Silber Preis: 2,67 Prozent auf 69,94 Dollar
Silber legt dank schwachem Dollar kräftig zu, während Kapitalzuflüsse und ein strukturelles Angebotsdefizit die langfristigen Aussichten stützen.

Kurz zusammengefasst
- Silberpreis steigt um 2,67 Prozent
- Kapitalzuflüsse in Silber-ETF
- Physische Lagerbestände steigen deutlich
- Strukturelles Defizit bleibt bestehen
Der Silberpreis legt am Freitag kräftig zu und steigt auf 69,94 US-Dollar je Feinunze, ein Plus von 2,67 Prozent gegenüber dem Vortag. Ein schwächerer US-Dollar treibt die Notierung, während Anleger gespannt auf die anstehende Veröffentlichung der Fed-Protokolle blicken.
Die Rallye setzt damit eine Bewegung fort, die bereits am Vortag an der Terminbörse COMEX Fahrt aufgenommen hatte: Dort schossen Silber-Futures im Übernachthandel um 4,83 Prozent nach oben, während parallel auch Gold-Futures auf 4.580,70 Dollar kletterten. Analysten werteten dies als Rückkehr der Nachfrage nach sicheren Häfen.
Kapitalzuflüsse und technisches Kaufsignal
Die jüngste Stärke speist sich nicht allein aus der Zinsdebatte. Medienberichten zufolge registriert der Silbersektor derzeit signifikante Kapitalzuflüsse, der Branchen-ETF SIL notiert seit der ersten Augustwoche über seinem 200-Tage-Durchschnitt – ein Signal, das manche Marktbeobachter als Beginn eines neuen Bullenmarkts interpretieren.
Bereits Anfang des Monats hatte der Analyst Christian Henke von IG Deutschland für den Fall eines Ausbruchs über die damals bei 65,18 Dollar liegende 200-Tage-Linie ein technisches Kursziel von 71,55 Dollar genannt. Mit dem aktuellen Niveau von knapp 70 Dollar rückt diese Marke spürbar näher.
Gleichzeitig zeigt sich am physischen Markt eine Entspannung, die den fundamentalen Hintergrund der Rallye differenzierter erscheinen lässt. Die London Metal Exchange verzeichnete in der vergangenen Woche Silber-Zuflüsse von 17.000 Tonnen, die verfügbaren Lagerbestände stiegen binnen sieben Tagen um 75 Prozent auf knapp 159.000 Tonnen. Das lindert die kurzfristige physische Knappheit, ändert aber nichts am strukturellen Bild des Marktes.
Strukturelles Defizit stützt langfristige Erwartung
Denn das globale Angebots-Nachfrage-Ungleichgewicht bleibt bestehen. Medienberichten zufolge belief sich das weltweite Silberdefizit 2025 auf über 280 Millionen Unzen, bei einer Nachfrage von mehr als 1,1 Milliarden Unzen gegenüber einer Produktion von rund 820 Millionen Unzen.
Rund 70 Prozent des Angebots entstehen dabei weiterhin lediglich als Beiprodukt der Kupfer- und Bleiförderung – ein struktureller Engpass, der sich nicht kurzfristig auflösen lässt.
Vor diesem Hintergrund bleiben auch die mittelfristigen Kursziele großer Häuser ambitioniert. Die Citigroup-Analysten setzten am 13. August ein Kursziel von 90 US-Dollar pro Feinunze für die kommenden sechs bis zwölf Monate und rechnen mit einem anhaltenden strukturellen Defizit bis mindestens 2027.
Produzenten profitieren von hohen Preisen
Die gestiegenen Notierungen kommen auch Minengesellschaften zugute. Heliostar meldete für das zweite Quartal 2026 aus der Mine San Agustin eine Rekordproduktion von 79.710 Unzen Silber und 14.803 Unzen Gold.
Avino Silver & Gold steigerte den Umsatz im zweiten Quartal auf 26,8 Millionen US-Dollar nach 21,8 Millionen im Vorjahr, was H.C. Wainwright am 13. August zu einer Anhebung des Kursziels von 10,25 auf 10,50 US-Dollar bei der Einstufung „Buy“ veranlasste.
Auch das Bergbauunternehmen Arizona Eagle nutzte die gestiegenen Spotpreise und erwarb drei ehemals produzierende Silberminen, um von der aktuellen Marktlage zu profitieren.
Für Anleger bleibt die Gemengelage klar: Kurzfristig treiben Dollarschwäche und Zinserwartungen den Preis, langfristig stützt das strukturelle Angebotsdefizit die positive Grundstimmung im Sektor.
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