Silber Preis: 18,58 Prozent Rückgang seit Jahresbeginn
Silber verzeichnet deutliche Kursverluste, während das sechste Angebotsdefizit in Folge droht. Analysten beobachten das Gold-Silber-Ratio als möglichen Wendepunkt.

Kurz zusammengefasst
- Silberkurs fällt um 2,51 Prozent
- Sechstes Angebotsdefizit in Folge erwartet
- Gold-Silber-Ratio nahe 69:1
- Widerstände bei 71,80 und 83,75 Dollar
Der Silberpreis fällt weiter, während der physische Markt so eng ist wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Am Freitag schloss die Feinunze bei 57,77 US-Dollar, ein Minus von 2,51 Prozent an einem einzigen Tag. Seit Jahresbeginn steht ein Rückgang von 18,58 Prozent zu Buche. Trotzdem bleibt das strukturelle Angebotsdefizit das bestimmende Thema für die kommende Handelswoche.
Gold-Silber-Ratio als Schlüsselindikator
Ein Preisverhältnis von Gold zu Silber nahe 69:1 gilt unter Investoren als wichtiges Signal. Historisch gingen solche gedehnten Ratios oft Phasen voraus, in denen Silber gegenüber Gold aufholte. Genau dieses Muster beobachten Marktteilnehmer nun erneut.
Der Kurs liegt aktuell 7,49 Prozent unter seinem 50-Tage-Durchschnitt von 62,45 US-Dollar. Der RSI steht bei 44,2 und signalisiert damit weder eine überkaufte noch eine überverkaufte Marktlage. Das lässt Raum für Bewegung in beide Richtungen.
Industrielle Nachfrage bleibt Preistreiber
Silber ist Investment- und Industriemetall zugleich. Diese Doppelrolle sorgt dafür, dass sowohl Zinsentscheidungen als auch Konjunkturdaten den Kurs beeinflussen können.
Für 2026 sollen rund 57 Prozent der gesamten Silbernachfrage aus der industriellen Fertigung stammen. Das entspricht einem Rückgang von 3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Trotz dieses Dämpfers bleibt die Industrie die tragende Säule der Nachfrage.
Charttechnische Marken für die Woche
Aus charttechnischer Sicht zeichnen sich für die kommende Handelswoche klare Linien ab. Als Widerstände gelten 71,80 und 83,75 US-Dollar. Unterstützungen liegen bei 61,02 und 54,46 US-Dollar, mit einer Basis um 64,82 US-Dollar aus dem Juni.
Der Blick zurück zeigt, wie schnell sich das Bild drehen kann. Nach dem Allzeithoch von 121,78 US-Dollar im Januar hielt das März-Tief 64 Handelstage lang. Ende Juni durchbrach der Kurs diese Marke mit einem neuen Wert von 55,62 US-Dollar. Vom Rekordhoch aus gerechnet steht Silber nun 52,56 Prozent im Minus.
Strukturelles Angebotsdefizit im Hintergrund
Der globale Silbermarkt steuert 2026 auf sein sechstes Angebotsdefizit in Folge zu. Laut World Silver Survey 2026 von Silver Institute und Metals Focus soll die Lücke bei 46,3 Millionen Feinunzen liegen. Das ist ein Anstieg von 15 Prozent gegenüber den 40,3 Millionen Unzen im Vorjahr.
Die Lagerbestände zeigen die Folgen dieser Entwicklung deutlich. Seit 2021 haben Marktteilnehmer kumuliert 762 Millionen Feinunzen aus oberirdischen Beständen abgezogen, um Angebot und Nachfrage auszugleichen. Ein Wert ohne modernes Vorbild.
Der Anteil frei verfügbaren Silbers in Londoner Tresoren fiel im September 2025 auf einen historischen Tiefstand von 17 Prozent. Diese Verknappung löste im Oktober 2025 spürbare Engpässe bei der physischen Liquidität aus.
Für die kommende Woche bleibt das Zusammenspiel dieser Faktoren entscheidend: das Gold-Silber-Ratio nach seiner jüngsten Bewegung, die Reaktion auf geldpolitische Signale und die Charttechnik zwischen 54 und 84 US-Dollar. Das Angebotsdefizit liefert dabei weiterhin den fundamentalen Unterbau, unabhängig davon, wie der Kurs kurzfristig reagiert.
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