Siemens Healthineers Aktie: Wette auf die Bodenbildung

Trotz gesenkter Prognosen und schwacher Diagnostik-Sparte zeigt der Kurs erste Stabilisierungstendenzen. Die Q3-Zahlen könnten entscheiden.

Dr. Robert Sasse ·

Kurz zusammengefasst

  • Prognose erneut nach unten korrigiert
  • Labordiagnostik bleibt das Sorgenkind
  • Kurs nahe 52-Wochen-Tief erholt sich leicht
  • Quartalsbericht als nächster Richtungsweiser

Zwei Prognosesenkungen binnen kurzer Zeit, eine Diagnostik-Sparte in der Krise, und trotzdem steigt die Aktie. Siemens Healthineers notiert aktuell bei 35,50 Euro und legt am heutigen Handelstag um 2,07 Prozent zu. Der Kurs bleibt damit nah am 52-Wochen-Tief von 32,84 Euro. Für Anleger stellt sich die Frage: technisches Zwischenhoch oder Beginn einer echten Erholung?

Gesenkte Prognose, offene Strukturfrage

Siemens Healthineers erwartet im laufenden Geschäftsjahr nur noch ein Umsatzwachstum von 4,5 bis 5,0 Prozent. Zuvor hatte der Konzern 5,0 bis 6,0 Prozent in Aussicht gestellt. Auch beim bereinigten Ergebnis je Aktie rutscht die Zielspanne nach unten, auf 2,20 bis 2,30 Euro.

Finanzvorstand Jochen Schmitz nennt den Grund: „Größte Treiber dieser Inflation sind Speicher-Chips, Rohmaterialien und Logistikkosten.“ Geopolitische Spannungen im Nahen Osten verschärfen die Lage zusätzlich.

Das Bild ist gespalten. Bildgebung und Precision Therapy legen zu. Die Labordiagnostik dagegen verzeichnet währungsbereinigt einen deutlichen Rückgang – China bleibt hier das Sorgenkind. Genau diese Sparte steht seit einiger Zeit zur Disposition. Vorbereitungen für eine mögliche Ausgliederung laufen, einen Zeitplan gibt es nicht. Siemens Healthineers hält sich „alle Optionen“ offen.

Diese Kombination – schwächere Prognose, ungeklärte Portfoliostrategie – bestimmt derzeit die Bewertung der Aktie.

Die entscheidende Frage: Stabilisiert sich die Diagnostik?

Der Kurs handelt knapp über dem 50-Tage-Durchschnitt von 34,65 Euro, aber deutlich unter dem 200-Tage-Durchschnitt von 39,70 Euro. Dieser Abstand von über zehn Prozent zeigt: Der mittelfristige Abwärtstrend ist noch nicht gebrochen.

Entscheidend wird sein, ob die Diagnostik-Sparte in den kommenden Quartalen eine Bodenbildung zeigt. Hält die China-Schwäche an und bleibt der Kostendruck hoch, dürfte die Unsicherheit bestehen bleiben. Zeigt sich dagegen eine Stabilisierung, könnte das die Debatte um eine Ausgliederung neu beleben – und als struktureller Katalysator wirken.

Bullisches Szenario: Raum für eine Gegenbewegung

Für eine Erholung spricht zunächst die Technik. Mit einem RSI von 57,4 bewegt sich die Aktie in neutralem Terrain, weder überkauft noch überverkauft. Der Kurs liegt nur noch gut acht Prozent über dem 52-Wochen-Tief – nach einem Kursverfall von rund 26 Prozent binnen zwölf Monaten bietet das Raum für eine technische Gegenbewegung.

Die vergangenen 30 Tage bringen ein Plus von 3,86 Prozent. Das deutet auf eine erste Bodenbildung hin. Hinzu kommt: Das Kerngeschäft in Imaging und Precision Therapy bleibt laut den zuletzt vorgelegten Zahlen robust. Verschlechtert sich die Diagnostik-Sparte nicht weiter, könnte das eine Basis für eine stabilere Gesamtprognose bilden.

Sollte der Konzern die Diagnostik-Sparte strukturell neu ordnen und sich auf die margenstärkeren Bereiche konzentrieren, könnte dies mittelfristig die Bewertung stützen.

Bärisches Szenario: Tiefer sitzende Probleme

Gegen eine schnelle Erholung spricht die Tatsache, dass Siemens Healthineers die Prognose bereits zweimal binnen kurzer Zeit gesenkt hat. Das deutet darauf hin, dass die operativen Probleme in Labordiagnostik und China-Geschäft strukturellerer Natur sein könnten als zunächst angenommen.

Die Kostenbelastung durch Speicherchips, Rohmaterialien und Logistik dürfte laut Unternehmensangaben auch im weiteren Jahresverlauf anhalten. Hinzu kommt die ungeklärte Zukunft der Diagnostik-Sparte. Solange kein offizieller Zeitplan für eine Ausgliederung vorliegt, bleibt die Unsicherheit über die künftige Konzernstruktur ein Belastungsfaktor. Das könnte institutionelle Anleger von einem Engagement abhalten.

Der große Abstand zum 200-Tage-Durchschnitt signalisiert zudem: Der übergeordnete Abwärtstrend ist noch nicht überwunden. Die Jahresperformance von fast minus 21 Prozent zeigt, wie tief der Vertrauensverlust bereits reicht.

Ausblick: Q3-Zahlen als nächster Prüfstein

Solange die Diagnostik-Sparte schwach bleibt und keine Klarheit über ihre Zukunft besteht, dürfte die Aktie in ihrer aktuellen Handelsspanne verharren – zwischen dem 52-Wochen-Tief und dem 50-Tage-Durchschnitt, mit begrenztem Aufwärtspotenzial.

Zeigt der nächste Quartalsbericht dagegen eine Stabilisierung im Diagnostik-Geschäft und bestätigt der Konzern gleichzeitig die Gesamtjahresprognose, könnte das Vertrauen zurückkehren. Eine nachhaltigere Erholung Richtung 200-Tage-Durchschnitt wäre dann möglich.

Der nächste konkrete Prüfstein ist der Quartalsbericht für das dritte Geschäftsquartal, der in den kommenden Tagen erwartet wird. Er dürfte zeigen, ob die im zweiten Quartal gesenkten Ziele Bestand haben – oder ob eine weitere Nachjustierung ansteht.

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Siemens Healthineers Aktie

35,47 EUR

+ 0,69 EUR +1,98 %
KGV 18,72
Sektor Gesundheitswesen
Div.-Rendite 2,93 %
Marktkapitalisierung 38,96 Mrd. EUR
ISIN: DE000SHL1006 WKN: SHL100

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