kommenden Handelstage dürfte entscheidend sein, ob sich die charttechnische Unterstützungszone bei Siemens Energy hält oder ob der Bruch die angedeutete Topformation vollendet.
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