Silber Preis: 35 Prozent unter Januar-Hoch
Nach 140 Prozent Kursplus im Jahr 2025 warnen UBS und HSBC vor Nachfragezerstörung. Der Silberpreis fiel bereits 35 Prozent vom Januar-Hoch.

Kurz zusammengefasst
- Silberpreis fiel 35 Prozent vom Hoch
- UBS und HSBC warnen vor Überbewertung
- Solarbranche reduziert Silberverbrauch drastisch
- Angebotslücke schrumpft auf 73 Millionen Unzen
Silber notiert bei 75,83 US-Dollar je Feinunze — der Abstand zum Januar-Hoch von 116,89 Dollar beträgt über 35 Prozent. Der rasante Kursanstieg von 140 Prozent im Jahr 2025 fordert seinen Tribut. Zwei Großbanken schlagen gleichzeitig Alarm.
UBS und HSBC warnen vor Nachfragezerstörung
Die Analysehäuser sehen das Metall fundamental überbewertet. UBS betont: Der Preissprung 2025 hat Industriekunden abgeschreckt. Anders als Gold profitiert Silber von keinen Zentralbankkäufen — ein entscheidender Nachteil in einer konjunkturellen Schwächephase.
HSBC-Analyst James Steel nennt ein konkretes Beispiel: Der Ausflug über 120 Dollar je Unze im Januar habe klar zur Nachfragezerstörung geführt. Die Bank erwartet, dass die industrielle Nachfrage 2026 auf 642 Millionen Unzen sinkt. Die Prognose-Spanne unter den Analysten ist so breit wie selten zuvor bei einem großen Rohstoff. Ein klares Signal für Unsicherheit.
Photovoltaik-Branche spart massiv Silber
Ein zentraler Treiber der Schwäche kommt aus dem Solarsektor. Hersteller reduzieren aktiv den Silberanteil je Panel. Die PV-Nachfrage dürfte laut Branchendiensten um rund 19 Prozent gegenüber dem Vorjahr einbrechen.
Der Kostendruck ist enorm: Silberpaste machte zeitweise bis zu 30 Prozent der Produktionskosten aus — 2021 lag der Anteil noch bei 3 bis 5 Prozent. Die Folge: Hersteller ersetzen Silber verstärkt durch Kupfer. Thrifting heißt der Fachbegriff, und er wirkt strukturell.
Auch die Schmucknachfrage fällt. Sie ging um 9 Prozent zurück, die Nachfrage nach Silberwaren sogar um 17 Prozent.
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Angebotslücke schrumpft
Das weltweite Silbermarkt-Defizit sinkt deutlich. HSBC rechnet mit einer Einengung von 143 Millionen Unzen (2025) auf 73 Millionen Unzen 2026. 2027 könnte die Lücke nur noch 25 Millionen Unzen betragen.
Die Minenproduktion steigt marginal von 847 auf 848 Millionen Unzen. Recycling legt etwas stärker zu. HSBC erwartet daher einen moderaten Preisrückgang in der zweiten Jahreshälfte 2026.
Inflation und Geopolitik belasten zusätzlich
Der makroökonomische Gegenwind bleibt heftig. Der US-PCE-Preisindex stieg im April auf 3,80 Prozent — der stärkste Anstieg seit drei Jahren. Fed-Vertreter signalisieren: Zinsen bleiben wohl weit bis 2027 stabil. Eine Zinssenkung ist nach den heißen Inflationsdaten vom Tisch.
Gleichzeitig sorgt die Iran-Krise für Unsicherheit. Verhandlungen über eine Verlängerung des Waffenstillstands stocken. Für Silber wirken diese geopolitischen Risiken kurzfristig stützend, längerfristig aber nicht inflationsfreundlich.
Am 16. und 17. Juni tagt die US-Notenbank. Der aktualisierte Dot Plot wird zeigen, wie weit die Zinswende tatsächlich entfernt ist. Für Silberanleger dürfte das der entscheidende Termin der kommenden Wochen sein.
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