Silber Preis: 127,2-Prozent-Ziel bei 50,14 Dollar

Silber zeigt mit einem Doji bei 60,63 Dollar erste Stabilisierungstendenzen, bleibt aber im übergeordneten Abwärtstrend gefangen.

Dr. Robert Sasse ·
Silber Preis Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Doji-Kerze deutet auf Patt hin
  • Abwärtstrend weiterhin intakt
  • Widerstandszone zwischen 63 und 66,65 Dollar
  • Geopolitische Spannungen belasten zusätzlich

Silber steckt in der Zwickmühle. Am Freitag, dem 10. Juli 2026, bildete sich bei 60,63 US-Dollar ein Doji. Diese Kerzenformation zeigt Unentschlossenheit im Markt. Käufer und Verkäufer halten sich gerade die Waage.

Der Kurs kommt von einem Rücksetzer auf 55,96 US-Dollar. Seither wirkt die Lage etwas ruhiger. Ein klares Signal ist das aber noch nicht.

Bärische Struktur trifft auf erste Hoffnungssignale

Das Chartbild sendet widersprüchliche Signale. Der übergeordnete Abwärtstrend bleibt intakt. Oberhalb des aktuellen Kurses wartet ein massiver Widerstandsbereich. Die laufende Seitwärtsbewegung könnte sich als Bärenflagge entpuppen – ein Muster, das oft eine Fortsetzung des Abwärtstrends ankündigt.

Silber notiert unter beiden wichtigen gleitenden Durchschnitten. Der 50-Tage-SMA liegt bei 71,45 US-Dollar, der 200-Tage-SMA bei 63,37 US-Dollar. Beide Marken bestätigen die bärische Grundstruktur.

Der ADX-Indikator steht bei 36,52 Punkten. Zusammen mit dem dominierenden negativen Directional Indicator zeigt er: Der Abwärtstrend ist nicht nur vorhanden, er ist vergleichsweise stark. Auch der SuperTrend-Indikator bleibt auf Rot und verläuft bei 70,45 US-Dollar. Ein Entwarnungssignal sieht anders aus.

Trotzdem gibt es kurzfristig Lichtblicke. Der MACD hat ein bullisches Crossover geliefert – der Wert liegt bei minus 3,485 gegenüber vorher minus 3,739. Der Abwärtsdruck lässt damit zumindest vorübergehend nach. Beim Ichimoku-System notiert der Kurs über dem Tenkan-sen bei 59,71 US-Dollar, was für eine kurzfristige Stabilisierung spricht. Am unteren Bollinger-Band bei 55,46 US-Dollar drehte der Kurs zudem nach oben.

Diese Marken entscheiden über die Richtung

Für den weiteren Verlauf zählt vor allem eine Zone. Der Bereich zwischen rund 63 und 66,65 US-Dollar muss überwunden werden, damit sich das Bild aufhellt.

Gelingt das nicht, drohen weitere Verluste. Die 127,2-Prozent-Fibonacci-Extension liefert ein erstes Abwärtsziel bei 50,14 US-Dollar. Fällt Silber unter 55,96 US-Dollar, wäre ein Rückgang in den Bereich zwischen 50 und 48 US-Dollar technisch keine Überraschung.

Analysten mahnen trotz der positiven Kurzfrist-Signale zur Vorsicht. Eine Erholung kann jederzeit kommen. Solange die entscheidenden Trendmarken aber nicht zurückerobert sind, bleibt ein steigender Kurs kein Beweis für eine echte Wende. Gerade in starken Abwärtstrends fallen Zwischenrallys oft heftig aus – bevor die nächste Verkaufswelle beginnt.

Geopolitik und Zinserwartungen belasten zusätzlich

Die vergangene Handelswoche war stark von geopolitischen Spannungen geprägt. Am Mittwoch fiel Silber um mehr als 2 Prozent auf 58,4 Dollar pro Unze. Das war das niedrigste Niveau seit Dezember 2025.

Auslöser war eine Äußerung von US-Präsident Donald Trump. Er erklärte ein vorläufiges Friedensabkommen mit dem Iran für beendet. Die Ölpreise zogen daraufhin um mehr als 5 Prozent an. Das schürte Sorgen vor steigender Inflation und länger hohen US-Zinsen.

Die Zinserwartung belastet Silber zusätzlich. Die Märkte preisen inzwischen eine Wahrscheinlichkeit von 66 Prozent für eine Zinserhöhung der US-Notenbank im September ein. Am Dienstag lag dieser Wert noch bei 62 Prozent. Höhere Zinsen setzen Edelmetalle tendenziell unter Druck, weil sie keine laufenden Erträge abwerfen.

Die längerfristige Entwicklung bleibt trotz des Rückschlags bemerkenswert. Im vergangenen Monat verlor Silber 10,61 Prozent an Wert. Gegenüber dem Vorjahr steht aber immer noch ein Plus von 60,48 Prozent.

Die kommenden Handelstage werden zeigen, ob aus dem Doji ein echter Rebound wird. Entscheidend bleibt, ob Silber die Zone zwischen 63 und 66,65 US-Dollar zurückerobert. Bis dahin bleibt der übergeordnete Trend bärisch – trotz der ersten Stabilisierungsversuche bei MACD und Ichimoku.

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