Silber Preis: 35 Prozent unter Allzeithoch

Silber verliert nach Allzeithoch deutlich an Wert, doch strukturelle Angebotsdefizite und steigende Solarnachfrage stützen langfristige Perspektiven.

Felix Baarz ·
Ein glänzender Silberbarren, umgeben von abstrakten Diagrammen und Marktdaten in kühlen Farbtönen. (KI-generiertes Symbolbild)
Symbolbild, KI-generiert

Kurz zusammengefasst

  • Rückgang von über 121 auf 76 Dollar
  • Hohe Inflation verzögert Zinssenkungen
  • UBS senkt Prognose für Angebotsdefizit
  • Solarenergie treibt Nachfragewachstum an

Vom Allzeithoch bei über 121 Dollar auf knapp 76 Dollar — Silber hat in wenigen Monaten rund 35 Prozent verloren. Wer Anfang 2026 kaufte, sitzt auf einem empfindlichen Verlust. Wer bereits 2025 dabei war, hat trotzdem noch über vier Prozent Jahresgewinn im Depot.

Zinserwartungen drücken auf die Stimmung

Der April-CPI kam mit 3,8 Prozent herein — höher als erwartet und der stärkste Anstieg seit Mai 2023. Die Wahrscheinlichkeit einer Zinssenkung im Juni kollabierte daraufhin auf unter acht Prozent. Märkte verschieben die erste Lockerung nun auf November oder Dezember, manche Prognosen reichen bis weit ins Jahr 2027.

Die Fed hatte die Zinsen im Verlauf von 2025 auf eine Spanne von 3,50 bis 3,75 Prozent gesenkt und hielt sie dort über drei Sitzungen stabil. Am 16. und 17. Juni fällt die nächste Entscheidung — inklusive Dot Plot, dem ersten seit März. Für Silber bedeutet ein Umfeld länger erhöhter Zinsen: Der Opportunitätskostendruck auf zinslose Assets bleibt.

Parallel dazu laufen Verhandlungen über eine mögliche 60-tägige Verlängerung des US-Iran-Waffenstillstands. Unterbrechungen bei Schifffahrt und Energieinfrastruktur könnten die Ölpreise hoch halten und die vorsichtige Haltung der Fed weiter untermauern — Geopolitik wirkt diesmal als Gegenwind, nicht als Treiber.

Analysten bleiben verhalten

UBS revidierte seine Prognose für das Silberangebotsdefizit deutlich nach unten: von 300 Millionen auf 60 bis 70 Millionen Unzen. Auch der Ausblick für die Investitionsnachfrage fiel auf 300 Millionen Unzen, nach zuvor mehr als 400 Millionen.

Die Kurszielspanne der Analysten ist breit. J.P. Morgan erwartet im Jahresdurchschnitt rund 81 Dollar je Unze, der Reuters-Median aus 30 Analysten liegt bei 79,50 Dollar, ING bei 78 Dollar. Aktuell notiert Silber bei 75,83 Dollar — knapp unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 76,09 Dollar.

Strukturelle Defizite bleiben bestehen

Kurzfristige Stimmungsschwäche trifft auf ein langfristig angespanntes Angebot. Das Silver Institute prognostiziert für 2026 ein sechstes aufeinanderfolgendes Jahresdefizit von rund 46 Millionen Unzen. Seit 2021 summieren sich die kumulierten Lagerentnahmen auf fast 762 Millionen Unzen.

Das strukturelle Problem: Rund 70 Prozent des Silbers fällt als Nebenprodukt anderer Metallförderung an. Das Angebot kann auf höhere Preise kaum reagieren. Auf der Nachfrageseite wächst der Solarsektor mit 14 Prozent jährlich und macht bereits 16 Prozent der globalen Silbernachfrage aus. Elektrofahrzeuge kommen auf knapp drei Prozent — mit steigender Tendenz.

Chinas Exportkontrollen hatten 2025 maßgeblich zur Rally beigetragen, die Silber von 29 Dollar auf über 121 Dollar trieb. Ob Peking die Restriktionen lockert oder verschärft, bleibt einer der größten Unsicherheitsfaktoren für das zweite Halbjahr. Die Fed-Sitzung Mitte Juni liefert den nächsten konkreten Orientierungspunkt.

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