Siemens Energy Aktie: Siemens Gamesa erstmals profitabel
Siemens Energy meldet Rekordauftragseingang und erstmals wieder Gewinn in der Windsparte. Analysten bleiben trotz Kurszielanpassungen optimistisch.

Kurz zusammengefasst
- Rekordauftragseingang von 17,9 Milliarden Euro
- Windkrafttochter erstmals seit 2022 profitabel
- Jahresprognose bestätigt, Marge am oberen Ende
- Analysten sehen Potenzial trotz gesenkter Kursziele
Der große Konzernschnitt ist besprochen, die Details zur Verselbstständigung der Industriesparte sind bekannt. Für mich ist damit der eigentlich interessantere Teil der Geschichte noch nicht erzählt: Was zeigen die operativen Zahlen, und wie ordnen Analysten den Titel nach der jüngsten Kursbewegung ein? Wer nur auf die Strukturdebatte schaut, verpasst, dass Siemens Energy operativ derzeit in einer ungewöhnlich starken Verfassung steckt.
Die Zahlen sprechen eine klare Sprache
Im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2026, das von April bis Juni lief, meldete Siemens Energy einen Auftragseingang von 17,9 Milliarden Euro – ein Rekordwert. Der Umsatz kletterte vergleichbar um 18,5 Prozent auf 11,4 Milliarden Euro, der Nettogewinn stieg um 70,5 Prozent auf 1.188 Millionen Euro.
Das Ergebnis je Aktie sprang von 0,71 auf 1,28 Euro. Auch der Auftragsbestand von 162 Milliarden Euro und ein Book-to-Bill-Verhältnis von 1,57 signalisieren, dass die Nachfrage schneller wächst als die Fähigkeit, sie abzuarbeiten.
Besonders bemerkenswert finde ich die Wende bei Siemens Gamesa: Die Windkrafttochter meldete erstmals seit dem dritten Quartal 2022 wieder ein positives Quartalsergebnis und liegt auf Kurs für den Break-Even im laufenden Geschäftsjahr. Wer sich an die Verlustjahre der Windsparte erinnert, weiß, welche Last damit von den Schultern des Konzerns fällt.
Die Konzernführung bestätigte zudem ihre Jahresprognose: ein vergleichbares Umsatzwachstum von 14 bis 16 Prozent, eine Gewinnmarge vor Sondereffekten von 10 bis 12 Prozent mit Tendenz zur oberen Spanne, einen Nettogewinn von rund 4 Milliarden Euro und einen freien Cashflow vor Steuern von etwa 8 Milliarden Euro.
Operatives Geschäft läuft, Aufträge kommen weiter
Dass das operative Geschäft nicht nur auf dem Papier brummt, zeigen zwei Aufträge aus der vergangenen Woche: Siemens Energy liefert 20 Dampfturbinen mit insgesamt einem Gigawatt Kapazität an Babcock & Wilcox für die Stromversorgung von Rechenzentren im Zusammenhang mit künstlicher Intelligenz.
Parallel wählte SBM Offshore das Unternehmen für Stromerzeugungs- und Gaskompressorsysteme für Petrobras-FPSO-Einheiten vor der brasilianischen Küste aus. Beide Aufträge unterstreichen für mich, dass die Wachstumstreiber breit gestreut sind – von der Energiewende bis zur Stromversorgung der Digitalwirtschaft.
Zur Guidance auf Sparten-Ebene: Gas Services soll 16 bis 18 Prozent Umsatzwachstum bei 14 bis 16 Prozent Marge liefern, Grid Technologies sogar 25 bis 27 Prozent Wachstum bei 18 bis 20 Prozent Marge. Die Netzsparte dürfte damit zum eigentlichen Margentreiber des Konzerns werden – ein Punkt, den ich in der aktuellen Debatte um die Abspaltung der Industriesparte für unterbewertet halte.
Die Analystenlage bleibt gespalten
Die Deutsche Bank bekräftigte am Mittwoch ihre Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 210 Euro und argumentiert, die Separierung der Industriesparte schärfe den Fokus auf Elektrifizierungsmärkte und verbessere mittelfristig das Margenprofil.
RBC Capital Markets senkte am Samstag sein Kursziel von 210 auf 200 Euro, blieb aber bei „Outperform“. Beide Einschätzungen stützen aus meiner Sicht die These, dass der Konzernumbau als Werttreiber und nicht als Risiko gelesen wird – wenngleich RBCs leichte Rücknahme zeigt, dass die Euphorie an ihre Grenzen kommt.
Der Aktienkurs schloss am Mittwoch bei 151,14 Euro, nach einem Minus von 1,3 Prozent im Tagesverlauf. Auf Monatssicht steht dennoch ein Plus von 8,7 Prozent, seit Jahresbeginn sind es 26 Prozent.
Vom 52-Wochen-Hoch bei 195,38 Euro trennen die Aktie aktuell 23 Prozent – ein Abstand, der zeigt, dass der Markt die operative Stärke längst nicht vollständig eingepreist hat, während gleichzeitig Zweifel an der kurzfristigen Bewertung mitschwingen.
Mein Fazit
Unterm Strich überwiegen für mich die operativen Argumente die strukturellen Unsicherheiten. Rekordauftragseingang, eine profitabel werdende Windsparte und margenstarke Netzsparte sprechen für eine solide fundamentale Basis, die von der Diskussion um die Konzernstruktur eher überdeckt als getragen wird.
Wer den Titel bewertet, sollte weniger auf die Schlagzeilen zur Aufspaltung schauen und mehr auf die Zahlen, die im August tatsächlich vorgelegt wurden.
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