Siemens Energy Aktie: Warnung vor dem Gipfel
Barclays stuft Siemens Energy auf 'Underweight' herab und warnt vor überhöhter Bewertung trotz angehobenen Kursziels.

Kurz zusammengefasst
- Barclays senkt Rating auf 'Underweight'
- Kursziel trotzdem von 110 auf 130 Euro erhöht
- Marktkapitalisierung von 145 Milliarden Euro kritisiert
- Gasturbinen-Boom laut Analysten nahe am Zenit
Ein höheres Kursziel und trotzdem ein Verkaufsrating — dieser Widerspruch sorgt am Dienstag für Bewegung bei Siemens Energy. Die Aktie zählt zu den größten Verlierern im DAX und gibt zeitweise 5,81 Prozent auf 160,48 Euro nach. Auslöser ist eine Studie von Barclays, die das Kursziel von 110 auf 130 Euro anhebt, das Rating aber von „Equal Weight“ auf „Underweight“ senkt.
Der Grund für die Herabstufung liegt nicht in schwachen Geschäftszahlen, sondern in der Bewertung. Die Marktkapitalisierung von 145 Milliarden Euro preise laut Barclays bereits ein, dass der aktuelle Boom-Zyklus unbegrenzt anhält.
Gasturbinen-Boom nahe am Zenit
Im Gasturbinengeschäft hat Siemens Energy nach Barclays-Berechnung binnen sechs Monaten Aufträge im Umfang von 50 Gigawatt pro Jahr eingesammelt — mehr als die weltweite Jahresnachfrage in jedem einzelnen Jahr zwischen 2017 und 2023. Die Analysten schätzen die nachhaltige mittelfristige Nachfrage jedoch nur auf 80 bis 90 Gigawatt, rund 15 Prozent unter dem aktuellen Tempo.
Der Marktanteil des Konzerns ist auf etwa 40 Prozent gestiegen, verglichen mit einem historischen Schnitt von 25 bis 27 Prozent. Eine Normalisierung gilt Barclays zufolge als wahrscheinlich, zumal große Wettbewerber bereits Rechenzentrums-Aufträge über 70 Gigawatt für die kommenden drei bis vier Jahre gesichert haben.
Cashflow-Höhepunkt schon 2026 erwartet
Auch beim freien Cashflow rechnet Barclays mit einem baldigen Wendepunkt. Der auf das Eigenkapital entfallende freie Cashflow soll im Geschäftsjahr 2026 mit rund 7,62 Milliarden Euro seinen Höhepunkt erreichen und danach sinken — zwei Drittel davon stammen aus Effekten beim Working Capital. Ab 2028 könnte sich das Nettoumlaufvermögen zu einer spürbaren Belastung entwickeln, zusätzlich verschärft durch eine marktwertbewertete Verpflichtung von rund 5 Milliarden Dollar aus der geplanten Aufstockung des Anteils an Siemens Energy Indien auf 51 Prozent bis 2028.
Trotz der kritischen Einschätzung sieht Barclays Siemens Energy im Vergleich zum US-Rivalen GE Vernova nicht als teuer an. Auf bereinigter Basis falle der Bewertungsabschlag mit 20 bis 35 Prozent deutlich geringer aus, als gängige Vergleichszahlen nahelegen. Als mögliche Aufwärtsrisiken nennen die Analysten eine überdurchschnittliche Margenentwicklung im Netzgeschäft sowie mögliche neue Mittelfristziele für das Jahr 2030 — Themen, die bei der nächsten Kapitalmarktkommunikation des Konzerns im Fokus stehen dürften.
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