Silber: Hormuz-Kehrtwende zündet

Geopolitische Spannungen um den Iran treiben den Silberpreis an, während ein strukturelles Marktdefizit den Boden bildet. Industrielle Nachfrage bleibt der Haupttreiber.

Redaktion Stock-World ·
Silber Preis Aktie (KI-generiertes Symbolbild)
Symbolbild, KI-generiert

Kurz zusammengefasst

  • Geopolitische Eskalation in der Straße von Hormuz
  • Sechstes Marktdefizit in Folge erwartet
  • Starke industrielle Nachfrage aus Hochtechnologie
  • Charttechnische Ziele bei 83 und 86 US-Dollar

Der Iran dreht an der Eskalationsschraube — und Silber profitiert. Nachdem Teheran die Straße von Hormuz am Freitag kurzzeitig für geöffnet erklärt hatte, folgte am Samstag die Kehrtwende: Die strategisch wichtige Meerenge gilt wieder als gesperrt. Berichte über Schüsse auf einen indischen Öltanker und ein beschädigtes Containerschiff heizen die Lage weiter an.

Für Silber bedeutet das zusätzlichen Rückenwind. Das Edelmetall schloss die vergangene Woche mit einem Plus von rund sieben Prozent bei 81,84 US-Dollar je Feinunze — und liegt damit knapp über seinem 100-Tage-Durchschnitt. Seit Jahresbeginn summiert sich das Plus auf über 13 Prozent.

Strukturelles Defizit als Fundament

Hinter der kurzfristigen Geopolitik steckt ein handfestes Marktungleichgewicht. Der globale Silbermarkt steuert auf sein sechstes Angebotsdefizit in Folge zu. Prognosen rechnen für 2026 mit einem Fehlbetrag von bis zu 67 Millionen Unzen. Die COMEX-Lagerbestände sind auf rund 77 Millionen Unzen gesunken — ein Niveau, das den Markt anfällig für physische Nachfrageschübe macht.

Industrielle Abnehmer bleiben der Treiber. Solaranlagen, Elektrofahrzeuge und Rechenzentren für KI-Anwendungen fressen wachsende Mengen des Metalls. Substitutionseffekte in der Solarbranche — weniger Silber pro Zelle — dämpfen den Verbrauch zwar leicht, werden aber durch den Bedarf anderer Hochtechnologiesektoren mehr als ausgeglichen.

Waffenruhe läuft ab, Daten kommen

Die geopolitische Lage bleibt das dominierende Thema für die neue Handelswoche. Die zehntägige Waffenruhe zwischen Israel und der Hisbollah, die in der Nacht zum Freitag in Kraft trat, nähert sich ihrem Ende. Wie Teheran auf einen möglichen Ablauf reagiert, dürfte die Risikoprämie im Silberpreis direkt beeinflussen.

Charttechnisch liegt der erste Widerstand bei 83,00 US-Dollar. Ein nachhaltiger Ausbruch darüber würde den Bereich bis 86,30 Dollar ins Spiel bringen. Nach unten gilt die runde Marke von 80 Dollar als kurzfristige Haltelinie.

Makroökonomisch liefert die Woche zwei relevante Impulse: Am Dienstag erscheinen die US-Einzelhandelsumsätze für März, am Mittwoch sprechen EZB-Vertreter über den geldpolitischen Kurs. Ein schwächerer Dollar — falls die Daten enttäuschen — würde Silber für internationale Käufer günstiger machen und den Aufwärtsdruck verstärken.

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