Siemens nahe Jahreshoch, Adidas und Fresenius unter Druck — DAX gespalten
Geopolitische Spannungen und Quartalszahlen spalten den DAX. Siemens profitiert von Rekordaufträgen, während Adidas und Fresenius unter Zoll- und US-Schwäche leiden.

Kurz zusammengefasst
- Siemens kurz vor 52-Wochen-Hoch
- Deutsche Boerse profitiert von Volatilität
- Adidas leidet unter US-Zöllen
- Fresenius durch FMC-Schwäche belastet
Geopolitik gegen Berichtssaison: Der DAX startet gespalten in die neue Woche. Während Iran-Sorgen und steigende Ölpreise konsumnahe Werte belasten, treiben Quartalsfantasie und starke Fundamentaldaten ausgewählte Industrietitel und Finanzwerte nach oben. Das Ergebnis ist ein zweigeteiltes Marktbild, das die Bruchlinien im Index scharf offenlegt.
| Gewinner | Kurs | Veränderung |
|---|---|---|
| Deutsche Boerse | 247,80 € | +1,89 % |
| Siemens | 268,65 € | +1,45 % |
| Deutsche Telekom | 27,64 € | +0,84 % |
| Verlierer | Kurs | Veränderung |
|---|---|---|
| Adidas | 141,10 € | -4,27 % |
| Fresenius | 39,90 € | -3,62 % |
| Hannover Rueck | 239,00 € | -3,24 % |
Deutsche Boerse: Volatilität als Geschäftsmodell
Erhöhte Nervosität an den Märkten ist für die meisten Anleger unangenehm — für die Deutsche Börse ist sie ein Umsatztreiber. Der Börsenbetreiber führt die DAX-Gewinnerliste am Montag an und notiert bei 247,80 €.
Fundamental steht das Unternehmen auf solidem Boden. Im ersten Quartal 2026 kletterten die Nettoerlöse um neun Prozent auf 1,638 Milliarden Euro. Das EBITDA durchbrach erstmals in einem Einzelquartal die Milliardenmarke — ein Meilenstein, der die strukturelle Wachstumsdynamik unterstreicht.
Zusätzliche Nachfrage erzeugt der nahende Dividendentermin. Der Vorstand schlägt für das Geschäftsjahr 2025 eine Ausschüttung von 4,20 Euro je Aktie vor. Anleger, die noch vor dem Ex-Tag ins Papier einsteigen, sorgen für Kaufdruck. In einem Umfeld, in dem geopolitische Spannungen und eine intensive Berichtssaison die Handelsvolumina hochhalten, profitiert kaum ein DAX-Wert so direkt wie der Marktinfrastruktur-Konzern.
Siemens: Quartalsfantasie treibt Kurs ans Jahreshoch
Nur 85 Cent trennen die Siemens-Aktie noch von ihrem 52-Wochen-Hoch. Der Kurs von 268,65 € spiegelt eine bemerkenswerte Rally wider: Allein in den vergangenen 30 Tagen legte das Papier um gut 17 Prozent zu.
Der Rückenwind kommt gleich aus mehreren Richtungen:
- Rekord-Auftragsbestand: Im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2026 meldete Siemens einen Auftragseingang von 21,4 Milliarden Euro — deutlich über den Markterwartungen.
- KI-Infrastruktur als Wachstumsfeld: Allein im Cloud- und KI-Segment belief sich der Auftragseingang auf 1,8 Milliarden Euro. Siemens positioniert sich als Design-Partner für moderne Rechenzentrumsarchitekturen.
- Angehobene Jahresprognose: Das Management signalisierte weiteres Wachstumspotenzial und hob die Guidance an.
Die Erwartungen an die anstehende Quartalspräsentation sind entsprechend hoch. Sollte Siemens die Dynamik bestätigen, könnte ein neues Allzeithoch in Reichweite rücken. Der RSI von 78,8 signalisiert allerdings bereits eine technisch überkaufte Lage — ein Warnsignal für kurzfristig orientierte Anleger.
Deutsche Telekom: Zaghafte Erholung mit strategischem Impuls
Die T-Aktie tastet sich bei 27,64 € vorsichtig nach oben. Nach einem schwierigen April — der Kurs liegt noch immer rund zehn Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt — setzt eine zaghafte Gegenbewegung ein.
Zwei Treiber stützen die Erholung. Erstens: die Quartalszahlen, die in dieser Woche anstehen. Als Stimmungsanker dient das starke Abschneiden der US-Tochter T-Mobile US, die zuletzt mit deutlichem Umsatzwachstum und solidem Kundenzuwachs überzeugte.
Zweitens sorgt eine ungewöhnliche Kooperation für Aufmerksamkeit. Gemeinsam mit Rheinmetall entwickelt die Deutsche Telekom einen Drohnen-Abwehrschirm gegen feindliche Drohnen und Cyberangriffe. Der Vorstoß in den Sicherheitsbereich signalisiert eine strategische Verbreiterung jenseits des klassischen Telekommunikationsgeschäfts. Ob die Quartalszahlen reichen, um den Abwärtstrend der vergangenen Wochen nachhaltig zu brechen, wird sich in den kommenden Tagen zeigen.
