Silber: 80 Prozent Plus trotz Fed-Schock
Silber erlebt eine der schwankungsreichsten Wochen des Jahres. Ein Friedensabkommen und Fed-Signale treiben den Kurs, während ein strukturelles Defizit stützt.

Kurz zusammengefasst
- Historischer Friedensdurchbruch treibt Silber
- Fed-Signale lösen scharfe Kursverluste aus
- Strukturelles Defizit von 67 Mio. Unzen
- Charttechnische Widerstände bei 70,73 Dollar
Ein historischer Friedensdurchbruch im Nahen Osten befeuerte zunächst die Edelmetalle. Kurz darauf radierte die US-Notenbank sämtliche Gewinne wieder aus. Silber erlebte eine der volatilsten Handelswochen des Jahres. Die gegensätzlichen Kräfte reißen den Markt förmlich auseinander.
Zu Wochenbeginn sorgten Washington und Teheran für Aufatmen. Ein vorläufiges Abkommen öffnet die Straße von Hormus. Die Logik der Händler: Günstigeres Öl senkt die Inflation und verhindert weitere Zinserhöhungen. Silber sprang daraufhin um rund fünf Prozent nach oben.
Die Euphorie endete abrupt. Fed-Chef Warsh strich jegliche Prognosen aus dem Notenbank-Statement. Neun von achtzehn Mitgliedern erwarten nun eine Zinserhöhung in diesem Jahr. Der US-Dollar kletterte auf ein Jahreshoch. Silber verzeichnete den schärfsten Tagesverlust seit Wochen.
Am Freitag schloss die Feinunze bei 64,86 US-Dollar. Auf Monatssicht verlor das Edelmetall damit spürbar an Wert. Auf Jahressicht steht allerdings noch immer ein massives Plus von rund 80 Prozent.
Strukturelles Defizit stützt den Preis
Jenseits der Notenbankpolitik bleibt das fundamentale Bild extrem angespannt. Die Solarbranche reduziert den Silbergehalt pro Modul aktuell aggressiv. Der Verbrauch in diesem Sektor fällt 2026 um voraussichtlich 19 Prozent.
Das ändert allerdings wenig an der massiven Unterversorgung. Das Silver Institute rechnet für das laufende Jahr mit einem Defizit von 67 Millionen Unzen. Der Markt zehrt zunehmend von seinen schrumpfenden Reserven. Das stützt den Preis langfristig.
Datenkalender gibt die Richtung vor
Kurzfristig dominiert das Zinsdilemma. Silber wirft keine eigene Rendite ab. Hohe Zinsen machen das Edelmetall im Vergleich zu Anleihen unattraktiv. Da die Fed nun rein datengetrieben entscheidet, blicken Händler gebannt auf die Konjunkturzahlen.
Am Dienstag stehen die wichtigen Einkaufsmanagerindizes für Juni an. Experten erwarten für die Industrie einen Wert von 54,8. Ein starkes Ergebnis dürfte den Dollar weiter befeuern und Silber belasten.
Charttechnik markiert klare Grenzen
Technisch ringt der Kurs aktuell mit dem Widerstand bei 70,73 US-Dollar. Gelingt hier ein Ausbruch, rückt das Mai-Hoch bei knapp 79 US-Dollar in den Fokus.
Prallt Silber an dieser Hürde ab, droht ein Rücksetzer. Die nächste starke Unterstützung wartet bei 61,50 US-Dollar. Fällt diese Marke, rutscht der Kurs höchstwahrscheinlich rasch in Richtung 54 US-Dollar ab.
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