Adidas: Zolldruck frisst operative Fortschritte auf
Am anderen Ende der Skala steht Adidas. Mit einem Minus von 4,27 % auf 141,10 € ist der Sportartikelkonzern der schwächste DAX-Wert des Tages. Seit Jahresbeginn hat die Aktie mehr als 16 Prozent verloren.
Die Belastungsfaktoren sind struktureller Natur. US-Importzölle und ungünstige Währungseffekte radieren einen erheblichen Teil der operativen Verbesserungen aus. Für 2026 peilt der Konzern ein operatives Ergebnis von 2,3 Milliarden Euro an — deutlich unter dem, was Analysten ursprünglich erwartet hatten. Diese Prognosesenkung wirkt nach.
Kein Wunder, dass Anleger nervös reagieren: Die Abhängigkeit von den Absatzmärkten China und USA erhöht die Anfälligkeit für politische Störfeuer erheblich. Zwar könnte die Fußball-WM 2026 als Umsatzkatalysator wirken, und die Hauptversammlung stimmte einer deutlich erhöhten Dividende zu. Kurzfristig überwiegt jedoch der Verkaufsdruck. Das April-Tief bei 130,60 € bleibt als technische Unterstützung im Blick.
Fresenius: US-Schwäche der Tochter FMC zieht Mutter mit
Fresenius verliert am Montag 3,62 % und notiert bei 39,90 € — nur knapp über dem 52-Wochen-Tief. Der Gesundheitskonzern steckt in einem Teufelskreis aus schwachen Branchensignalen und belastetem Makroumfeld.
Im Zentrum steht das US-Geschäft der Tochter Fresenius Medical Care. Anhaltend schwaches Wachstum bei den Behandlungsvolumina in den USA drückt auf die Stimmung. Analysten betrachten die Entwicklung dieses Marktes als entscheidenden Hebel für eine operative Ergebniswende. Solange die US-Dynamik nicht belastbar anzieht, bleibt der Bewertungsdruck hoch.
Negative Wechselkurseffekte verschärfen die Lage zusätzlich. Seit Jahresbeginn hat die Fresenius-Aktie mehr als 16 Prozent eingebüßt und notiert deutlich unter ihrem 200-Tage-Durchschnitt. Die Story bleibt eng mit FMC verknüpft — und damit mit einem Markt, der aktuell wenig Erholungssignale sendet.
Hannover Rück: Starke Zahlen, enttäuschter Markt
Ein Gewinnsprung von fast 48 Prozent — und trotzdem Kursverluste. Hannover Rück liefert das Paradoxon des Handelstages. Die Aktie fällt um 3,24 % auf 239,00 €, obwohl der Rückversicherer im ersten Quartal den Nettokonzerngewinn auf 710,6 Millionen Euro steigerte.
Mehrere Faktoren erklären die Diskrepanz. Zunächst der technische Effekt: Die Dividende von 12,50 Euro je Aktie wurde am 11. Mai ausgeschüttet, der Ex-Tag lag am 7. Mai. Dieser Abschlag drückt optisch auf den Kurs.
Inhaltlich kommt hinzu, dass die Erträge im Schaden/Unfall-Geschäft hinter den Erwartungen zurückblieben. Die kanadische Bank RBC beließ das Kursziel bei 280 Euro mit der Einstufung „Sector Perform“, verwies aber auf den schwächer als erwarteten Nettogewinn. Barclays Capital ging mit einer „Underweight“-Einstufung noch weiter. In der Schaden-Rückversicherung verlaufen die Vertragsverhandlungen mit Erstversicherern zunehmend schwieriger — der Preisdruck in der Branche hält an. Eine Eigenkapitalrendite von 21,2 Prozent bei einem strategischen Ziel von 14 Prozent ist beeindruckend. Dem Markt reicht sie heute nicht.
Berichtssaison als Richtungsgeber für den DAX
Der Montag zeichnet eine klare Sektorrotation: Börsenbetrieb, Digitalisierung und Telekommunikation auf der Gewinnerseite — Konsumgüter, Gesundheit und Rückversicherung auf der Verliererseite. Geopolitische Risiken rund um den Iran belasten über steigende Ölpreise und Währungseffekte vor allem exportlastige Konzerne.
Die entscheidende Weichenstellung folgt in den kommenden Tagen. Sollten Siemens und Deutsche Telekom mit ihren Quartalszahlen die hohen Erwartungen erfüllen, könnte der DAX seine Konsolidierungsphase überwinden. Enttäuschen die Zahlen hingegen, dürfte sich die Rotation zugunsten defensiver Werte beschleunigen. Die Iran-Spannungen und ihre Wirkung auf Energiepreise bleiben das zentrale Risiko für die gesamte Handelswoche.
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